MALEREI & FOTOGRAFIE: Ein Ort, überall

Mit Simon Nicholas‘ „Paintings“ und den Nachtaufnahmen von Petra Sedlaczek zeigt die Galerie Clairefontaine die Arbeiten zweier Künstler, die durch ihre subtile Handschrift beeindrucken.

Eine Parkwiese mit sich in der Sonne räkelnden Menschen, die auch die Kinnegswiss in Luxemburg sein könnte, eine verlassene Strandpromenade oder die von Menschenmassen erfüllten Innenräume eines Kaufhauses – gemalt mit warmen, pastosen Ölfarben in einer schon fast in Vergessenheit geratenen Tupftechnik, die die Darstellungen entfernt an die impressionistischen Gemälde eines Monet erinnern lassen, wären sie nicht zugleich eindeutig Abbilder unserer Zeit … In den Ölbildern des Londoner Malers Simon Nicholas verschwimmen die Grenzen zwischen Realität, Fiktion und Fotografie. Wenngleich keines seiner Bilder explizit auf Fotografien basiert, erzeugen sie doch durch die Anordnung der Motive den Schein einer verblüffenden, fotografieartigen Realität. Nicholas, der bereits zum dritten Mal in der Galerie Clairefontaine ausstellt, gewinnt seine Inspirationen aus Beobachtungen im Alltag, aus Erinnerungen, Intuitionen und zuweilen doch auch aus Fotografien. Mit formalen Elementen und sich wiederholenden Motiven bringt er es fertig, dass seine Bilder zugleich abstrakt und real wirken. Seine auf den ersten Blick konventionell erscheinenden Motive (ent-)führen den Betrachter an Orte, die ihm bekannt erscheinen, weil man fast überall in Westeuropa auf sie stoßen könnte. An der Serie von öffentlichen Plätzen, Bauten, Parks und Promenaden, die derzeit im Espace 1 der Galerie Clairefontaine zu sehen sind, arbeitet der britische Künstler seit 2010. Seine Ölbilder können als subtiler gesellschaftskritischer Kommentar interpretiert werden, dokumentieren sie doch die Anonymität der Massen. Durch schemenhafte Menschentrauben und die Wiederholung seiner Motive vermag Nicholas den Betrachter zu täuschen. Der Effekt der Wiedererkennung, der sich beim ersten Blick auf seine Bilder einstellt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als optische Täuschung. Nicholas‘ vordergründig stimmungsvollen Gemälde erweisen sich damit als subtiles Spiegelbild unserer Konsum-Gesellschaft.

Einen eigenen, unkonventionellen Zugang zur Kunst, respektive Fotografie hat auch die Kölnerin Petra Sedlaczek. Ihre Nachtaufnahmen von Hinterhöfen in Paris oder der Strände von Long Island verströmen eine geheimnisvoll-intime Atmosphäre. Menschen sind auf ihren Nacht-Fotografien, ähnlich wie auf den Öl-Bildern Simon Nicholas, wenn überhaupt, dann nur schemenhaft oder als Silhouetten zu erkennen. Ihre Strände wirken wie ausgestorben, aber ihre Hinterhof- und Fassaden-Aufnahmen beflügeln die Phantasie. Die geheimnisvollen Ausschnitte, die Sedlaczek, fasziniert von der Stille der Nacht, zeigt, sind nur Puzzlestücke einer Realität, die wir nicht kennen. Ihre rätselhaften Aufnahmen verleiten so zum Träumen. Es sind individuelle Geschichten, die sich hinter den Wänden verbergen, Spuren vom Tag, die die leeren Strände noch zeigen. An Orten, die überall sein könnten.

Bis zum 26. April in der Galerie Clairefontaine, Espace I & II


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