Auf Arte.tv: Petite Fille

von | 28.12.2020

Noch bis zum 10. Januar kann in der Arte-Mediathek „Petite Fille“ gestreamt werden, eine preisgekrönte Doku über ein achtjähriges trans Mädchen und ihre Familie. Trotz kleiner Schwächen lohnt es sich hineinzuschauen.

Foto: Agat Film et Cie

Ein kleines Mädchen steht vor dem Spiegel, es probiert Kleider an, bindet sich Haarschleifen um. Sasha ist die Protagonistin der 82-minütigen Doku „Petite Fille“, das Besondere an ihr: Bei der Geburt wurde ihr das männliche Geschlecht zugewiesen, sie selbst empfindet sich aber als Mädchen. In einer der ersten Szenen spricht ihre Mutter erstmals mit einer spezialisierten Psychologin darüber. Sie macht sich Vorwürfe, ist unsicher, ob es richtig war, Sasha ihre Geschlechtsidentität so ausleben zu lassen wie sie will. Die Psychologin kann sie beruhigen und versichert ihr, dass viele Eltern von trans Kindern von den gleichen Fragen geplagt seien.

Völlig sie selbst kann Sasha nur bei ihr zuhause sein, denn weder in der Schule, noch im Tanzunterricht wird ihre weibliche Geschlechtsidentität akzeptiert. Ebenso sehr wie um Sasha, geht es im Film auch um ihre Mutter, die alles in ihrer Macht stehende tut, um ihrem Kind zu helfen.

Wie sehr die Situation allen Familienmitgliedern – das sind neben der Mutter auch Sashas Vater sowie drei weitere Kinder – zusetzt, wird immer wieder deutlich. An manchen Stellen trägt Regisseur Sébastien Lifshitz vielleicht ein wenig zu dick auf: Die unbeschreibliche Ungerechtigkeit, die Sasha erfährt, wäre auch ohne die unzähligen Close-ups auf tränenüberströmte Gesichter oder bebende Kinne rübergekommen.

Ein wenig vermisst man eine größere Kontextualisierung, etwa durch Psycholog*innen oder Soziolog*innen. Der Fokus des Films birgt die Gefahr, Zuschauer*innen, die sich mit der Thematik wenig auskennen, den Eindruck zu geben, dass die Transfeindlichkeit, die Sasha erfährt, auf Einzelpersonen zurückgeht. Die strukturelle Komponente rückt damit in den Hintergrund.

Trotz dieser kleiner Schwächen, ist „Petite Fille“ ein äußerst gelungene Doku, die dem Team, wenig verwunderlich, bisher vier Preise einbrachte. Sie kann noch bis zum 10. Januar auf Arte.tv gestreamt werden.

Dat kéint Iech och interesséieren

ËMWELTPODCAST

Am Bistro mat der woxx #376 – Directive de la vigilance

Chaque semaine, le podcast de la woxx vous offre un regard en coulisses sur notre travail journalistique et explore les enjeux derrière nos articles. Cette semaine-ci, les journalistes Fabien Grasser et María Elorza Saralegui se centrent sur une directive européene concernant le devoir de vigilance. Considérablement affaiblie lors des...

FILMFILMTIPP/FLOP

LuxFilmFest: My Father’s Shadow

Der nigerianische Film „My Father's Shadow“ erzählt eine bewegende Geschichte über Familie, Erinnerung und Verlust – aus der Perspektive zweier Brüder, die ihren Vater lange kaum gesehen haben. Als er sie überraschend mit nach Lagos nimmt, verbringen sie einen scheinbar unbeschwerten Tag in der pulsierenden Metropole: Sie probieren Streetfood,...

FILMFILMTIPP/FLOP

LuxFilmFest: Blue Heron

In ihrem Spielfilmdebüt erzählt Sophy Romvari in „Blue Heron“ vom Alltag einer ungarischen Einwandererfamilie auf der kanadischen Vancouver Island in den späten 1990er-Jahren. Im Mittelpunkt steht die achtjährige Sasha (Eylul Guven), aus deren Perspektive wir die neue Umgebung und die Dynamik zwischen Eltern und Geschwistern...

FILMFILMTIPP/FLOP

LuxFilmFest: With Hasan in Gaza

„With Hasan in Gaza“ von Kamal Aljafari ist ein eindringlicher Dokumentarfilm aus wiederentdeckten MiniDV-Aufnahmen. Im November 2001 reist der palästinensische Regisseur durch Gaza – vom Grenzübergang Erez bis nach Khan Younis und Rafah –, begleitet von seinem Guide und Taxifahrer Hasan. Aljafari sucht einen Mann, mit dem er Ende der...