MUSIK: Wovon träumen Roboter?

Noch vor einem Jahr waren sie als „The Poshblokes“ unterwegs. Jetzt haben sich die Luxemburger Punk-Pioniere mit einer neuen Platte unter dem Namen „Do Androïds Dream of Electric Sheep?“ neu erfunden.

woxx: Neuer Name, neues Album. Gehören die Poshblokes definitiv der Vergangenheit an?

D.A.D.O.E.S.: Es war uns wichtig klarzustellen, dass „Do Androïds Dream of Electric Sheep?“ nichts mehr mit „The Poshblokes“ gemein haben. Wir konnten uns nicht mehr mit Punkrock identifizieren und suchten neue musikalische Wege. So trafen wir auf unseren zweiten Gitarristen, der uns alle sehr bereichert hat. Mit der Musik die wir heute spielen, können wir endlich wieder das ausdrücken, was wir eigentlich fühlen. Dementsprechend fielen die neuen Texte auch weniger politisch, sondern eher persönlich und philosophisch aus.

Wie würdet ihr euren neuen Stil beschreiben?

Es ist immer schwierig sein eigenes Schaffen zu beurteilen. Um doch auf die Frage zu antworten: Es handelt sich um eine vertrackte und emotionale Mischung aus Hardcore und Emocore, die von elektronischen Klängen getragen wird.

Seid ihr mit der fertigen Platte zufrieden?

Ohne Zweifel! Obwohl wir alle schon Studioerfahrungen sammeln konnten, war die Arbeit am neuen Album „Adactapreface“ für uns alle ein völlig neues Erlebnis. Mit „The Poshblokes“ hatten wir bereits zwei Platten veröffentlicht und diese wurden innerhalb weniger Tagen, live in einem Studio in Brüssel eingespielt. Die Scheibe von „Do Androïds Dream of Electric Sheep?“ dagegen haben wir in der Escher Kulturfabrik aufgenommen und verbrachten einige Wochen im Studio, um die neuen Stücke aufzunehmen. Das gab uns die Möglichkeit intensiver an unseren Songs zu arbeiten, mehrere Tonspuren aufzunehmen und uns mehr Zeit mit dem abschließenden Mix und dem Mastering der Platte zu lassen.

Das heißt, alles verlief reibungslos?

Nicht ganz. Während der Aufnahmen hat sich unser Bassist unglücklicherweise die Hand gebrochen und war somit nicht mehr in der Lage seine Parts einzuspielen. Zum Glück hat unser zweiter Gitarrist einige Kenntnisse auf dem Gebiet, so dass das Album doch noch rechtzeitig im Kasten war.

Wurde die Platte vollständig von eurem Label „Winged Skull Records“ finanziert?

Das Label wird sicherlich den größten Teil der Produktion finanzieren. „Winged Skull Records“ hatte bereits die zweite Platte von ¬The Poshblokes« veröffentlicht und war ebenfalls bereit, die neue Scheibe in sein Programm aufzunehmen – für diese Unterstützung sind wir alle sehr dankbar.

Wie seht ihr eure Rolle in der lokalen Musikszene?

Ohne arrogant klingen zu wollen – wir glauben nicht, dass wir auf die „lokale Musikszene“, wenn es die überhaupt gibt, angewiesen sind. Das heißt aber nicht, dass wir die Arbeit der verschiedenen Organisationen und Jugendgruppen, die zur Förderung der luxemburgischen Bands beitragen, nicht unterstützen. Wir wissen ihre Anstrengungen mehr als nur zu schätzen. Aber unser Ziel ist es nicht nur in Luxemburg zu spielen. Durch die neue Platte hoffen wir vielleicht ein internationale Promotion-Agentur auf uns aufmerksam zu machen, die „Adactapreface“ auch im Ausland vertreibt.

Stichwort Ausland: Im Sommer 2003 wart ihr mit „The Poshblokes“ längere Zeit auf Tour. Wie hattet ihr das in die Wege geleitet?

Anfangs hatten wir lange gezögert und wussten nicht so recht, ob wir das auch bis zum Ende durchziehen würden. Schließlich haben wir es doch geschafft eine 17-tägige Tour durch Deutschland und den ehemaligen Ostblock zu organisieren. Lange Tage und Nächte verbrachten wir damit, im Internet Kontakte aufzustöbern und Konzertdaten festzulegen. Außerdem hat uns Gilles (Heinisch, AdR), der in der Kulturfabrik tätig ist, mit Kontaktadressen
ausgeholfen. Wir haben diese drei Wochen zum größ-
ten Teil selbst finanziert; erhielten aber auch Unterstützung von der Organisation „Backline“.

Welche Eindrücke konntet ihr auf der Tour sammeln?

Die gesamte Tour wird ohne Zweifel ein unvergessliches Erlebnis für uns alle bleiben. Alle Konzerte verliefen großartig, die Menschen waren sehr freundlich und hilfsbereit – der ehemalige Ostblock unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht doch von unserer westlichen Gesellschaft. Es ist schwer zu beschreiben, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Irgendwie erschien uns dort alles echter und ehrlicher. Nur schade, dass unser neuer Gitarrist damals noch nicht dabei sein konnte. Doch zu unseren Zukunftsplänen gehört sicherlich auch erneut die Organisation einer mehrwöchigen Tour.

Wie verbindet ihr eure Tätigkeit als Musiker mit Schule oder Beruf?

Die Musik ist unsere große Leidenschaft; allein deswegen haben wir keine größeren Probleme, unser Privatleben mit der Musik zu vereinen. Die Musik ist ja schließlich ein großer Teil unseres Lebens. Natürlich gibt es auch praktische Probleme: Philippe und Patrick studieren in Belgien und Marius in Frankreich, doch sie kommen öfters zurück nach Luxemburg, so dass wir, trotz der Entfernung, regelmäßig proben können. Laurent und Fabio arbeiten in Luxemburg. Es muss einfach jeder bereit sein, Kompromisse einzugehen.

Letzte Frage: Was bedeutet eigentlich euer Bandname?

(allgemeines Gelächter) Wir dachten schon, diese Frage würde nicht mehr kommen. Eigentlich liegen der Namensgebung mehrere philosophische Überlegungen zu Grunde. Zuerst ist da die rein wissenschaftliche und technische Frage, ob Androiden, also Menschenroboter, träumen können. Daraus ergibt sich die Frage inwiefern der Mensch eines Tages durch Maschinen ersetzt werden kann. Und: Was wird in Zukunft der Unterschied zwischen den Menschen und der Maschine sein? Was charakterisiert das menschliche Lebewesen? Ist der Mensch nicht ursprünglich eine Maschine? Der Tagesablauf des modernen Menschen ist vollständig durchgeplant und organisiert: Wir stehen morgens auf, um zu konsumieren und gehen schlafen, um erneut in denselben Tag zu erwachen – dies, ohne Gefühle zu zeigen und ohne sich
jemals dem vorgegebenen
System entgegenzustellen.

Von den Poshblokes zu „Do Androïds Dream of Electric Sheep“: Eine Band erfindet sich neu.

doandroids@hotmail.com / www.wingedskull.cjb.net


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