ELEKTROPOP: Selbsterfüllung

Santigold ist mehr als ein One-Hit-Wonder: Die Produzentin setzt auf Eigenständigkeit und Eklektismus.

Ist sich ihrer Sache sehr sicher: Santigold.

Jeder Mensch kann mit einer Prise Selbstvertrauen und einer Dosis Willenskraft erreichen, was er will, und sich die Welt, in der er leben will, selber schaffen. Das ist die Aussage allzu vieler Popsongs und Alben der letzten zehn Jahre. Anders als viele ihrer Kollegen lebt die Elektropop-Musikerin Santigold aber genau das mit solch einer Leichtigkeit vor, dass sie Unmengen an Fans aus verschiedensten musikalischen Lagern in ihren Bann zieht.

Die aus Philadelphia stammende Santigold sammelte in den letzen zehn Jahren ihre ersten Erfahrungen als Initiatorin und Sängerin der Punk-Rock-Band Stiffed, bekam aber bald einen Solovertrag. 2008 erschien unter ihrem ursprünglichen Künstlernamen Santogold, den sie später aus rechtlichen Gründen umänderte, ihr gleichnamiges Debutalbum. Der Erfolg stellte sich fast gleichzeitig ein. Kommerziell barg das Album gleich zwei Schätze, „Creator“ und „Lights Out“, die verschiedene Werbespots untermalten. Bei den amerikanischen NME Awards erhielt sie im gleichen Jahr den Preis als beste Newcomerin.

Aber schon bevor sie ihre eigene Musik schrieb hatte Santigold ein bis 1999 zurückreichendes Portfolio als Songschreiberin, Komponistin, Produzentin und Sängerin angehäuft, das sie bis heute stetig erweitert. Ihre Klientel ist dabei so bunt wie ihre eigenen Musikvideos: Von Pop-Prinzessinnen wie Ashlee Simpson und Christina Aguilera über Möchtegern-Hipsters Mark Ronson und Lilly Allen bis hin zu M.I.A., Lykke Li und Kanye West. Es scheint fast so, als könnte sie niemandem einen Wunsch ausschlagen. Dass sie bezüglich ihrer Kollaborationen nicht wählerisch ist, kann aber auch daran liegen, dass sie sich für alle Arten Musik interessiert, was sich nicht zuletzt in ihren eigenen Alben niederschlägt.

Das im April diesen Jahres erschienene Album „Master of My Make-Believe“ ist ein gutes Beispiel für Santigolds Offenheit gegenüber verschiedensten Einflüssen. Eine Inspiration die sie sowohl an Orten findet, die sie bereist, als auch bei Musikern und Produzenten, mit denen sie zusammenarbeitet. Das Album entstand in Jamaica, New York und Australien, dessen Nightlife-Szene sie dazu inspirierte, dem auf Rap-Gesängen basierenden Song „Look at These Hoes“ einen Club-Sound unterzulegen. In Jamaica dagegen nutzte sie die geographische Ferne, um die letzten Jahre ihrer Karriere Revue passieren zu lassen und sie in Songtexten zu verarbeiten.

Unter den Musikern, die sie für die Mitarbeit rekrutierte, suchte sie bewusst viele aus, mit denen sie zuvor noch nicht zusammengearbeitet hatte. So zum Beispiel Nick Zinner und Karen O von den Yeah Yeah Yeahs, die Melodien und Gesang beisteuerten. Songschreiber und Produzent Greg Kurstin half mit seiner Sammlung an alten Drum Machines und Gitarren, den Sound des Albums zu erweitern. Dave Sitek, ein New Yorker Gitarrist, der schon Foals und Jane’s Addiction produziert hat, steuerte die Tyco Drums auf „This Isn’t Our Parade“ bei und Ricky Blaze, ein Rave- und Hip-Hop-Produzent aus Brooklyn, brachte eigene Melodien mit ein.

Santigold arbeitet hart und viel, um sich ihre schöpferischen Freiheiten leisten zu können. Genau deswegen ist die Aussage des Albums kein leerer Slogan, und Santigold keine substanzlose Hülle ihrer selbst: Sie lebt, was sie predigt. Und schafft es nebenher noch die Massen zum Tanzen zu bringen. So vermutlich auch an diesem Sonntag im Atelier.

Am 19. August im Atelier.


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