Au-pairs: Austausch oder Ausbeutung?

Der Service national de la jeunesse gab vor Kurzem eine Partnerschaft mit der Privatagentur „LuxAuPair“ bekannt. Die Zusammenarbeit soll die Betreuung von Au-pairs in Luxemburg verbessern. Es gibt Luft nach oben – auch, was die Bestrafung von Menschenhändler*innen angeht.

Ehemalige Au-pairs sagten der woxx gegenüber, dass sie sich mit ihren Problemen alleine gelassen fühlten. (© Dih Andréa/Pexels)

Der Ursprung des Wortes „au pair“ kommt aus dem Französischem und heißt so viel wie „à parité“, auf Augenhöhe. Bereits im 18. Jahrhundert schickten wohlhabende Familien aus der Schweiz ihre Töchter ins Ausland, um sich weiterzubilden. Sie erledigten dort gegen Kost und Logis Hausarbeiten in Gastfamilien. Im 20. und 21. Jahrhundert ist aus dieser Praxis ein internationales Geschäft mit Schattenseiten geworden. Ist es ein Austausch auf Augenhöhe? Nicht immer, auch wenn in Luxemburg ein Gesetz und der Service national de la jeunesse (SNJ) dafür sorgen sollen.

„Ich wurde regelmäßig genötigt, mich ganztägig um den Haushalt zu kümmern“, sagt Anna*. Sie ist vor drei Jahren als Au-pair nach Luxemburg gereist. Sie blickt mit negativen Gefühlen auf ihre Erfahrungen zurück. Ihre Gastfamilie fand sie auf greataupair.com, eines der vielen Portale, die Gastfamilien und Au-pairs aus aller Welt zusammenbringen. Der SNJ kommt erst ins Spiel, wenn der Vertrag zwischen Familie und Au-pair unterschrieben ist. Der SNJ prüft, ob die Voraussetzungen, die seit 2013 zur Aufnahme eines Au-pairs in Luxemburg gelten, gegeben sind. Wenn der SNJ das Bewerbungsdossiers der Au-pairs absegnet, können sie einreisen. Das Einhalten der unterschriebenen Konvention ist ein anderes Thema. Eins, mit dem Anna konfrontiert wurde.

Die Tatsache, dass sie ganztägig für ihre Gastfamilie arbeiten musste, verstößt gegen das Gesetz. Erlaubt sind nur fünf Stunden am Tag. „In einem Monat verbot die Familie mir, die zwei Freitage zu nutzen, die mir gesetzlich zustanden“, erinnert Anna sich. Die Gastfamilie missachtete auch wörtliche Abmachungen, wie die Dauer der Weihnachtsferien. Sie buchte und bezahlte Annas Flugtickets zu ihren Verwandten, nutzte die eigene Großzügigkeit dann jedoch als Druckmittel: Anna musste früher zurück nach Luxemburg als abgemacht.

Bruch mit dem Gesetz

„Ich habe mich per Mail an den SNJ gewandt und nie eine Antwort erhalten. Ich habe unsere Kontaktperson angerufen, doch sie ging nicht ran. Ich wollte unbedingt die Familie wechseln“, beschreibt Anna ihre damalige Situation. „Am Ende bin ich zum Büro des SNJ gefahren, wo ich einem Mitarbeiter die Probleme geschildert habe. Seine Antwort war: ‚Suchen Sie doch nochmal das Gespräch und schreiben Sie auf, wenn Sie sich auf etwas einigen. Der Wechsel der Familie ist kompliziert.‘ Ich habe mich alleine gelassen gefühlt.“

Anna ist kein Einzelfall. Mehrere ehemalige Au-pairs äußerten der woxx gegenüber, dass die Mitarbeiter*innen des SNJ wochenlang nicht auf wichtige Mails oder Anrufe reagiert hätten. Paula*, die ebenfalls vor drei Jahren über aupairworld.com als Au-pair nach Luxemburg kam, erfuhr erst durch andere Au-pairs von einer obligatorischen Informationsveranstaltung des SNJ. Sie hakte beim SNJ nach, wollte eine Einladung – keine Rückmeldung. Dabei ist die Veranstaltung wichtig, weil die Au-pairs dort offiziell über die Gesetzeslage und ihre Rechte aufgeklärt werden – nachdem sie die Konvention mit der Gastfamilie unterschrieben haben. Ob es nicht sinnvoller wäre, die Au-pairs zu informieren, bevor sie ihr Häkchen unter einen Vertrag setzen, sei dahingestellt.

Paula hatte zu dem Zeitpunkt ähnliche Probleme wie Anna: Die Gastfamilie lud ihr Tätigkeiten auf, die nicht in der Konvention standen. Das erkannte Paula jedoch erst nach der Infoveranstaltung des SNJ, zu der sie sich als Begleitung einer befreundeten Au-pair kurzerhand selbst einlud. Dort traute sie sich nicht, offen über die Probleme mit ihrer Gastfamilie zu sprechen. Der Tonfall der Veranstalter*innen lud nicht dazu ein. „Uns wurde wiederholt klargemacht, dass es eine zähe Prozedur ist, die Gastfamilie zu wechseln“, erinnert Paula sich. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich etwas an meiner Situation ändern kann. Ich habe mich verletzlich gefühlt, eingeschüchtert – und ich habe mich geschämt, dass ich mit über zwanzig so naiv war, einer fremden Familie zu vertrauen.“ Das sagt Paula auch, weil ihre Gastfamilie sie damals nicht über die gesetzliche Erhöhung des Mindestlohnes informiert hatte. Das erfuhr Paula von anderen Au-pairs. Ihr Gehalt war nicht angepasst worden.

Funkloch SNJ?

Nathalie Schirtz, Verantwortliche der „Division Soutien de transition à la vie active“ des SNJ, wundert sich über diese Umstände: „Wir schreiben immer beide Parteien an, auch wenn die Informationen manchmal nur eine Seite betreffen.“ Das konnten die Au-pairs, die ihre Erfahrungen mit der woxx geteilt haben, nicht bestätigen. Aus ihren Erzählungen geht hervor, dass die Au-pairs zum Großteil auf sich alleine gestellt sind und sich gegenseitig auf dem Laufenden halten. Der SNJ gilt als Funkloch. Wenn ein Kontakt zustande kommt, sind die Bewertungen durchwachsen. Anna und Paula ließen kein gutes Haar am SNJ, das Urteil anderer fiel mittelmäßig, nie aber gut aus. Schirtz nimmt den Austausch anders wahr.

„Wir klären die Au-pairs über ihre Rechte auf. Wir kommunizieren klar, dass sie sich jederzeit bei uns melden können, wenn sie einen Verstoß vermuten“, sagt sie der woxx. „Wir vermitteln auch ganz sicher nicht, dass es unmöglich ist, seine Gastfamilie zu wechseln. Der einmalige Wechsel ist gesetzlich erlaubt.“ In dem Fall werde eine „procédure de médiation“ eingeleitet, in der beide Parteien zu Wort kommen. In Extremfällen arbeitet der SNJ mit der Police judiciaire und der Inspection du travail et des mines (ITM) zusammen. „Diese Fälle lassen sich an einer Hand abzählen. Wir begrüßen rund 200 Au-pairs jährlich. Im Schnitt kommt es in zehn Familien zu Konflikten, bei denen der SNJ eingreifen muss“, präzisiert Schirtz. Acht von zehn Konflikten, bei denen der SNJ sich einschaltet, gehen mit der Auflösung der Konvention zwischen den Familien und den Au-pairs einher. „Meistens kommen die Betroffenen auf uns zu, wenn es schon zu spät ist“, bedauert Schirtz.

Warum viele zögern, bevor sie sich an den SNJ wenden? Weil zumindest unter den Au-pairs Gerüchte umgehen, dass die Beschwerden im Sand verlaufen oder vertrauliche Nachrichten weitergeleitet werden. Der SNJ scheint es zu versäumen, den regelmäßigen Kontakt mit den Au-pairs zu pflegen. Abgesehen von der Informationsveranstaltung, gibt es keinen weiteren formalen Austausch. Der Rückhalt untereinander ist jedoch gegeben – und dort verbreiten sich Erfahrungen wie die von Anna oder Paula schnell. So auch die Sache mit der Weiterleitung von Mails. Emma*, die vor zwei Jahren über private Kontakte als Au-pair in Luxemburg lebte, war trotz langer Wartezeiten auf Mails eigentlich zufrieden mit dem Kontakt zum SNJ. Das schlug gegen Ende ihres Aufenthalts schlagartig um. „Ich hatte große Probleme mit meiner Gastfamilie und habe mich in einer vertraulichen, detailreichen Nachricht an den SNJ gewandt. Diese Nachricht wurde unverändert und ungefragt an die Familie weitergeleitet, um sie mit ihrem Fehlverhalten zu konfrontieren. Das hat unser Verhältnis ruiniert“, sagt Emma. Anna und Paula wissen von ähnlichen Fällen, was sie letzten Endes davon abgehalten hat, sich nochmal an den SNJ zu wenden.

Schirtz rechtfertigt die Prozedur: „Wenn wir einen Konflikt lösen wollen, müssen wir zwangsläufig beide Seiten informieren, am besten in einem gemeinsamen Gespräch. Das wissen die Betroffenen aber auch. Es steht ihnen frei, offen zu schreiben, was sie beschäftigt.“

Ob die Zusammenarbeit zwischen SNJ und LuxAuPair etwas an der Kommunikation ändern wird? Es wird sich zeigen. Sie kam jedenfalls erst nach einigem Suchen zustande, wie Nathalie Schirtz der woxx berichtete. Es habe zuerst ein europäisches Ausschreibungsverfahren gegeben, das erfolglos verlaufen sei. Der SNJ besann sich anschließend auf den lokalen Markt und ging schließlich auf das Angebot der Firma LuxRelo ein. Die Agentur bietet im Internet Dienste für Expats an, die sich im Großherzogtum niederlassen wollen. Sie bekam den Zuschlag vom SNJ. Auch weil sie bereit war, eine weitere Firma – LuxAuPair – zu gründen, um ihre Aktivitäten besser voneinander zu trennen. Dem Handelsregister nach ist LuxAuPair erst am 4. Februar 2021 gegründet worden – nur 14 Tage bevor der Service information presse (SIP) die Mitteilung über die Zusammenarbeit mit dem SNJ an die Presse verschickte. In der Pressemitteilung vom SIP ist von einer „engen Kooperation und Komplementarität“ die Rede, um „[den] Familien und [den] jungen Ausländern einen besseren Rahmen für ihren kulturellen Austausch zu bieten.“

Au-pairs fallen auch in Luxemburg Menschenhändler*innen zum Opfer. (© Zachary De Bottis/Pexels)

Menschenhandel mit Au-pairs

Die meisten Au-pairs bleiben ein Jahr lang in Luxemburg. Das Durchschnittsalter beträgt 24 Jahre. 2020 waren 226 Au-pairs über den SNJ in Luxemburg angemeldet. Davon stammten 61 von den Philippinen, 27 aus Kamerun, 17 aus Brasilien und Madagaskar. Länder, in denen Armut und Unterdrückung der Zivilbevölkerung vorherrschen. Der SNJ stellte der woxx die Statistiken – unter dem Hinweis auf das Transparenzgesetz – zur Verfügung.

Die hohe Anzahl philippinischer Au-pairs macht stutzig, entpuppt sich aber als internationales Phänomen. Trotz Armut, Korruption und Gewaltherrschaft hat das Land eine hohe IT-Literacy und vermerkt Englisch als zweite Amtssprache, wie das österreichische „Migrazine – Online Magazin von Migrantinnen für alle“ in einem Interview mit Filomenita Hogsholm vom Global Filipinos in Diaspora Council schreibt. Hinzu kommen jedoch auch soziale Missstände, die sicherlich eine Motivation dafür sind, das Land zu verlassen.

Luxemburg ist bei Weitem nicht das einzige europäische Land, das sich großer Beliebtheit bei philippinischen Au-pair-Anwärter*innen erfreut. Auch die Niederlande und Skandinavien sind gefragte Zielländer. In Amsterdam gibt es inzwischen sogar eine Agentur, die von Philippiner*innen betrieben wird und sich exklusiv um die Vermittlung ihrer Landsleute an niederländische Familien kümmert. Dieser Austausch hat durchaus düstere Seiten: Missbrauch und Ausbeutung von Au-pairs führten die philippinische Regierung 1998 dazu, ein Ausreiseverbot für philippinische Gastarbeiter*innen auszurufen.

Auch wenn die meisten Länder dieses Verbot ignorierten – nur Norwegen hat ein Arrangement mit den Philippinen gesucht und gefunden – und es in Zwischenzeit wieder außer Kraft ist, so macht dieser Vorgang dennoch deutlich, dass hinter der Aufnahme von Au-pairs oft mehr steckt als die Freude am kulturellen Austausch.

Dafür spricht auch ein Vorfall aus Luxemburg: Im September letzten Jahres behandelte die luxemburgische Justiz einen Fall von Menschenhandel, bei dem das Opfer als Au-pair bei einer niederländischen Familie in Moutfort angestellt war. Die Frau aus den Philippinen arbeitete seit 2012 für die Familie, hatte ihr einjähriges Touristenvisum also deutlich überzogen und war nun von ihrer Gastfamilie abhängig. Eine Kusine des Opfers benachrichtigte 2017 die Polizei, welche die Frau befreien konnte und die Familie zur Rede stellte. Das vor Gericht vorgelesene Protokoll der Beamt*innen, von den Kolleg*innen des Lëtzebuerger Land in einem Artikel reproduziert, ist ausführlich und unmissverständlich: Der Frau wurde der Pass entzogen, sie wurde unangemessen niedrig bezahlt, litt unter psychischem und physischem Missbrauch. Trotz der geschilderten Situation verurteilte das Gericht die niederländische Familie lediglich zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro wegen der Beschäftigung einer Person ohne Aufenthaltserlaubnis. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung. Das Verfahren läuft noch.

Nicht nur die Presse beobachtete den Prozess mit großer Aufmerksamkeit. Auch die konsultative Menschenrechtskommission CCDH bemängelt seit Jahren fehlende Statistiken im Zusammenhang mit Au-pairs und Menschenhandel. Auf Nachfrage der woxx gibt die Kommission an, regelmäßig über Verdachtsfälle informiert zu werden, bei denen es sich bei den Opfern um Haushaltshilfen und Au-pairs handelt. Oft sind es zugezogene Familien aus Drittstaaten – wie den Philippinen –, die junge Verwandte einstellen und unter menschenunwürdigen Bedingungen bei sich aufnehmen. Die CCDH arbeite eng mit dem SNJ und dem Justizministerium zusammen, um entsprechenden Spuren nachzugehen.

Screenshot © SNJ

Und LuxAuPair?

Stéphane Compain, der Betreiber der neugegründeten Firma LuxAuPair, ist sich bewusst, dass es Probleme mit Menschenhandel gibt. „Es stimmt, dass die Statistiken des vergangenen Jahres eine hohe Anzahl von Au-pairs aus den Philippinen aufzeigen. Wir sind uns der sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die es in Ländern wie den Philippinen oder Madagaskar gibt, bewusst, sowie der Möglichkeit, dass verschiedene Au-pairs aus den falschen Gründen nach Luxemburg kommen oder dass es in gewissen Familien Missbrauch geben kann“, erklärt der französische Ex-Militär, der in den 1990er-Jahren in das Umzugs- und „Relocation“-Geschäft eingestiegen ist, der woxx.

Compain gibt zu bedenken, dass Luxemburg eines der EU-Länder mit den strengsten Regeln für die Einreise und die Aufnahme von Au-pairs ist. „Und genau das ist einer der Gründe, warum wir LuxAuPair und die Partnerschaft mit dem SNJ lanciert haben. Wir organisieren regelmäßige Informationssitzungen mit den Familien, um sie an die Regeln und Verpflichtungen bei der Aufnahme von Au-pairs zu erinnern. Wir sind auch dabei Partnerschaften mit Au-pair-Agenturen in Europa – und darüber hinaus – in die Wege zu leiten, um an ausgewählte, interessante Kandidaten zu kommen, die aus einer größeren Anzahl von Ländern stammen. Hinzu kommt, dass wir einen Überprüfungsprozess eingeführt haben, der aus einem Fragebogen, eingeforderten Dokumenten und einem Interview besteht. Wir überprüfen die Au-pairs und die Familien regelmäßig, während des gesamten Aufenthalts“, so Compain.

Aus Compains Antworten lässt sich außerdem Folgendes herauslesen: Der SNJ betrachtet LuxAuPair als seine Referenzagentur und zahlt der Firma Geld für die „interkulturelle Mediation zwischen Familien und Au-pairs sowie für die monatlichen Informationssitzungen“. Compain erinnert im Gespräch mit der woxx daran, dass der SNJ eine „Kontroll- und Sanktionsmission hat“. Dass sie dieser nicht immer nachkommt, belegen die Erfahrungsberichte ehemaliger Au-pairs. Die Zusammenarbeit mit LuxAuPair schaut nach der Abgabe von Verantwortung in einem heiklen Dossier aus – und das ist eine typisch luxemburgische Gangart: Wird es dem Staat zu heiß, gibt er die Verantwortung an die Privatwirtschaft ab.

*Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

Zehn Jahre Illegalität

Die aktuelle Gesetzeslage in Sachen Au-pairs ging aus einem juristischen Vakuum hervor, in dem Missbrauch sich breitmachen konnte. Schuld daran war die Angst der CSV-DP Regierung (1999-2004) vor illegaler Einwanderung.
Nur selten wird die woxx auf der Parlamentstribüne zitiert. Am 31. März 2013 las LSAP-Abgeordnete Claudia Dall’Agnol aus einem Artikel von September 2002 mit dem Titel „Sklavenhandel heute“ vor. Unser damaliger Autor Stefan Kunzmann hatte über den Fall einer jungen Polin berichtet, die, um die französische Sprache zu lernen, bei einem luxemburgischen Paar eine Au-pair(s)-Stelle angenommen hatte. Als die Gasteltern versuchten, sie beim Arbeitsamt anzumelden, hagelte es rassistische Beleidigungen – von „Pollacken und Russen“ war die Rede, die doch nur versuchen würden, sich illegal einzuschleichen. Das Pikante daran: Luxemburg war 2002 noch Unterzeichner der Au-pair(s)-Konvention des europäischen Rats von 1969 (ratifizierte sie aber erst 1990), die ein wenig Rechtssicherheit bot, aber auch viel Freiraum ließ. Aber es sollte noch schlimmer kommen: Nachdem das Verwaltungsgericht im Mai 2002 beschieden hatte, dass die Konvention auch für Au-pair(s) aus Drittländern gelten sollte, zog sich Luxemburg, unter Federführung des damaligen Arbeitsministers François Biltgen, aus der Konvention zurück und hinterließ einen rechtsfreien Raum. Dies „um zu verhindern, dass die Konvention als Täuschungsmanöver missbraucht wird, um abgelaufene Aufenthaltsgenehmigungen zu verlängern, oder als Umweg missbraucht wird, um in den luxemburgischen Arbeitsmarkt zu kommen“, wie die Salariatskammer in ihrem Avis zum Gesetzesprojekt 6328 im November 2011 schrieb. Nach dem Rückzug aus der Konvention fielen die Au-pair(s) in Luxemburg unter das Arbeitsrecht und mussten einen entsprechenden Vertrag mit ihrer Gastfamilie abschließen. Oder eben nicht, denn viele Au-pair(s) und Gastfamilien tauchten daraufhin in die Illegalität ab. 
In den Chamberdebatten von 2013 lassen sich die Konsequenzen nachverfolgen: Es ist von „Artistinnen“ in den bekannten Kabaretts, die sich als Au-pairs ausgeben, die Rede und von Unsicherheiten – wie Familienministerin Marie-Josée Jacobs in ihrer Rede bewies („Wir kriegen jede Woche Dutzende von Anrufen von Menschen, die gerne ihre Au-pairs regulieren würden“). In anderen Worten: Der Rückzug aus der Konvention hat genau das Gegenteil provoziert von dem, was die Politik erreichen wollte. Um aus der Sache herauszukommen, hatte sich die Regierung Juncker-Asselborn II ein neues Gesetz ins Koalitionsprogramm geschrieben. Fast zwei Jahre lang wurde über den Vorschlag diskutiert, um ihn schlussendlich, kurz bevor die Regierungskrise 2013 ausbrach, durchs Parlament zu bringen. So kam es, dass Luxemburg eines der „striktesten Gesetze“ in Sachen Au-pair(s) bekam – wie Stéphane Compain, der Betreiber der Agentur LuxAuPair der woxx beschrieb (siehe Artikel). Nicht weil sich die Politik besonders um das Wohlergehen der Au-pairs sorgte, sondern aus nationalistischen Reflexen und Angst vor Menschen aus Drittstaaten.


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