POST-ROCK: Suuns – kanadische Nordlichter

Die Band Suuns aus Montreal landet mit ihrem zweiten Album aus Post-Rock, Elektro, Shoegaze und Zeitgeist in Luxemburg.

Für ihr 2010 erschienenes Debütalbum „Zeroes QC“ hatte die vierköpfige Band, deren Name aus rechtlichen Gründen von „Zeroes“ in eine Abwandlung des thailändischen Wortes für „Null“ geändert wurde, besonders in Europa positive Kritiken und Nominierungen erhalten. Mit Tourneen machten sie sich einen Namen und bauten eine große Fangemeinde auf, so dass sie beim Erscheinen des neuen Albums „Images du Futur“ im März dieses Jahres bereits eine bekannte Größe im amerikanischen Nachbarland waren.

„Mirror, Mirror“ heißt ein Song auf dem neuen Album ? und beschreibt damit das Wesen des ganzen Albums, das das Gefühl einer Generation zwischen Aufbegehren, Hoffnung und Frustration widerspiegelt. Als Suuns 2012 nach mehreren Tourneen in den USA und Europa nach Montreal zurückkehrten, protestierten die Studenten der Stadt gerade gegen die Erhöhung der Studiengebühren. Die Songs zu ihrem zweiten Album wurden unter der Wirkung dieser, aus Rebellion, Zuversicht und Zweifel zusammengesetzten, Stimmung aufgenommen.

Suuns, das muss man dazusagen, sind jedoch keine Wiedergeburt Woody Guthries. Obwohl auf „Images Du Futur“ bewusst mehr Augenmerk auf die Texte gelegt wurde, sind diese immer noch eher Stream of Consciousness als Aussagen oder gar Aufforderungen zu irgendeiner Art von Aktivismus. Während auf dem Debütalbum der Gesang des Frontmanns Ben Shemie weitgehend unverständlich langgezogen ins Mikro genuschelt wurde und so mehr wie ein weiteres Instrument wirkte, sind die Texte des neuen Albums verständlicher und zusammenhängender – an ihrem Hauptzweck, ein Gefühl zu vermitteln, hat sich dadurch aber nichts geändert. Politisches Songwriting ist das nicht, soll es aber auch nicht sein.

Suuns Expertise liegt darin, Gefühle in Musik umzuwandeln und den Hörer in sie eintauchen zu lassen. Stilmittel reichen von ohrenbetäubendem Gitarren-Feedback, pulsierendem Schlagzeug, Synthesizer-Beats und waberndem Bass bis zu zarten Melodien, traumhaften, ins Unendliche schweifenden Klanglandschaften und tanzbaren Rhythmen. Zurückhaltung, so liest man oftmals, ist Suuns besonderes Markenzeichen. Ihre Musik ist zwar sonderbar, aber dennoch zugänglich. Die übergreifende Ästhetik, die schon auf dem Vorgänger zu erkennen war, wurde auf „Images Du Futur“ noch weiter ausgefeilt. Mal türmen sich ganze Gitarrenwände auf, mal dienen einzelne Noten der Unterstreichung der Melodie. Diese Kontraste sind nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der Songs zu finden. In „Bambi“ zum Beispiel entwickelt sich ein Soundeffekt zum eigentlichen Rhythmus und ändert sich dann klangfarblich. Die Musik ist somit niemals statisch, sondern verändert sich konstant. Ähnlich sieht Ben Shermie, wie er kürzlich in einem Interview sagte, die Entwicklung der Band im Ganzen: „Ich sehe, wie sich die Band fortlaufend ändert und verschiedene Dinge einfließen lässt. In der Zukunft werden wir uns sicherlich ganz anders anhören.“

Diese konstante Veränderung kann man auch bei Konzerten erkennen, zumal Suuns erst eine Live-Band waren, bevor sie das Studio für sich entdeckten. Sie haben dadurch das Selbstbewusstsein erworben, dank dessen sie nun vollkommen in ihre Songs eintauchen und sie aus dem Herzen heraus spielen können. So schaffen sie eine energiegeladene Atmosphäre, die wie ein Nordlicht am Himmel tanzt, ihre Intensität verändert und einfach nur begeistert.

Im Exit 07 am 02. Juli


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