Baskenland – flamencofreie Zone
Spanische Musik auf Flamenco zu reduzieren, wĂ€re ganz verfehlt. Der Norden des Landes klingt völlig anders. Im Baskenland ist das diatonische Akkordeon (baskisch: Trikitixa) beliebt, und der unangefochtene moderne Meister dieses Instruments ist Kepa Junkera, der bereits 1986 seine ersten Plattenaufnahmen machte. Auf dem aktuellen Album âMaletakâ arbeitet er wieder mit der Frauenband Sorginak und zahlreichen weiteren Musikern, zum Beispiel aus dem nordwestlichen Galicien zusammen. Junkeras Kompositionen grĂŒnden in der baskischen Tradition und sein virtuoses Akkordeonspiel gibt bei allen StĂŒcken den Ton an. Dass diese Musik auĂerhalb Spaniens leider immer noch Geheimtipp ist, zeigt die Verpackung, die Informationen ausschlieĂlich auf Baskisch und Spanisch enthĂ€lt. FĂŒr die, die ihn noch nicht kennen: auf jeden Fall eine Entdeckung wert! FĂŒr alle anderen: wie immer ausgezeichnet!
Kepa Junkera & Sorginak – Maletak (Fol Musica)â©
Brasilianische Experimente
Belo Horizonte im sĂŒdöstlichen Brasilien ist die Heimat des 2004 gegrĂŒndeten Sextetts âGraveolaâ. Ihr drittes Album âCamaleĂŁo Borboletaâ enthĂ€lt eine bunte Mischung aus brasilianischer, mit Reggae, Rock, kapverdianischem FunanĂĄ, afro-kubanischen KlĂ€ngen und mexikanischem Mariachi angereicherter Musik. Das Verbindende in diesem in positiver Weise eklektischen Werk ist Tropicalia, ein Stil, der unter anderem von Caetano Veloso und Gilberto Gil in den 1960ern kreiert wurde und alle zehn StĂŒcke des CD trĂ€gt. In ihren Texten unterstĂŒtzt die Band die KĂ€mpfe der Indigenen in Brasilien, wirbt fĂŒr Legalisierung von Marihuana und outet sich als erklĂ€rte Gegnerin des Regierungswechsels in ihrer Heimat. Wieder eine spannende Platte aus dem brasilianischen Musiklaboratorium; modern, experimentell, und engagiert.
Graveola – CamaleĂŁo Borboleta (Mais um Discos)â©
Neues aus Guinea
Die junge SĂ€ngerin und Gitarristin Nakany KantĂ© stammt aus dem westafrikanischen Guinea, lebt seit 2009 in Spanien und hat nun in Barcelona ihr zweites Album âNakaâ aufgenommen, auf dem sowohl schnelle, tanzorientierte StĂŒcke mit Band als auch einige vor allem gitarrenbegleitete Balladen zu hören sind. Die KlĂ€nge der Malinke-Volksgruppe ihrer Heimat prĂ€gen die Kompositionen und erinnern an ihren berĂŒhmten Landsmann Mory KantĂ© (âYĂ©kĂ© YĂ©kĂ©â), mit dem sie aber trotz Namensgleichheit nicht verwandt ist. Das westafrikanische Balafon ist oft zu hören, und auf einem Track ist der SĂ€nger der Mestizoband âMacacoâ aus Barcelona beteiligt. Eindrucksvolle, im Wesentlichen traditionelle Melodien und eine schöne Stimme auf einem Album, das auf spektakulĂ€re Effekte verzichtet und gerade deshalb ĂŒberzeugt. Eine klassische und doch zeitgemĂ€Ăe Aufnahme aus Guinea wie sie in Europa schon lange nicht mehr erhĂ€ltlich war.
Nakany KantĂ© – Naka (Slow Walk Music)
September – Top 20

1. Refugees for Refugees – Amerli (Muziekpublique) Syrien/Irak/Afghanistan/Pakistan/Tibet
2. Kayhan Kalhor, Aynur, CemĂźl QoçgirĂź & Salman Gambarov – Hawniyaz (Harmonia Mundi) Iran/TĂŒrkei/Kurdistan
3. Kristi Stassinopoulou & Stathis Kalyviotis – Nyn (Riverboat)Â Griechenland
4. Ana Alcaide – Leyenda (ARC Music) Spanien
5. Khmer Rouge Survivors – They Will Kill You, if You Cry (Glitterbeat) Kambodscha
6. Kepa Junkera & Sorginak – Maletak (Fol Musica) Spanien/Baskenland
7. Constantinople & Ablaye Cissoko – Jardins Migrateurs (Ma Case) Iran/Kanada/Senegal
8. Calypso Rose – Far From Home (Because Music) Trinidad/Tobago
9. Lakou Mizik – Wa Di Yo (Cumbancha) Haiti
10. Mabiisi – Mabiisi (Akwaaba Music) Ghana/Burkina Faso
11. Richard Bona & Mandekan Cubano – Heritage (Qwest Records) Kamerun/Kuba
12. Elza Soares – The Woman at the End of the World /A Mulher do Fim do Mundo ( Mais Um Discos) Brasilien
13. Yo-Yo Ma & Silk Road Ensemble – Sing Me Home (Sony Masterworks) USA/Fusion
14. Tuuletar – Tules Maas Vedes Taivaal (Bafeâs Factory) Finnland
15. 2016: Afro Celt Sound System – The Source (ECC Records) GB/Fusion
16. M.A.K.U. Soundsystem – Mezcla (Glitterbeat Records) Kolumbien/USA
17. Leyla McCalla – A Day for the Hunter, a Day for the Prey (Jazz Village / Harmonia Mundi) USA
18. Quintet Bumbac – Libre Voyage dans les Musiques des Balkans (Collectif Ăok Malko) Frankreich
19. Kimi DjabatĂ© – Kanamalu (Red Orange Recordings) Guinea-Bissau
20. Fanfare CiocÄrlia – 20 (Asphalt Tango Records) RumĂ€nien (nur Vinyl)

