CHANSON: Organisationstalent mit Wortwitz

Die französische Sängerin Zazie begeistert mehr mit ihrem Wortwitz als mit origineller Musik, trotzdem hat sie eine beispiellose Success Story hinter sich.

Der „Zazie-smus“ kommt auch im Ausland gut an …

Diesen Samstag tritt die französische Popsängerin Zazie in Luxemburg auf. Wenn Sie jetzt noch kein Ticket haben, wird das leider auch nichts mehr, denn das Konzert ist ausverkauft. Sie könnten natürlich stattdessen eine Hollywood-Romanze im Kino gucken gehen – oder Sie besorgen sich ein Ticket für Zazies nächstes Konzert im Großherzogtum Anfang nächsten Jahres.

Wie kommt eine auf den ersten Blick durchschnittliche Sängerin, die sich komplett dem französischsprachigen Markt verschrieben hat, zu so vielen Fans, dass sofort ein „Nachholtermin“ anberaumt wird? Ganz einfach: Die Dame hat ein Talent für Texte, viel Energie und ist schlicht und einfach ein Organisationstalent.

Angefangen hat für Zazie, die 1964 als Isabelle Marie Anne de Truchis de Varenne in Boulogne-Billancourt zur Welt kam, alles mit dem Erbmaterial. Der Vater war Architekt, die Mutter Musikerin. Folglich lernte die junge Zazie schon von klein auf mehrere Instrumente zu spielen und wuchs in einem dem Chanson verschriebenen Haushalt auf, in dem sie frühzeitig ihre Kreativität bewies. Angeblich schrieb sie mit nur vier Jahren ihr erstes Lied und mit acht ihr erstes Theaterstück. Nach dem Schulabschluss machte Zazie eine Ausbildung zur Krankengymnastin, studierte Fremdsprachen und baute sich eine Modelkarriere auf, bevor sie Anfang der 1990er Jahre nach einigen Projekten in der Radio- und Fernsehwerbung in die Musikbranche wechselte. 1992 veröffentlichte sie ihr Debütalbum „Je, tu, ils“, das mäßig erfolgreich war. Ihre nachfolgenden Alben steigerten stetig ihre Popularität und Verkaufszahlen, bis sie 2001 mit „La Zizainie“ ihr bisher erfolgreichstes Album veröffentlichte.

Dabei behält Zazie beim Schreiben ihrer Musik immer das Zepter selbst in der Hand. Zwar arbeitet sie bei der Komposition der Melodien meist mit anderen Komponisten zusammen, dafür sind jedoch alle Alben von ihr selbst koproduziert, und die meisten ihrer Texte stammen aus ihrer Feder. Ihre Liedtexte zeichnen sich durch Alliterationen, Homophonien, Zweideutigkeiten und allgemein durch einen Wortwitz aus, der die eher traditionellen, unkreativen Melodien in den Schatten stellt.

Vermutlich ist dies auch der Ursprung ihres Spitznamens, den sie schon als Kind bekam. Er stammt aus dem Roman „Zazie in der Metro“ von Raymond Queneau, dessen Hauptfigur sich ebenfalls durch Wortwitz und den spielerischen Gebrauch der Sprache auszeichnet. In diesem Zusammenhang verwundert es nicht, dass Zazie auch als Texteschreiberin für andere französischsprachige Musiker erfolgreich ist, z.B. für Jane Birkin, Johnny Hallyday und Pascal Obispuo.

Ihr aktuelles, wenn auch nicht mehr brandneues Album „Za7ie“ ist ein Konzeptalbum durch und durch. Es besteht aus 14 Songs, die von insgesamt sieben zuvor erschienenen digitalen Minialben mit je sieben Songs – nach Adam Riese ergibt das ein Gesamt-Oeuvre von 49 Liedern – gewählt wurden. Diese Minialben wurden jeweils an einem anderen Wochentag veröffentlicht. Dem hier durchscheinenden beeindruckenden Organisationstalent der Sängerin, das auf ihrer Künstler-Homepage mit einem netten, wenn auch schon fast an Obsession grenzenden Sieben-Farben-des-Regenbogens-Schema visuell dargestellt wird, gibt es nicht viel hinzuzufügen. Außer, dass Zazies Rechnung aufgeht: In Frankreich und Belgien hat das Album bereits Platz eins der Charts erreicht, und dem ausverkauften Konzert in Luxemburg zu folgern hält der „Zazie-smus“ auch hierzulande Einzug.

Den Atelier, an diesem Samstag, dem
24. September und am 15. Februar 2012


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