Millionen Computer sind bald auf einen Schlag Elektroschrott: Ab Mitte Oktober bietet „Microsoft“ keine Updates für das Betriebssystem „Windows 10“ mehr an – damit die Leute neue Geräte kaufen.

240 Millionen Computer werden im Oktober auf einen Schlag zu Elektroschrott. (Foto: Priwo, Public domain, via Wikimedia Commons)
Die Entscheidung wurde bereits vor einigen Jahren getroffen: Ab dem 14. Oktober 2025 wird die Softwarefirma „Microsoft“ keine Sicherheitsupdates für das Betriebssystem „Windows 10“ mehr liefern. Das ist an und für sich nichts Ungewöhnliches: Softwarehersteller hören irgendwann damit auf, alte Versionen ihrer Programme zu pflegen; die Nutzer*innen müssen neuere Software benutzen. Doch viele Computer, auf denen „Windows 10“ problemlos läuft, sind angeblich zu nicht auf dem technischen Stand, die Nachfolgeversion „Windows 11“ zu stemmen. Die Besitzer*innen sehen seit Monaten immer wieder bildschirmfüllende Aufforderungen, sich ein neues Gerät zuzulegen. Diese Anforderungen seien willkürlich und ungewöhnlich hoch, meinen Expert*innen. Einerseits wird ein moderner Prozessor gefordert, andererseits ein „Trusted Plattform Module“ – ein Chip, von dem die meisten Nutzer*innen wohl noch nie gehört haben. Die Hardware sei nötig, damit das Betriebssystem sicher sei und nicht abstürze, argumentiert Microsoft. Mit einem Trick ist es möglich, die Anforderungen von Microsoft zu umgehen und Windows 11 dennoch auf dem Altgerät laufen zu lassen – allerdings riskiert man, dass der Konzern irgendwann beschließt, keine Updates mehr an solche Systeme zu liefern. So oder so: Wer ein älteres Gerät hat, schaut in die Röhre. Entweder man nimmt das Angebot an und verlängert den Support kostenpflichtig um ein Jahr oder kauft sich ein neues Gerät. Als dritte Option bleibt nur das Risiko, Attacken von Kriminellen oder Geheimdiensten ausgesetzt zu sein. Dabei gäbe es eine Alternative für die „alten“ Rechner: Ein freies Betriebssystem wie etwa „Linux“, das oft auch auf wenig leistungsfähigen Computern schnell arbeitet. Jedoch ist dafür etwas technischer Sachverstand nötig und Abenteuerlust angesagt. Während es im Ausland viele Organisationen gibt, die das Supportende von Windows 10 zum Anlass nehmen, Linux-Installations-Parties zu veranstalten, ist im Großherzogtum nichts dergleichen geplant – weder von Hacker-, noch von Umweltorganisationen.
Der Luxemburger Staat wird 3.500 funktionsfähige Rechner wegwerfen, weil Microsoft das so will.
Von der Regierung erwartet man solch progressive Ideen ohnehin nicht. Firmen und Behörden, die meist ausnahmslos auf Produkte von Microsoft setzen, werden wohl dem „Ratschlag“ folgen, neue Computer zu kaufen. Der Luxemburgische Staat beispielsweise wird 3.500 Rechner entsorgen, wie Digitalisierungsministerin Stéphanie Obertin (DP) in einer Antwort auf eine parlamentarische Frage von Ben Polidori (LSAP) erklärte. Die Ministerin benutzte den Euphemismus „ersetzt“ und betonte, dass diese Rechner ohnehin sechs Jahre alt und damit abgeschrieben seien – für das Budget sei es also kein Problem. Während alte Computer in der Regel „refurbished“ – geputzt, entstaubt, eventuell mit mehr Speicher ausgerüstet und neu aufgesetzt – werden, macht dies bei den Rechnern, die sich nicht auf Windows 11 updaten lassen, wenig Sinn. An sich gibt es für ältere Computer, die noch tadellos funktionieren, einen großen Markt, doch für Computer, auf denen man nur ein unsicheres Windows installieren kann, gilt das nicht. Die Entscheidung von Microsoft bedeutet also Profite auf der einen und eine gigantische Menge mutwillig produzierten Elektroschrott auf der anderen Seite. Rund 240 Millionen Geräte werden auf dem Müll landen; wie die Marktanalysefirma „Canalys“ überschlagen hat. Ein alter Laptop ist jedoch keine leere Bierflasche oder ein Karton, lässt sich also nicht so leicht recyceln: Edelmetalle, seltene Erden und Plastik müssen in mühevoller Kleinarbeit getrennt werden. Was längst nicht immer passiert: Allzu oft landen Problemstoffe in der Umwelt. Microsoft sorgt nun dafür, dass dieses Problem noch verheerender wird.

