Fast hätte man den Eindruck gewinnen können, die einst als Instrument partizipativer Demokratie eingeführten Online-Petitionen auf chd.lu seien vor allem ein Medium für Identitäts- und Sprachendebatten. So war die Petition zur Forderung nach Luxemburgisch als Amtssprache hinsichtlich der Zahl der Unterzeichnenden und des Tempos, mit dem das Quorum erreicht wurde, bisher Rekordhalterin. Doch die Petition 762, die am 17. Januar online ging, hat ihr den Rang abgelaufen. In kürzester Zeit hat sie die 4.500-Unterschriftenmarke, die für ein Hearing im Parlament erforderlich sind, überschritten. Ihre Forderung: 30, statt wie bisher 25 Urlaubstage im Jahr für Lohnabhängige in der Privatwirtschaft. Déi Lénk zeigen sich erfreut, hatten sie doch vor einem Monat im Zuge der Diskussionen um das PAN-Gesetz – wie auch der OGBL – einen in dieselbe Richtung gehenden Vorschlag eingebracht. Den hatten damals alle anderen Parteien einmütig abgeschmettert. Doch in der Zwischenzeit hat sich die LSAP-Spitze öffentlich für eine Arbeitszeitverkürzung ausgesprochen und damit einen kleinen Koalitionsstreit ausgelöst. Auch bei den Grünen dürfte die Petition nicht auf taube Ohren stoßen: Ihre Jugendorganisation hatte im vergangenen Jahr mit einem Vorstoß zu einer generellen Arbeitszeitverkürzung für Diskussionen gesorgt.
Demokratie durch die Gender-Brille
Frauen fühlen sich politisch weniger gut vertreten, bewerten Gleichstellung skeptischer und fordern häufiger gezielte Maßnahmen, während Männer sich stärker für Politik interessieren und dem politischen System insgesamt mehr Vertrauen entgegenbringen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Polindex-Studie 2025, in deren Rahmen zwischen Mai...

