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Simone Scharberts „Für Anna. Eine Belichtung“ ist ein zärtliches literarisches Porträt der zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Botanikerin und Fotografin Anna Atkins (1799-1871). Die Wissenschaftlerin lernte Mitte des 19. Jahrhunderts das fotografische Verfahren der Cyanotypie kennen, bei der mithilfe von UV-Licht und Eisensalzen tiefblaue Bilder entstehen, und nutzte diese Erfindung, um Pflanzen exakt und systematisch abzubilden. Sie veröffentlichte als erster Mensch überhaupt ein rein mit Fotografien illustriertes Buch. Scharbert leuchtet Atkins Leben, das von Licht und Schatten, von beglückenden Entdeckungen und schmerzhaften Wendepunkten geprägt war, in ihrem Buch nie mit Schaulust aus, sondern erhellt es behutsam bis in kleinste biographische Verästelungen hinein. Ihre Trauer ob der vielen persönlichen Verluste, die sie über Jahrzehnte erleiden musste, schildert die Biografin mit einer solch bemerkenswerten poetischen Sorgfalt und Einfühlungsgabe, dass Atkins den Leser*innen als dreidimensionale Figur, als Mensch aus Fleisch und Blut entgegentritt. Eine spürbare Nähe entsteht, die ihren Abdruck hinterlässt.

