SPIELSUCHT: Mehr Prävention gefordert

von | 27.04.2012

Ein Gesetz, das den Staat zur Spielsuchtprävention verpflichtet, und ein Jugendschutzgesetz, das wünschen sich die „Anonym Glécksspiller“.

Nach Schätzungen gibt es in Luxemburg circa 4.000-5.000 GlücksspielerInnen, deren psychosoziale Versorgung bisher kaum gewährleistet ist. Hinzu kommt eine mindestens ebenso hohe Zahl von Angehörigen, die Unterstützung brauchen. Glücksspiel und PC-Online-Abhängigkeit waren Thema einer Konferenz „Moderne Erkrankungen ? ihre Folgen, Behandlungsnotwendigkeit & Möglichkeiten“, zu der die Anlaufstelle für Spielsucht, die „Anonym Glécksspiller“, zahlreiche Experten geladen hatte.

Vor allem anderen fordert die Beratungsstelle, dass die staatliche Verantwortung für die Prävention von Spielsucht in einem Gesetz festgeschrieben wird. In Deutschland regelt der „Staatsvertrag zum Glücksspielwesen“ die Rahmenbedingungen für die Veranstaltung von Glücksspielen: Der Glücksspielstaatsvertrag, dessen Ziel es ist, die Spielsucht zu bekämpfen, ihre Entstehung zu verhindern und hierbei insbesondere den Jugend- und Spielerschutz zu gewährleisten, folgt dabei der Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts, wonach das staatliche Glücksspielmonopol nur bei einer konsequenten Erfüllung der staatlichen Suchtprävention zu rechtfertigen ist. In Luxemburg gibt es kein derartiges Gesetz. Es wurde im Gegenteil dem Glücksspiel ständig weitere Entfaltungsmöglichkeit gegeben: Obwohl Glücksspiele in den 1970er Jahren aus den Gaststätten verbannt und auf das Kasino in Mondorf beschränkt wurden, kann man seit 2002 dank der Nationallotterie in den Gaststätten wieder ungehindert „Zubito“ spielen und demnächst auch Wettspiele wie zum Beispiel Pferde-sportwetten. Nicht ein Cent von den dabei erzielten Einnahmen wird jedoch in die Spielsuchtbehandlung investiert. Selbsthilfeorganisationen wie die Anonym Glécksspiller müssen daher mit äußerst begrenzten Budgets auskommen. 2011 führten die Anonym Glécksspiller rund 250 ambulante Beratungen von Betroffenen und Familienangehörigen durch; zurzeit betreuen sie rund 50 Betroffene – all das mit einem nur halbtags angestellten Psychologen. „Der Staat gibt einer nationalen Lotterie den Auftrag, das Spielewesen zu organisieren. Damit trägt er auch die Verantwortung in puncto Suchtprävention“, so Romain Juncker, Präsident der Anonym Glécksspiller, der darauf verweist, dass der Glücksspielmarkt immer größer wird und die Problematiken in Verbindung mit PC-Online-Spielen zunehmen. „Alle paar Minuten wird in einigen Cafés ein Pferderennen übertragen, wobei der finanzielle Einsatz von 1 Euro bis zu über 100 Euro reicht. Vermarktet wird das als neue Kultur“, kritisiert Juncker den Import. Es würden auf diese Weise neue Spieler in die Cafés gelockt, und dort werde auch Alkohol getrunken, mit dem Ergebnis, dass das Suchtrisiko zunehme und die verspielten Summen noch höher seien. Auch gebe es in Luxemburg keinen oder nur einen unzureichenden Jugendschutz. Die Nationallotterie stelle zwar eine Dokumentation über den verantwortungsvollen Umgang mit Glücksspiel zur Verfügung, aber Alterskontrollen würden in der Praxis kaum durchgeführt. Jeder Jugendliche könne problemlos einen Lottoschein einlösen. „Die Spielautomaten enthalten den Hinweis ?Nicht unter 16 Jahren‘ – in Frankreich sind diese erst ab 18 Jahren zugänglich“, so Junckert, der sich für ein Glücksspielverbot für Personen unter 18 Jahren einsetzt. Und schließlich harre das Gesetz zur Privatinsolvenz noch immer seiner Verabschiedung, so dass es für verschuldete Spieler weiterhin kaum Auswege aus ihrer Situation gebe. Ob sich an dieser Politik in Luxemburg etwas ändert, muss sich zeigen, große Zuversicht kann man aber nicht haben. Erst kürzlich erklärte Pierre Bley, Präsident des Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte: „Pour faire face à un marché en perpétuelle évolution et en présence d’une attente croissante des joueurs stimulés de surcroît par l’offre en ligne, les loteries d’Etat doivent constamment améliorer et adapter leur offre de jeux. [?] La Loterie Nationale est prête à commercialiser dans les années à venir, parallèlement à l’offre déjà en place, des jeux attrayants conçus en partenariat avec d’autres loteries d’Etat.“

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