Der letzte linke Kleingärtner, Teil 31: Produktplatzierung

Verschiedentlich werden wir gefragt, ob der letzte linke Kleingärtner einen Hau’ weg hat oder vielleicht zu lange in der Sonne war. Solche Mutmaßungen weisen wir empört zurück. Stattdessen erfahren Sie diesmal alles über seine Klatsche.

Gibt’s die auch in Bio? 
Die Mückenklatsche ist vom ökologischen Standpunkt aus mindestens so umstritten wie ihr Zweck. (Foto: Heron/Wikimedia/CC BY-SA 3.0)

Wenn Experten unter sich sind, fühle ich mich am wohlsten. Und ja, ich habe es gewusst und immer schon gesagt: Im Land mit einer langen Tradition im Anbau von Kartoffeln – nicht umsonst werden seine Einwohner gerne selbst so bezeichnet – setzt sich nach langem Zaudern und Zögern der träge Zug der Bauern und Bäuerinnen in Bewegung. Endlich folgt man mir als Kleingärtner auf dem Weg zu höheren Weihen und damit zu mehr Vielfalt auf dem Acker.

Was ist geschehen?
 Während kein Kleingärtner in seinem
 


Garten lediglich eine Pflanze anbaut, machen dies unsere Artverwandten, die Bauern, immer noch gern. Ist irgendwie logisch. Schließlich werden im Jahr 2021 auch Massengüter wie Autos, Kühlschränke und Smartphones nicht in süßen, kleinen Manufakturen hergestellt. Warum also sollten Bauern die romantischen Vorstellungen von Menschen erfüllen, die vermeintlichen Erinnerungen aus ihrer Kindheit nachtrauern und dafür Anleihen in Sachen Bauernhofidylle aus den ebenso romantisch-verklärenden Kinderbüchern von damals nehmen.

Es kann mitunter durchaus Sinn machen, auf einem Feld bloß eine Frucht anzubauen. Aber eben nicht immer. Wenn man etwa Mais und Stangenbohnen gemeinsam anbaut, schafft man eine klassische Win-win-Situation. Die Stangenbohnen brauchen, anders als in meinem Garten, 


keine „Stange“, sondern hangeln sich am Mais hoch. Er ist ihre natürliche Rankhilfe. Und die Bohnen helfen wiederum dem Mais, indem sie als Leguminosen, ähnlich wie Erbsen, den im Übermaß in der Luft vorhandenen Stickstoff an ihren Wurzeln anreichern, wo er auch das Maiswachstum fördert.

Mais und Bohnen eignen sich mit ihrem hohen Eiweißgehalt als Viehfutter. In Deutschland wurden 2020 bereits 15.000 Hektar dieser Mischkultur angebaut; bevorzugt im Elbe-Weser-Dreieck. 2019 waren es noch lediglich 4.000 Hektar und 2018 erst 400 Hektar. Diese Entwicklung erfüllt mich mit Stolz, da ich – wer sonst! – diesen Impuls gegeben habe, mit meiner verbalen Trommelei für Vielfalt auf dem Acker. Zudem eignet sich der Mais-Bohnen-Mischanbau nicht für die mimosenhaften Streitereien über die Vorzüge von Bio- oder konventionellem Anbau; schon deshalb bin ich ein Fan davon.

Wenn alles rund läuft und die Saatgutzüchtung gleich große Mais- und Bohnenkörner hervorbringt, wird die mechanisierte Aussaat erleichtert und der Bauer kann bei

des in einem Arbeitsgang sowohl säen als auch später abernten. Und er hat einen deutlich höheren Eiweißgehalt im 
Futterertrag, während er mineralischen Stickstoffdünger einspart. Wie geil ist das denn? Na also, geht doch. Lieber gleich auf unsereins gehört. Man hätte sich jahrelange Ungeschicklichkeiten und die Verschwendung natürlicher Ressourcen erspart. Ahnung zu haben ist schließlich eine meiner größten Kompetenzen.

„Ahnung zu haben ist schließlich eine meiner größten Kompetenzen.“

Und ehe sich jetzt die ökologischen Dünnbrettbohrer mit ihrer allgegenwärtigen „Nachhaltigkeit“ angesprochen fühlen, sei ihnen von mir gesagt: Nein, außer an dieser Stelle werden ich eure Worthülse heute nicht verwenden. Die Party findet ohne euch statt. Denn nicht nur gesteigerte Erträge und mehr Protein fürs Vieh zählen zu den positiven Resultaten der Mais-Bohnen-Mischkultur, es finden sogar bodenbrütende Vögel Schutz darin, und auch Insekten bietet sie Nahrung.

Apropos Insekten. Die haben, ausgelöst durch allerhand Studien, an Beliebtheit zugelegt. Ist ja gut, Ökos. Beruhigt euch! Ich habe nichts gegen Insekten. Na ja, stimmt nicht ganz. Manche stechen, verursachen Rötungen, allergische Reaktionen. Andere, wie die gemeine Hausmücke, von der es verschiedene Arten gibt, sind ultranervig. Zum Denken braucht man Ruhe und Konzentration. Auch redende Mitmenschen, labernde und sich bewegende Kinder, Telefongeräusche stören dabei, den Gipfel des Ärgernisses stellt jedoch das Summen einer Mücke dar. Ich kann die Waffengattungen gar nicht alle aufzählen, mit denen ich die fliegenden Quälgeister in meiner Phantasie erledige. Okay, den Traum mit den großen Monsterwaffen verschiedenster Bauart habe ich ausgeträumt. Stattdessen greife ich zu einer Mückenklatsche der Firma „Fackelmann“ und tobe mich aus, bis auch das letzte der Viecher erledigt ist.

Doch so sehr ich mir wünsche, sie alle auf einen Streich zu erwischen: In 90 Prozent der Fälle benötige ich mehr Schläge, was zu innerhäuslichen Kollateralschäden wie verschmutzen Fenstern und zerbrochenen Tassen führt. Aber der Erfolg gibt mir recht. Wahrscheinlich ist dieses solide Werkzeug auch von anderen Firmen erhältlich. Mag sein. Aber ich kenne seit Jahren nur die Qualitätsklatsche der Firma, deren Namen ich, um nicht zu viel Werbung zu machen, laut woxx-Redaktion nur einmal erwähnen darf. Da verstehen die, wie so oft, wieder mal keinen Spaß. Wie? Ja genau: Fackelmann. „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“, heißt es im Volksmund. Es geht doch nichts über gutes und bewährtes Werkzeug. Jetzt kann ich wieder in Ruhe lesen – ohne Sumsum.


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