Lieder der jĂŒdischen Arbeiter*innenbewegung
Isabel Frey ist eine militante SĂ€ngerin und Gitarristin und hat ein hochinteressantes Debutalbum aufgenommen. Es enthĂ€lt 16 politische Lieder auf Jiddisch. Die kĂ€mpferischen GesĂ€nge des jĂŒdischen Teils der Arbeiter*innenbewegung sind ziemlich in Vergessenheit geraten. Deshalb ist es sehr erfreulich, dass die in Wien geborene und aus einer jĂŒdischen Familie stammende Frey dieses Erbe der europĂ€ischen Jud*innen wieder auf die Tagesordnung setzt. Der Titel des Albums Millenial Bundist bezieht sich auf die 1897 gegrĂŒndete Organisation jĂŒdischer Sozialist*innen âDer Bundâ. Die Lieder hat Isabel Frey meist sparsam begleitet aufgenommen. Viele dieser StĂŒcke sind weitgehend unbekannt, aber manche Hörer*innen werden sich noch an âIm Kamfâ erinnern, ein Streiklied, das der russische Anarchist David Edelshtat geschrieben hat und auch von den Klezmer-Innovatoren The Klezmatics aufgenommen wurde. Endlich wieder gibt es eine Fassung der jiddischen Ur-Version von âDona Donaâ, ein Song den Joan Baez auf Englisch bekannt gemacht hat, bei dem es um ein Kalb geht, das zur Schlachtbank gefĂŒhrt wird. Wunderbar, dass Isabel Frey das alles â mit einem ausfĂŒhrlichem Booklet â wieder zugĂ€nglich macht!
Isabel Frey â Millenial Bundist (Beste! Unterhaltung)
Cumbia ganz anders
Die Cumbia, dieser ansteckende Musikstil mit dem dominanten, geraden Beat, hat von Kolumbien aus nicht nur Lateinamerika erobert, sondern findet ihre Fans auf dem ganzen Globus. Wie man aus der tradierten Form ein explosiv-schrĂ€ges Klangspektakel macht, kann man auf dem aktuellen Album der Meridian Brothers aus BogotĂĄ erfahren. Der Kopf der Band, Eblis Ălvarez, hat das Projekt 1998 aus der Taufe gehoben. Seitdem sorgt es fĂŒr Begeisterung und Verwirrung, weil die Band angstfrei altbekannte Stile auseinandernimmt und neu zusammensetzt. Auch das achte Album funktioniert so. Auf Cumbia Siglo XXI verdreht die Combo die ĂŒblichen klaren Strukturen der Cumbia. Da wird der Rhythmus zerhackt, die Melodie durch elektronische Labyrinthe geschickt und der Ton gerne dahin gelegt, wo es AnhĂ€nger*innen der klassischen wohltemperierten Stimmung schaudern lĂ€sst. Ist das futuristisch oder Avantgarde? Jedenfalls mutig, kreativ und im Ergebnis ganz aufregend!
Meridian Brothers â Cumbia Siglo XXI (Bongo Joe)
Feine Mali-KlÀnge
Afel Bocoum hat in der Band von Ali Farka TourĂ© gespielt und war Teil des âMali Musicâ-Projekts von Damon Albarn, dem SĂ€nger der Britpopband Blur. Seit 1999 hat er lediglich eine Handvoll Platten unter seinem eigenen Namen veröffentlicht. Afel Bocoum stammt aus NiafunkĂ© in Mali, spielt Gitarre und singt. Seit aktuelles, viertes Album heiĂt LindĂ© und wurde vom renommierten Produzenten Nick Gold (unter anderem Buena Vista Social Club) und Damon Albarn produziert. Musikalisch klingt es weitgehend so, wie man es von einem Musiker aus Mali erwartet, was ĂŒblicherweise als âMali-Bluesâ bezeichnet wird. Allerdings ĂŒberrascht der hĂ€ufige Einsatz von BlĂ€sern. Inhaltlich setzt sich Afel Bocoum mit der schwierigen Lage in seinem Heimatland auseinander, das unter der Gewalt von aus Libyen eingedrungenen Tuareg-Milizen und von Dschihadisten zu leiden hat und zudem stark von Corona betroffen ist. Das ist eine ganz feine, nachdenkliche Platte in der Tradition der groĂen Namen malischer SĂ€nger. SpĂ€testens mit diesem Album gehört Afel Bocoum in ebendiese Liga.
Afel Bocoum â LindĂ© (World Circuit)
Oktober â Top 20
1. Afel Bocoum · LindĂ© · World Circuit – Mali
2. Ammar 808 · Global Control / Invisible Invasion · Glitterbeat â Tunesien/Indien
3. Mahsa Vahdat · Enlighten the Night · Kirkelig Kulturverksted – Iran
4. Mulatu Astatke & Black Jesus Experience · To Know Without Knowing · Agogo â Ăthiopien/Australien
5. Khusugtun · Jangar · Buda Musique – Mongolei
6. Oumou SangarĂ© · Acoustic · NĂž FĂžrmat! – Mali
7. Bab Lâ Bluz · Nayda! · Real World â Marokko/F
8. Selma Uamusse · Liwoningo · Ao Sul do Mundo â Mosambik/Portugal
9. Harold LĂłpez-Nussa · Te Lo Dije · Mack Avenue – Kuba
10. L’Attirail · Footsteps in the Snow · CSB Production – Frankreich
11. Bantu · Everybody Get Agenda · Soledad Productions – Nigeria
12. Mateus Aleluia · Olorum · Sesc – Brasilien
13. 47Soul · Semitics · Cooking Vinyl – PalĂ€stina
14. Coreyah · Clap & Applause · Plankton Music – SĂŒdkorea
15. Trio Tekke · Strovilos · Riverboat / World Music Network â Zypern/UK
16. Vusi Mahlasela · Shebeen Queen · ATO – SĂŒdafrika
17. Ghalia Benali & Romina Lischka · Call to Prayer · Fuga Libera â Tunesien/Schweiz
18. Matthieu Saglio · El Camino de los Vientos · ACT Music – Spanien
19. Markus & Shahzad · Janna Aana · Dionysiac Records â Pakistan/Frankreich
20. Mehmet Polat · The Promise · Aftab â TĂŒrkei/NL
Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook âMondophon auf Radio ARAâ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


