Der vorherige Technologie-Hype: Was war nochmal Blockchain?

von | 06.02.2026

Noch vor wenigen Jahren war „Blockchain“ das große Schlagwort für die Finanz- und Techwelt. Auch die Luxemburger Regierung hat derartige Projekte finanziert – geblieben ist davon wenig.

So manches Blockchain-Projekt ist in sich zusammengefallen. (Illustration: MUINLAUNDRY/Pixabay)

Vor einem Jahr berichtete das Medium „Paperjam“, dass die Regierung das „Blockchain Lab“ nicht mehr wie zuvor finanziell unterstütze. Die Blockchain-Technologie, die Krypto- währungen wie Bitcoin zugrunde liegt, wurde einst als seriöser Unterbau des Hypes um diese digitalen Währungen betrachtet. Ein Jahr später zeigt sich: Außer großen Versprechungen ist trotz staatlicher Subventionen wenig Brauchbares aus den Blockchain-Projekten entstanden.

Blockchain, in der Finanzwelt auch manchmal „Distributed-Ledger-Technologie“ (DLT), ist eine Art digitales Kassenbuch. Ursprünglich wurde es entwickelt, um die Transaktionen von Bitcoin festzuhalten. Bei einer anonymen Kryptowährung ohne Banken können die Benutzer*innen sich nicht gegenseitig vertrauen, weswegen kryptografische Verfahren angewandt werden, um sicherzugehen, dass das digitale Geld, das die Besitzer*innen wechselt, auch wirklich vorher in der digitalen Brieftasche des*der Sender*in war. In der Blockchain ist jede Bitcoin-Transaktion gespeichert – jede neue Transaktion wird aus der vorherigen errechnet, sodass eine Manipulation (beinahe) unmöglich ist. Der Preis der Anonymität ist mangelnde Geschwindigkeit und eine enorm hohe Rechenleistung.

Mit dem Hype rund um Kryptowährungen, der um 2017 herum begann und um 2020 seinen Höhepunkt erreichte, kamen verstärkt Projekte auf, die Blockchain für andere Zwecke benutzen wollten: Bildrechte, Dating, oder sogar Bananen – keine Idee schien zu verrückt (woxx 1460; „Finanzsektor im digitalen Goldrausch“). „Mehr und mehr Insider glauben, dass Blockchain die größte Revolution im Bereich der Eigentumsverwaltung seit der Geburt des Kapitalismus wird“, schrieb die Beratungsfirma „PwC“ verzückt, während „Deloitte“ davor warnte, die Technologie berge das Potenzial, „Luxemburg von der Karte des Investmentfond-Markts verschwinden zu lassen.“ (woxx 1461; Automatisierte Fondsindustrie). Die Idee: Statt Bitcoin-Transaktionen sollten mit einer Blockchain die personalintensive Arbeit der Fondsindustrie automatisiert werden: Kundeninformationen überprüfen, Geld-Transaktionen validieren, Dividenden ausbezahlen und Berichte veröffentlichen. Gemeinsam mit der Beratungsfirma „KPMG“ gründeten die Luxemburger Börse und die Post prompt ein Startup namens „FundsDLT“, das 2024 von der „Deutschen Börse Group“ aufgekauft wurde. Eine Revolution, die zu massenhaften Entlassungen geführt hatte, blieb aus und auch die Luxemburger Fondsindustrie behielt ihren Platz auf der Landkarte.

Das Blaue vom Himmel

Der Luxemburg Staat, insbesondere während der zweiten blau-rot-grünen Koalition, wollte mitmischen – immerhin handelte es sich hierbei um eine wichtige Zukunftstechnologie. Zumindest, wenn man den vielen Startups und Krypto-Fans Glauben schenkte. Im Mai 2017 gründet der Staat den Verein „Infrachain“ mit dem Ziel, Blockchain-Anwendungen zu entwickeln und zu fördern. Auch parastaatliche Akteure wie die „Spuerkeess“ und die Post (durch ihr Tochterunternehmen „InTech“) wirkten im Verein mit. Der organisierte beispielweise 2022 den „Infrachain Summit“ im Rahmen der „Blockchain Days“ und gewann sogar den damaligen Premier Xavier Bettel (DP) als Redner. Die Tagungsreihe wurde wiederum vom „Luxembourg Blockchain Lab“ organisiert. Ein Verein, in dem Infrachain, das „Luxembourg House of Financial Technology“ (LhoFT), das Uni Luxemburg-Institut „SnT“ und der Verein „Letzblock“ gemeinsam „Ineffizienzen durch die Nutzung von Blockchain reduzieren“ wollten.

Vorzeigeprojekt war allerdings „Ebsilux“ mit dem Ziel die Anerkennung von Universitätsdiplomen durch Blockchain zu erleichtern. Eine Lösung, die ein Problem suchte, wie bei so vielen Blockchain-Projekten: Die Anerkennung ausländischer Diplome staatlich akkreditierter Universitäten scheitert meist nicht daran, dass Bildungsinstitutionen sich untereinander nicht trauen, sondern dass es schwierig ist, die Inhalte von Lehrplänen zu vergleichen und herauszufinden, ob diese tatsächlich gleichwertig sind.

Mittlerweile ist das Pilotprojekt abgeschlossen, die Website offline. Ein Dokument mit Schlussfolgerungen lässt sich nur noch mittels „Internet Archive“ auffinden. Darin findet sich die Feststellung, dass viele wichtige Features fehlten – so zum Beispiel die Möglichkeit, ein Diplom zurückzuziehen. 270.000 Euro kostete der Fehlschlag, wobei die Europäische Kommission laut dem Luxemburger Digitalisierungsministerium „etwa 55 Prozent“ beisteuerte. Ein direktes Nachfolgeprojekt gäbe es nicht, aber „Die Lessons learned sind zum Teil in die Arbeiten für das European Digital Identity Wallet eingeflossen,“ so eine Sprecherin des Digitalisierungsministeriums, der „Blockchain-Ansatz“ sei jedoch „immer noch für andere Fälle valide“. Was wohl so viel heißt wie: Man hat gelernt, dass die vermeintliche Lösung nicht an das Problem angepasst war – und es hat nur ein wenig mehr als eine Viertelmillion gekostet.

Zurück bleibt eine digitale Wüste

Den Abschluss von „Ebsilux“ nannte man auch als Grund, weswegen man aus „Infrachain“ ausgetreten sei. Man habe sich nun dem „European Digital Infrastructure Consortium for European Blockchain Partnership and European Blockchain Service Infrastructure“ (Europeum-Edic) angeschlossen. Infrachain betreibt weiterhin einen „Blockchain-Knoten“ für dieses europäische Projekt, was den Staat 55.000 Euro im Jahr an Subventionen kostet. Das europäische Blockchain-Projekt „Ebsi“ wirkt indes ebenso verwaist: Die letzten Neuigkeiten sind vom April letzten Jahres, es werden Stipendien beworben, deren Bewerbungsfrist 2023 war. Laut dem Digitalisierungsministerium arbeite man weiter an Projekten, neben „sicheren Datenaustausch“ (für den man keine Blockchain braucht) auch an digitalen Produktpässen für Batterien und – einmal mehr – der Verifizierung von Berufszertifikaten oder Sozialversicherungsdokumenten. Letzere „mit oder ohne Blockchain“.

Mit dem staatlichen Austritt aus Infrachain endete auch die finanzielle Unterstützung für das „Blockchain Lab“. Laut Paperjam wurden drei Mitarbeiter*innen entlassen. Auf unsere Anfragen, was mit dem Lab passiert sei, antworten die übrigen Mitglieder wie Universität, LhoFT und List nicht – das Digitalisierungsministerium gab lediglich an, nicht direkt involviert gewesen zu sein. Im Koalitionsabkommen von 2023 versprach die Regierung noch, Luxemburg „zur führenden Blockchain-Plattform Europas“ zu machen. 2026 sieht die Realität anders aus. Ein Projekt existiert noch: Die „Digitalisierung“ der Studienbeihilfe wurde über eine Blockchain realisiert.

Es wäre jetzt leicht, zu schlussfolgern, dass besonders die liberale DP anfällig sei für Blender*innen aus dem Technologiebereich, die das Blaue vom Himmel versprechen. Vergleicht man die fantastischen Aussagen, die vor einigen Jahren über Blockchain getroffen wurden jedoch mit jenen, die seit einigen Jahren über sogenannte „künstliche Intelligenz“ orakelt werden, wird klar, dass auch die Koalitionspartnerin CSV nicht vor den Heilsversprechen aus Silicon Valley gefeit ist. Der Unterschied zur Blockchain ist vor allem, dass die nötigen Investitionen um ein Vielfaches teurer sein werden.

Dat kéint Iech och interesséieren

NEWS

Quality of Work Index : Le travail, c’est toujours pas la santé

Les conditions de travail se dégradent au fil des ans. C’est le constat dressé par la Chambre des salariés (CSL) dans l’édition 2025 du « Quality of Work Index Luxembourg ». L’insatisfaction au travail n’a jamais été aussi élevée depuis l’existence de cette étude qui, cette année, met l’accent sur le déficit en matière de formation continue.

NEWS

De quoi ont parlé Frieden et Mittal à Davos ?

Nora Back et Patrick Dury vont à nouveau unir leurs plumes sous la bannière du Front syndical pour écrire à Luc Frieden, ont-ils confié au woxx. La présidente de l’OGBL et son homologue du LCGB vont interroger le premier ministre sur le contenu de l’entretien qu’il a eu avec Lakshmi Mittal, lors du Forum économique mondial, à Davos, à la...

NEWS

Luxemburg verletzt EU-Wasserrahmenrichtlinie

Vergangene Woche hat die EU-Kommission rechtliche Schritte gegen Luxemburg eingeleitet, weil das Großherzogtum gegen die EU-Wasserrahmenrichtlinie verstößt. Als Grund wird angeführt, dass die Genehmigungen zur Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser nicht regelmäßig überprüft werden müssen. Genehmigungen, die vor 2015 erteilt worden sind,...

NEWS

Nucléaire la Belgique cherche des terrains

Une nouvelle centrale nucléaire verra-t-elle le jour en Belgique, à une soixantaine de kilomètres seulement de la frontière luxembourgeoise ? Rien n’est encore acté, mais à l’issue de travaux prospectifs menés l’automne dernier par le bureau d’ingénierie Tractebel (Engie), le site de Chertal, en province de Liège, retient particulièrement...