Fräiräim Festival: Kulturminister verteidigt Philharmonie

von | 22.12.2023

Im November sorgte das „Fräiräim Festival“ der Philharmonie für Schlagzeilen, weil die dort auftretenden Künstler*innen keine Gage erhalten. Jetzt äußert sich der neue Kulturminister Eric Thill zu den Umständen.

Die Philharmonie genießt den Schutz des Kulturministers. (COPYRIGHT: VT98Fan, CC BY-SA 3.0)

Für den neuen Kulturminister Eric Thill (DP) wäre es eine der ersten Gelegenheiten gewesen, ein klares Zeichen für die Kulturschaffenden zu setzen: Der Abgeordnete Ben Polidori (Piratepartei) bat ihn Ende November in einer parlamentarischen Anfrage um eine Stellungnahme zu der Polemik rund um das „Fräiräim Festival“ der Philharmonie.

Wer dort auftritt, erhält keine Entlohnung. Das Argument der Festivalleitung: Die Veranstaltung richte sich primär an Freizeitmusiker*innen; der Eintritt für das Publikum sei zudem frei. Die Musikszene nahm diese Erklärung bereits letztes Jahr, als das Festival zum ersten Mal stattfand, nicht kritiklos hin. Nachdem die Vergütung auch bei der zweiten Ausgabe im Jahr 2024 ausbleiben wird, ist die Debatte über die Wertschätzung von Kunst und den Umgang mit Künstler*innen erneut entfacht (woxx 1763). Kritiker*innen fordern, die Philharmonie müsse mit gutem Beispiel vorangehen: Immerhin zählt sie seit 2005 zu Luxemburgs öffentlichen Kultureinrichtungen und erhält nächstes Jahr Hilfsgelder in Höhe von 25 Millionen vom Kulturministerium. Noch dazu hat sie die Ethikcharta für den Kultursektor unterzeichnet, nach der sich Institutionen unter anderem zur fairen Bezahlung der Kulturschaffenden verpflichten.

Thills Vorgängerin Sam Tanson (Déi Gréng) stellte sich letztes Jahr hinter die Philharmonie und hieß die kostenfreien Konzerte gut, solange es sich um Hobbykünstler*innen handele. Statt sich in seiner Antwort auf die Seite der Künstler*innen zu schlagen, eifert Eric Thill ihr nach und verteidigt ebenfalls das Konzerthaus: Er übernimmt die Rhetorik des Hauses und verkauft die Veranstaltung als einmalige Chance für Freizeitmusiker*innen, die sonst keine Aussicht auf einen Auftritt auf großen Bühnen hätten. Das „Fräiräim Festival“ biete ihnen somit einzigartige Einblicke in die professionelle Musikwelt bieten. Dass sich an der ersten Ausgabe fast 800 Freizeitmusiker*innen beteiligt hätten, gebe der Festivalleitung recht. Im Vergleich scheint die Kritik aus dem Musiksektor für den Kulturminister irrelevant, denn davon ist in seinem Schreiben an Polidori keine Rede. Thill verweist lieber auf die Transparenz der Philharmonie: Mit allen Teilnehmer*innen würde eine Konvention abgeschlossen, in der die ausbleibende Gage aufgeführt sei.

Dankbarkeit statt Geld

Die Musikszene hält das „Fräiräim Festival“ trotz Kritik für eine Ausnahme, grundsätzlich sollen die Auftrittsbedingungen der Philharmonie gut für die Künstler*innen sein. Der Kulturminister offenbart hingegen, dass es sich beim „Fräiräim Festival“ keineswegs um einen Einzelfall handelt: Auch beim „Orchestre de la Place de lʼEurope“ (OPE) gehen die Freizeitmusiker*innen leer aus. Für jene sei Musik kein Beruf, sondern eine Leidenschaft, schreibt Thill als Erklärung. Die Freizeitmusiker*innen dürfen in der Philharmonie proben und ein bis zwei Mal im Jahr dort oder außerhalb der Institution ein Konzert spielen. Von den Mitgliedern werde zudem keine Teilnahmegebühr verlangt. Damit folge die Philharmonie der Tradition von Bürger*innenorchestern, wie es sie in vielen Großstädten gebe.

Auch bei Kooperationsprojekten mit den Musikschulen in Luxemburg erhielten die Schüler*innen keine Entlohnung für ihre Konzerte, fährt Thill fort. Und appeliert an der Stelle an die Dankbarkeit der Freizeitmusiker*innen: Bei diesen Projekten würde den Musikschüler*innen ermöglicht, gemeinsam mit dem Luxembourg Philharmonic Orchestra zu musizieren, so etwa im Zuge des „Side by Side“-Projekts oder des jährlichen Weihnachtskonzerts.

Wenn Thill darüber hinaus noch erwähnt, dass bei Bildungsprogrammen der Philharmonie, die mit einem Auftritt einhergehen, ebenfalls keine Vergütung der Teilnehmer*innen vorgesehen sei, lässt er keinen Zweifel daran, die Debatte missverstanden zu haben. Schließlich geht es nicht darum, weitere schlechte Beispiele für den Umgang mit angehenden Künstler*innen und Freizeitmusiker*innen aufzuzählen und diese sogar als einmalige Chancen zu preisen, sondern um eine Grundsatzdiskussion über den Stellenwert der Künstler*innen sowie deren Förderung, unabhängig von ihrer Position auf der Karriereleiter.

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