Theatertipp: Vater

von | 03.06.2025

(© Bohumil KOSTOHRYZ)

So wie sich Kafka nie ganz dem Bannkreis seines Vaters entziehen konnte, vermag sich auch Michael (Adrien Papritz), Hauptfigur von Dietrich Brüggemanns Ein-Personen-Stück „Vater“, nicht von der titanischen Gestalt seines Erzeugers loszusagen. Dessen kurz bevorstehender Tod wird zum Ausgangspunkt einer Michael betreffenden Lebensrückschau. Einerseits ruft sich der von Selbstzweifeln geplagte Sohn familiäre Szenen in Erinnerung, andererseits denkt er über seine bisherigen unglücklichen Partnerschaften und eine von ihm einseitig empfundene Liebe nach. Dabei macht es sich der junge Mann in dem kuschelweichen Bett des Selbstmitleids bequem und degradiert, über die sogenannte „Friendzone“ klagend, die Frauen in seinem Leben zu Sehnsuchtsobjekten. Über weite Strecken unterhält „Vater“ ganz gut, mehr noch: Schauspieler und Text schaffen es, die auf der Bühne fehlende Vaterfigur präsent werden zu lassen, ihr geradezu kolossale Ausmaße zu verleihen. Das ist die Stärke des Monodramas – doch eben diese verliert sich am Schluss, das wohlfeile Ende hinterlässt leider einen etwas faden Nachgeschmack.

Die letzte Aufführung findet am Freitag, dem 6. Juni, um 20 Uhr im KulTourhaus Huncherange (Kaleidoskop Theater) statt.

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Buchtipp: Kekeli

Kekeli hat sich bislang kaum mit der Geschichte ihres Vaters beschäftigt. Erst als ihre Cousine Afi aus Togo zu Besuch kommt, beginnt sie, die Vergangenheit ihrer Familie und Fragen der eigenen Identität neu zu betrachten. Jessica Mawuena Lawson entwickelt in ihrem Debütroman „Kekeli“ daraus eine Coming-of-Age-Geschichte über Zugehörigkeit und...

KULTURTIPP

Buchtipp: Rift

Zwei Geschwister, davon eines todkrank, machen einen Roadtrip durch Nordamerika. Die Ideen, die Marina Schwabe in ihrem Romandebüt „Rift“ verwebt, sind also keineswegs neu: abenteuerliche Autoreise, tiefe Geschwisterliebe, drohender Abschied und Todesnähe. Die Literatur, die um diese Motive kreist, füllt mittlerweile Bücherregale. Dank ihrer...

KULTURTIPPMUSEK

Juli 2026: Willis Tipps

Mit Decennium, seinem dritten Album seit 2016, feiert das skandinavische Frauentrio Fru Skagerrak sein zehnjähriges Jubiläum. Neben gelegentlichen Gesangseinlagen und Flötenspiel stehen sowohl Standardgeigen als auch die mit einer tieferen Saite versehene fünfsaitige Geige und die gänzlich tiefer gestimmte Oktavgeige im Zentrum ihres musikalischen Ausdrucks.

KULTURTIPP

Kulturtipp: « Ascenseur pour l’échafaud »

Florence (Jeanne Moreau) et son amant Julien (Maurice Ronet) décident d’assassiner le mari de Florence. Le crime est presque parfait, mais une panne d’ascenseur vient déjouer leur plan. Ascenseur pour l’échafaud, sorti en 1958, est le premier long métrage de Louis Malle. S’il préfigure la Nouvelle Vague, ce polar est avant tout connu pour sa...