Biologische Landwirtschaft: Zwischen Realismus und Rückschritt

von | 01.01.2026

15 statt 20 Prozent Bio-Fläche: Der neue PAN-Bio 2030 senkt die Zielmarken und setzt stärker auf Marktnähe als auf strukturellen Umbau.

Rinderzucht und Kuhmilchproduktion machen in Luxemburg den überwiegenden Teil der Landwirtschaft aus. (Foto: Daiga Ellaby/Unsplash)

Kurz vor Weihnachten stellte Agrarministerin Martine Hansen (CSV) den neuen nationalen Aktionsplan zur Förderung der biologischen Landwirtschaft (PAN-Bio 2030) vor. Die Kulisse des Familienbetriebs Bio-Haff Baltes, des ersten luxemburgischen Produzenten von biologischem Ziegenkäse, sollte dabei als symbolischer Ort dienen und die neuen Ziele des Plans unterstreichen. Primäres Ziel des PAN-Bio 2030 ist es, die biologisch bewirtschaftete Fläche jährlich um einen Prozentpunkt zu erhöhen, sodass bis 2030 rund 15 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche biozertifiziert sind. Damit setzt das Landwirtschaftsministerium die politischen Zielstellungen deutlich niedriger an.

Der vorherige Plan hatte noch vorgesehen, den Bio-Anteil auf 20 Prozent zu steigern – das bis letztes Jahr. Ein Ziel, das laut Hansen „zu ambitioniert“ gewesen sei, wie aktuelle Zahlen nahelegen. Zwar stieg die Anzahl der Bio-Betriebe zwischen 2020 und Ende 2025 von 158 auf 253. Auch die Bio-Fläche nahm zu und verdoppelte sich nahezu von rund 6.400 auf über 12.200 Hektar. Doch selbst mit dieser Steigerung lag der gesamte Bio-Anteil Ende letzten Jahres laut Agrarministerin Hansen lediglich bei rund 10 Prozent. Nach den Zahlen, die die Statec in ihrem Bericht „Luxemburg in Zahlen“ im September letzten Jahres veröffentlichte, lag die Größe der landwirtschaftlich genutzten Biofläche 2024 bei 9.567 Hektar von insgesamt 133.040 Hektar landwirtschaftlicher Anbaufläche, also bei knapp über 7 Prozent.

15 anstatt 20 Prozent Bio-Fläche: Der neue Aktionsplan der Regierung setzt auf niedrigere Ziele und höhere Marktnähe.
(Foto: Ministère de l’Agriculture)

Marktnähe ohne Vision

Inhaltlich ist der neue Aktionsplan technokratischer, marktnäher und stärker auf Steuerbarkeit ausgelegt als sein Vorgänger. Grundlegende Strukturprobleme wie Flächenknappheit, Generationenwechsel oder die Dominanz einzelner Produktionszweige bleiben weitgehend unangetastet. Auch das langfristige Fernziel des alten PAN, bis 2050 eine vollständig biologische Landwirtschaft zu erreichen, taucht im PAN-Bio 2030 nicht mehr auf. Neu akzentuiert wird hingegen die Rolle der Gemeinschaftsverpflegung. Bis 2030 sollen demnach 80 Prozent der vom Schulkantinendienst Restopolis verwendeten Produkte aus der luxemburgischen Landwirtschaft stammen, davon 30 Prozent aus biologischer Produktion. Jetzt schon stammen dank des vom Bildungsministerium in die Wege geleiteten Beschaffungssystems „Supply4Future“ rund 70 Prozent der Produkte, die Restopolis in Schulkantinen nutzt, aus lokalem Anbau (woxx 1863).

Ein weiterer Punkt des Plans ist die stärkere Öffnung für Teilumstellungen. Künftig sollen konventionell wirtschaftende Betriebe einfacher und schrittweise in den Bio-Sektor einsteigen können. Etwa die Hälfte der Landesfläche wird hierzulande landwirtschaftlich genutzt, der überwiegende Teil davon für Rinderzucht und Kuhmilchproduktion. Dieser hohe Spezialisierungsgrad wird staatlich massiv gefördert: 2023 flossen rund 84 Prozent der Agrarbeihilfen – insgesamt 92 Millionen Euro – in diesen Sektor. Gleichzeitig gilt die intensive Tierhaltung als einer der Haupttreiber des Biodiversitätsverlusts.

Die neuen Ziele präsentierte Hansen als pragmatisch und realistisch, so auch die Anpassung und Verschiebung der Zielmarke von 20 auf 15 Prozent, die aber ebenso als politischer Rückschritt interpretiert werden kann. Ob Bio-Landwirt*innen und Umweltorganisationen dies weniger als Realpolitik und mehr als Ausdruck eines fehlenden politischen Gestaltungswillens bewerten? Offizielle Stellungnahmen auf den kurz vor den Feiertagen am 22. Dezember präsentierten Plan sind noch nicht erfolgt.

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