Im Kino: The Chronology of Water

von | 16.01.2026

Kristen Stewart gibt mit „The Chronology of Water“ ein kompromissloses Regiedebüt. Die Adaption von Lidia Yuknavitchs Memoiren überzeugt jedoch weniger durch formale Konsequenz als durch die intensive Präsenz von Hauptdarstellerin Imogen Poots.

Lidias Leben ist von toxischen Beziehungen geprägt. (Copyright: Scott Free Productions/CG Cinema)

Mit „The Chronology of Water“ legt Kristen Stewart ihr Regiedebüt vor – und zwar keines, das sich vorsichtig herantastet oder um Zugänglichkeit bemüht. Stattdessen präsentiert sie ein sperriges, forderndes Projekt. Der Film ist eine formal radikale Adaption von Lidia Yuknavitchs gleichnamigen Memoiren aus dem Jahr 2011, in denen die Autorin ihre von Gewalt und emotionaler Verwahrlosung geprägte Kindheit und Jugend literarisch verarbeitet. Yuknavitch, einst eine talentierte Leistungsschwimmerin, wurde durch einen autoritären Vater, der sie sexuell missbrauchte, systematisch gebrochen – Erfahrungen, deren Nachhall der Film ins Zentrum rückt.

Stewart interessiert sich dabei weniger für eine biografische Nacherzählung als für die subjektive Erfahrbarkeit von Trauma. Der Film bewegt sich assoziativ durch Lidias Bewusstsein, springt zwischen Erinnerungen, die Jahrzehnte voneinander entfernt liegen, ohne Orientierungshilfen oder klare zeitliche Markierungen. Bereits überwunden geglaubte Lebensphasen kehren unvermittelt zurück. Die Struktur besteht aus fragmentierten Erinnerungsbildern, abrupten Szenenwechseln, gedämpften Dialogfetzen sowie gemurmelten Voice-over-Passagen, die weniger erklären als andeuten. Die bewusst unkonventionellen filmischen Mittel sollen das zerrissene Innenleben der Hauptfigur spiegeln und eine passive Rezeption gezielt unterlaufen.

Erst immersiv, dann ermüdend

Doch genau diese ambitionierte Darstellungsweise nutzt sich im Verlauf des Films zunehmend ab. Was zu Beginn immersiv und eindringlich wirkt, kippt allmählich in etwas Ermüdendes. Statt emotionaler oder thematischer Verdichtung entsteht der Eindruck einer losen Abfolge von Momenten, denen eine innere Spannungsdramaturgie oder eine klar erkennbare Entwicklungslinie fehlt.

Zusammengehalten wird „The Chronology of Water“ vor allem durch Imogen Poots, die der Hauptfigur eine enorme physische wie emotionale Präsenz verleiht. Ihre Darstellung verlangt ihr ab, ein ganzes Leben aus Trauma, Selbstzerstörung und Sucht sichtbar zu machen – eine Aufgabe, die sie mit beeindruckender Intensität bewältigt. Ihr Spiel ist durchgehend fesselnd und verleiht dem Film jene Dynamik, die ihm auf formaler Ebene oft fehlt.

Letztlich ist „The Chronology of Water“ ein Coming-of-Age-Porträt eines Inzestopfers, das sich weigert, Schmerz und Trauma zu glätten oder versöhnlich zu rahmen. Kristen Stewarts Regiedebüt zeugt von einer klaren Vision und einem ausgeprägten Gespür für Atmosphäre – bleibt in seiner Gesamtwirkung jedoch hinter dem selbst gesteckten Anspruch zurück.

Im Utopia

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Expotipp: Der Schuh als Thema und Kunstobjekt

Schuhe sind Alltagsgegenstand, Statussymbol und Kunstobjekt zugleich. Wie letzteres auf die Spitze getrieben werden kann, zeigt derzeit eine Ausstellung in der Galerie „Tunnel am Gronn“, die ihre Fläche seit Jahren schon der Kunst von Schüler*innen widmet. Nicht nur Schuhliebhaber*innen machen deshalb derzeit große Augen, wenn sie die kleine...

KULTURTIPP

Willis Tipps: Juni 2026

Mali-Pop Fatoumata Diawara wurde in der Elfenbeinküste geboren und früh von ihren malischen Eltern zu einer Tante nach Bamako, Mali geschickt. Bei dieser wuchs sie auf, bis sie mit 18 nach Paris auswanderte, um sich zur Schauspielerin ausbilden zu lassen. Ihre Filmkarriere startete dementsprechend früher als ihre Musikkarriere: Seit 1996...

KULTURTIPP

Expotipp: Et leeft

Die Periode im Porträt: Die Ausstellung „Et leeft“ im Lëtzebuerg City Museum widmet sich mit der Menstruation einem Thema, mit dem wohl jede*r direkt oder indirekt im Laufe seines*ihres Lebens in Berührung kommt. Gewitzt, lehrreich und differenziert ist diese Schau, die über die Geschichte der Menstruationsartikel und biologische Abläufe...

KULTURTIPP

Spieletipp: Blue Prince

Protagonist Simon kann das Erbe einer großen Villa erst dann antreten, wenn er den geheimen Raum Nummer 46 findet. Erschwert wird das dadurch, dass sich der Grundriss des Hauses jeden Tag ändert. Als Spieler*in kann man an jeder Tür aus drei Räumen einen auswählen, sodass bei jedem neuen Versuch ein komplett anderes Haus entsteht, das andere...