Indie Rock
: Mehr als Automusik


von | 23.08.2017

Dass Indie Rock in den letzten Jahren nicht den besten Ruf genoss, lag auch daran, dass die Hauptvertreter auf kommerziellen Abwegen manövrierten. Car Seat Headrest sind angetreten, um dies zumindest teilweise wieder rückgängig zu machen.

Wer ehrliche Musik macht, dem verzeihen die Fans schon mal einen Fehler: Will Toledo von Car Seat Headrest. (Fotos: Wikimedia)

Car Seat Headrest werden am kommenden Freitag in den Rotondes auftreten, als Highlight eines ohnehin großartigen Line-Ups des diesjährigen Congés-Annulés-Festivals. Vor einem Jahr schaffte die Band um den Frontmann Will Toledo mit ihrem Album „Teens of Denial“ ihren Durchbruch und bekam großartige Kritiken von den Musikjournals Rolling Stones und Pitchfork. Car Seat Headrest sind mit ihrem kratzigen Indie-Rock die Neuentdeckung, die der Rockmusik in den letzten Jahre gefehlt hat, denn solch eingängige verzerrte Gitarrenriffs und Gesangsmelodien hat man seit den Anfängen von The Libertines und Artic Monkeys selten mehr gehört.

Und dennoch ist es nicht ausschließlich die Musik, die Car Seat Headrest so erfrischend anders und unkonventionell aus dem Mainstream-Sumpf herausragen lässt. Die ersten vier Alben veröffentlichte der damals 17-jährige Will Toledo im Jahre 2010 innerhalb von vier Monaten. Es folgten weitere sieben Alben, bevor ein Deal mit dem Label Matador Records zustande kam, unter dem nun auch das letzte Album veröffentlicht worden ist.

Das aktuelle Album ist das erste, das Will Toledo zusammen mit seiner Band in einem Studio aufgenommen hat. Die Homerecordings der Anfänge bleiben dennoch ein Schlüsselmoment, wenn man die Begeisterung für diese Band verstehen will. Es ist nämlich besonders die Verletzlichkeit der ersten CDs, der Versuch eines Jugendlichen, die eigenen Gefühle und die Turbulenzen der Pubertät in seiner Musik zu verarbeiten, die viele berührte. Einige Fans wurden erstmals über die Website 4chan, auf der vor allem Animes und Mangas verbreitet werden, auf die Musik aufmerksam. Die selbstaufgenommenen Lieder trafen durch das direkte Storytelling und das schnörkellose Songwriting den Nerv vieler Teenager in Amerika. Die Do-it-yourself-Attitüde von Will Toledo und das Hinnehmen der Fehler und Unvollkommenheit der eigenen Musik schufen eine Glaubwürdigkeit, die der Rock- und Popmusik der letzten Jahre fehlte.

Der Name Car Seat Headrest bot sich an, da Toledo die Vocals in seinem Auto aufnahm, weil er sich dort ungestört fühlte. Ohne es zu beabsichtigen, wird Will Toledo für viele Fans zu einem Sprachrohr, das ausdrückt, wie viele sich fühlen. In seinen Texten beschäftigt er sich mit der Pubertät, dem sozialen Druck der auf vielen Teenagern lastet. Aus der Ich-Perspektive schreibt er über Drogen- und Alkoholexzesse, Sex und Beziehungen, Depression. Manche der alten Lieder sind wegen der schlechten Qualität kaum mehr anzuhören, andere werden gerade durch diese Intimität zu unentdeckten Meisterwerken.

Auf dem neuen Album gibt es dieselben Motive. Will Toledo spricht die Jugend an, die Teens of Denial, ein Kollektiv, als dessen Teil er sich selbst auch versteht. Auch heute, nach dem großen Erfolg seines Albums, wirkt der Musiker nicht wie ein unnahbarer Rockstar, sondern noch immer wie ein introvertierter Teenager, der an seiner schwierigen Pubertät leidet. Auf Youtube sind Konzertvideos zu sehen, wo seine Freunde neben ihm auf der Bühne sitzen. Er erzählt seine, aber auch deren Geschichten.

Wer sich auf ehrlichen, melodischen Indie-Rock einlassen kann, der sollte Car Seat Headrest auf keinen Fall verpassen. Nicht jedes Lied ist schön, aber alle sind ehrlich, und selbst der elenden Geschichte im Song „Drugs with Friends“ haftet etwas Erhabenes, Rebellisches an, wenn der introvertierte, verwirrte Teenager den Autoritäten antwortet: We are just teens of style.

An diesem Freitag, dem 25. August in 
den Rotondes.

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