MALEREI: Schöne schrille Welt

von | 20.06.2014

Für das staatliche Geschichts- und Kunstmuseum (MNHA) hat der Luxemburger Maler Roland Schauls eigens eine Werkreihe erstellt. Die grellbunte Schau ist repräsentativ für sein vielschichtiges Werk – teils fordern die Bilder den Blick des Betrachters, teils muten sie klischeehaft an.

Die Ausstellung „Capriccio“ (zu Deutsch: Laune) ist nicht einer Laune Roland Schauls entsprungen. Vom MNHA erhielt der luxemburgische Künstler 2013 den Auftrag, eine für sein Werk repräsentative Reihe zu schaffen. Mehr als zweihundert Arbeiten sind so in kürzester Zeit entstanden – 18 großflächige Tableaus (Acryl und Kohle auf Leinwand), zahlreiche Skizzen und Zeichnungen (Bleistift- und Kohle) sowie vereinzelte Collagen. Sie sind derzeit im 1. Stock des Museums zu sehen und bilden einen erfrischenden Kontrapunkt zu den dort beherbergten Sammlungen.

Die Schau erfüllt ihren Zweck, einen Ein- und Überblick in Schauls‘ Gesamtwerk zu geben. Die schrillen, dick-aufgetragenen, pastelligen Öl-Farben in leuchtendem Orange oder Pink, die spitzen Schuhe, Kartenspiel und Karomuster zeigen unverkennbar Malweise und Motivwelt des Künstlers. Die Raumaufteilung seiner Bilder erscheint nur vordergründig einheitlich erweist sich jedoch als verwirrend, spielt Schauls doch mit der Verschiebung der Fluchtpunkte und durchbricht immer wieder die Perspektive, indem er Linien und Formen sorgsam auslotet. Hinter seinen schemenhaften, im Raum arrangierten Figuren erkennt man bisweilen die Dächer der Luxemburger Altstadt. „In seiner imaginären Welt, in der zahlreiche Verweise auf die Kunstgeschichte des Großherzogtums zu finden sind, begegnen sich historische und zeitgenössische Figuren“ heißt es im begleitenden Presse-Text. Doch meinte man in früheren Werken des Malers, der sich immer wieder an der figurativen Malerei des 13. Jahrhunderts inspiriert hat, Berühmtheiten wie Dürer zu erkennen, so bleiben die Figuren in seinen jüngsten Arbeiten eher schemenhaft und spielen mehr denn je mit der Wahrnehmung des Betrachters. Gerade die Gesichter seiner Figuren verschwimmen zu Schemen, oder die Farbe zerläuft regelrecht; so wirken sie wie clowneske, mitunter beklemmend gespenstische Fratzen.

Die originellen Titel seiner Bilder scheinen meist das Leitmotiv vorzugeben. „Mit Literatur punkten“, „Chance für Talente“ oder „Mut zur Karriere“ lauten die mal gewitzten, mitunter auch arg bedeutungsschweren Wortspiele wie etwa „Gemeinsam gebadet und Verdi gehört“ oder „Da lacht Lukrez“. Geschmacklos wirkt dabei jedoch nicht nur der Titel „Zocken mit Zicken“, sondern auch die Perfektionsästhetik seiner Frauenfiguren, die ganz dem im 21. Jahrhundert vorherrschenden Schönheitsideal folgt. So sind Schauls Frauengestalten oft blond, haben fleischige Lippen, einen aufreizenden Blick, lange Beine und gewähren tiefe Einblicke in ihr Dekolleté. Einige Bilder wie „Kilimandscharo“ oder „White Sauvage“ erinnern an gängige Orient-Klischees. Andere bestechen durch ihre intelligente Komposition und die launige Farbenvielfalt und erweisen sich damit als wahre visuelle Capricci.

Capriccio, noch bis zum 13. Juli im MNHA.

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