Denzel Washington: Verhärtete Fronten

Die Filmadaptation des 1987 am Broadway uraufgeführten Theaterstücks „Fences“ überzeugt mit beeindruckenden Schauspielleistungen und einer minimalistischen Filmgestaltung.

Troys Träume mögen geplatzt sein, doch für Rose gab es nie eine Alternative zur Selbstaufopferung.

Troy Maxson (Denzel Washington), Anfang 50, Ehemann und Vater zweier Söhne, ist ein temperamentvoller, oft in Selbstmitleid versinkender Vielschwätzer, der im Pittsburgh der 1950er-Jahre mit seiner Arbeit als Müllmann die Familie unterhält. Gegenüber dem wenigen, das er hat, empfindet er ein unnachgiebiges Kontrollebedürfnis: „Ich baue mir einen Zaun um das, was zu mir gehört.“ Sein jüngster Sohn Cory (Jovan Adepo) träumt von einem Football-Stipendium – nichts wäre für ihn schlimmer, als wie sein Vater bei der Müllabfuhr zu enden. Selbst in jüngeren Jahren aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe um eine Baseball-Karriere gebracht, wünscht sich Troy, dass Cory einmal so werden möge wie er selbst; gleichzeitig wünscht er aber auch das genaue Gegenteil. Der Egoismus des Patriarchen, der in starkem Kontrast zur Selbstaufopferung seiner Ehefrau Rose (Viola Davis) steht, führt immer wieder zu Konflikten, doch muss auch er sich irgendwann den negativen Konsequenzen seines Verhaltens stellen.

Man braucht nicht lange zu überlegen, um ein paar jüngere Filme aufzuzählen, die auf Theaterstücken basieren – „Closer“, „Carnage“, „August: Osage Country“ –, doch selten ist darin das Medium „Theater“ derart präsent wie in „Fences“. Der Schauplatz beschränkt sich fast ausschließlich auf ein Einfamilienhaus, Musik wird nur spärlich eingesetzt. Zudem fallen ein langsames Schnitttempo, einige wenige Reaction-Shots, gezielt eingesetzte Naheinstellungen zur Akzentuierung emotionaler Höhepunkte sowie, an mehreren Stellen, enge Kadrierungen auf, die eine klaustrophobische Wirkung entfalten. Kameraarbeit und Montage werden demnach erzählerisch eingesetzt, doch auf derart dezente Weise, dass die Vordergründigkeit der Dialoge und des Schauspiels unangefochten bleibt. Doch worin der Film dem 1987 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten Theaterstück am meisten verhaftet bleibt, ist der Text. Dieser wurde vom Autor August Wilson für die große Leinwand adaptiert, und es ist zu beanstanden, dass er der Vorlage übertrieben treu bleibt. Vor allem zu Beginn des Films hätte eine Verminderung der Textlastigkeit zugunsten einer Schwerpunktsetzung auf visuelle Erzählmittel den Einstieg womöglich erleichtert. Insgesamt jedoch ist es erfrischend, einen Film zu sehen, der auf das Wesentliche reduziert ist und ohne große Effekte auskommt.

Bereits im gleichnamigen Theaterstück hatten Denzel Washington und Viola Davis die Hauptrollen verkörpert. Besonders letzterer gelingt ein überzeugender Übergang vom Theater zum Filmschauspiel. Nicht umsonst wurde sie für ihre Leistungen mit jeweils einem Tony und einem Academy Award ausgezeichnet. Washington spielt manchmal etwas „theatralisch“, in dem Sinne, dass er „größer“ agiert, als es für die Darstellung vor der Kamera notwendig wäre. Er wirkt zudem durchgehend wesentlich sympathischer, als es die Auslegung der Figur nahelegt. In der Tat ist es eine schwierige Gratwanderung, eine Person ins Zentrum einer Geschichte zu stellen, die nicht die Publikumssympathien auf ihrer Seite hat. Vor diesem Hintergrund ist es schade, dass die Figur der Rose keine zentralere Position im Film einnimmt, denn auf diese Weise hätte ein differenzierteres Porträt dieser Frau gezeichnet werden können.

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