AUTO-UMWELTLISTE: 3 Liter oder 223 kW?

von | 31.08.2012

Der Hype um E-Cars macht vergessen, dass es längst bewährte Sparautos gibt. Neben Hybrid- und Erdgasmodellen erreichen auch Diesel und Benziner gute Werte beim CO2-Ausstoß.

Der Testsieger: ein nettes kleines Auto.

Nicht viel Neues, das war der Eindruck, den die VCD-Autoliste vom vergangenen Jahr hinterließ. Doch 2012 ist Bewegung in die vom Verkehrsclub Deutschland vorgenommene jährliche Bewertung des PKW-Angebots nach ökologischen Kriterien gekommen: Sieger nach Punkten ist zum ersten Mal ein Erdgasfahrzeug. Die Hybride, die in den vergangenen Jahren den Spitzenreiter stellten, dominieren allerdings immer noch das Testfeld – unter den ersten zehn Modellen befinden sich sieben Hybridfahrzeuge, vom kleinen Lexus CT200h über den bewährten Toyota Prius bis hin zum neuen Siebensitzer Prius+. Wobei allerdings Hybrid nicht gleich Hybrid ist.

Als Vollhybrid werden Autos bezeichnet, deren Elektromotor stark genug ist, um den Wagen allein anzutreiben. Bei Mildhybriden, wie den Modellen von Honda, dient der elektrische Antrieb lediglich der Unterstützung des Benzinmotors. Wagen mit Start-Stopp-Automatik werden manchmal als Microhybride bezeichnet. Neu gegenüber 2011 sind die Plug-in-Hybride, deren Batterien auch an der Steckdose – statt nur vom Benzinmotor – aufgeladen werden können. Weil diese Modelle daraufhin konstruiert sind, in erster Linie mit dem Elektromotor zu fahren, werden sie vom VCD als Elektro-Autos eingestuft und nicht in die allgemeine Liste aufgenommen.

Grund für diese Sonderbehandlung ist die Einschätzung, dass die E-Cars aufgrund ihres Preises und ihrer begrenzten Reichweite nicht als Alltagsfahrzeuge taugen. „Elektrofahrzeuge werden kaum produziert und gekauft, die Datenlage ist noch viel zu unübersichtlich, um sie in das allgemeine Ranking aufzunehmen“, sagte Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD bei der Vorstellung der Liste vergangene Woche in Berlin. Immerhin führt der Club 18 Elektro-Modelle in einer gesonderten Liste auf, darunter so verschiedene Wagen wie den Tesla Roadster mit einer Leistung von 223 Kilowatt und das auch in Luxemburg erhältlichen Kleinstfahrzeug Tazzari Zero (15 Kilowatt). Interessant für innerstädtische Pendler könnte der Prius Plug-in-Hybrid sein, der auf bewährter Technologie beruht und zusätzlich eine rein elektrische Reichweite von 25 Kilometern bietet.

Wie viele Umwelt-NGOs sieht auch der VCD in dem Hype um die E-Cars vor allem ein Ablenkungsmanöver der Autoindustrie, die schärfere Umweltauflagen bei den spritgetriebenen Wagen fürchtet. Dabei erreichen 30 Benzin- und Dieselfahrzeuge der über 400 Modelle der VCD-Liste einen Ausstoß von weniger als 95 Gramm CO2 pro Kilometer – so viel, wie die EU-Kommission als Mittelwert für Neuwagen im Jahr 2020 vorgeschlagen hat. Die Autoindustrie bezeichnet dieses Ziel als zu ambitioniert, doch angesichts des bereits jetzt erreichten technischen Niveaus schließt sich der VCD der Forderung der Umwelt-NGOs nach einem Zielwert von 80 Gramm an. In ihrer Kategorie gut benotete „klassische“ Modelle reichen von „smart fortwo“ und Nissan pixo über Ford Focus und Seat Ibiza bis hin zum siebensitzigen VW Touran TDI, in dessen Klasse allerdings Hybrid- und Gasfahrzeuge die Nase vorn haben.

Bei dem anfangs erwähnten Testsieger handelt es sich ebenfalls um ein Erdgasauto von VW, nämlich den „eco up!“, von dem es bereits eine Benziner-Variante gab. Ob der Wagen in Luxemburg erhältlich sein wird, ist allerdings fraglich. Denn obwohl es mittlerweile zwischen Remerschen und Lintgen sechs Erdgas-Tankstellen gibt, führt dieses leistungsfähige Antriebssystem seit Jahren ein bedauerliches Schattendasein.

www.vcd.org

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