Jeb Loy Nichols: Heimkehrer einer Herbstreise

von | 06.11.2025

(© JebLoyNichols)

Man kann sich glücklich schätzen, wenn man in seinem Leben einen musikalischen Begleiter wie Jeb Loy Nichols hat. „Fellow Travellers“ – so hieß passenderweise um 1990 auch die erste „richtige“ Band des Musikers, der da längst schon Kolleg*innen wie die Rapperin Neneh Cherry („Raw Like Sushi“), Ari Up von „The Slits“ und den Dub-Produzenten Adrian Sherwood zu seinen treuen Weggefährt*innen zählte. Von Missouri nach Wyoming, Texas und New York hat ihn das Leben über die Squats im London der Achtzigerjahre schließlich auf eine Farm in Wales geführt. Dort schreibt er Erzählungen, fertigt Kunstdrucke und macht Musik. Auf seinem am heutigen Freitag erscheinenden neuen Album „This House is Empty Without You“ wurde der Dub/Reggae-Flow zurückgenommen, der die „Fellow Travellers“-Ära und manch nachfolgende Soloplatten prägt. Das kommt den ohnehin allgegenwärtigen Soul/Country/Bluegrass-Elementen zugute. Wie immer ist Nichols‘ Songwriting von einer leichten Melancholie durchzogen, die sich wie Morgentau auf einer herbstlichen Wiese anfühlt: Die Sonne hat noch Kraft, und diese Wärme scheint auch in den neuen Liedern durch. Dazu tragen das zärtliche Gitarrenspiel, maßvoll akzentuierte Bläser, ein markanter Bass-Sound und natürlich Jeb Loy Nichols‘ samtige Stimme bei. Textlich bringen Zeilen wie „Good morning, Monday, how was your weekend? Good morning, Monday, you’re looking lost, just like me, good morning, Monday, we’re getting through together somehow” zum Schmelzen; deren Vortrag wird von einem souligen Backgroundgesang komplettiert. „This House is Empty Without You” klingt als Albumtitel etwas traurig, aber Jeb Loy Nichols ist ja zum Glück wieder da: Nicht auszudenken, wie leer die Welt ohne Musik von ihm wäre.

Jeb Loy Nichols: This House is Empty Without You. Timmion Records, November 2025.

www.jebloynichols.co.uk

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Kulturtipp: Warpunk-Propaganda aus Teheran

„Sind wir nur bedeutungslose Zahlen in dieser korrupten Welt?“, fragte das iranische „Ardawahisht Collective“ am 20. Januar auf seinem Facebook-Auftritt angesichts der fortdauernden Massaker des islamischen Regimes im Iran an der dortigen Zivilbevölkerung. Eines der Mitglieder des Kollektivs von Metalmusiker*innen hatte gerade zwei neue Tracks präsentiert: „No Title – They Killed More than 12.000 in 4 Days“ und „Warpunk Rebellion MMXXVI“, so die beiden Stücke, in denen das Grauen dieser Tage verarbeitet worden ist.

KULTURTIPP

Buchtipp: Die Rettung

Um eine Vorstellung von den Auswirkungen der Klimakrise zu bekommen, brauchen wir Geschichten über die Klimakrise. „Die Rettung“ von Charlotte McConaghy hätte eine solche Geschichte sein können. Sie ist an einem sehr interessanten Ort angesiedelt: Auf einer kleinen (fiktiven) Insel zwischen der Antarktis und Australien lebt ein Vater allein...

KULTURTIPP

Albumtipp: Masquerade

Wie ein sich zuziehender Himmel verdunkelt sich das Debütalbum „Masquerade“ des irischen Quintetts „Cardinals“ graduell. Sind die Anfangsklänge noch schmissig-ausladend, kippt die Stimmung spätestens bei „Over at Last“, der als der fünfte der zehn Songs die Achse des Album bildet. Die Musik nimmt an Fahrt auf, die Gitarren drängen nach vorn...