Dingdong.lu: Mit Dank zurück

von | 03.12.2015

Besonders im Haushalt werden viele Gegenstände angeschafft, um dann nur ein paarmal benutzt zu werden. Ausleihen statt kaufen heißt deshalb die neue Devise.

1349dingdong_NEWS_TELEXX_hochdruckreinigerNach einer längeren Vorbereitungsphase und dank eines kleinen finanziellen Anstoßes des Nachhaltigkeitsministeriums ist es nun soweit: Das Projekt „Ding Dong“ des Mouvement écologique ist online. Die interaktive Internetseite dingdong.lu ist aber eigentlich nur eine Facette eines Programms, das ganz auf Ressourcenschonung ausgerichtet ist. „Ding Dong“, das ist der Laut einer Hausklingel, der immer dann ertönt, wenn mensch beim Nachbarn um etwas Salz oder ein Ei bittet. Ding Dong setzt auf die nachbarschaftliche Solidarität noch eins drauf: Durch kleine Abziehbildchen, die sich ganz leicht an oder neben die eigene Klingel kleben lassen, kann jeder angeben, welche Gebrauchsgegenstände zur Ausleihe zur Verfügung stehen. Gemeint sind vor allem sperrige Artikel, die womöglich nur ein paar Mal im Jahr zum Einsatz kommen und ansonsten irgendwo ungenutzt herumstehen.

Bevor also der Nachbar sich einen eigenen Kessel kauft um sein „Quetschekraut“ einzukochen, kann er sich in der Nachbarschaft umsehen, ob er nicht irgendwo diese Gerätschaft ausleihen kann. Vielleicht kommt es sogar zu einem kollektiven Einkoch-Happening, weil noch andere ihre frisch geernteten Zwetschgen verarbeiten wollen und so der Kupferkessel, der sonst viel zu groß wäre, überhaupt erst bis zum Rand gefüllt wird.

Camille Gira, Staatssekretär im Umweltministerium, fühlte sich jedenfalls angesichts dieses Beispiels an seine Kindheit in Beckerich erinnert, wo er für die Herbeischaffung des „dorfeigenen“ Kessels zuständig war. Aber die Unterstützung durch sein Ministerium zielt natürlich auf mehr ab als eine Stimmungsverbesserung in Dörfern und Stadtteilen. Bei der Vorstellung von dindong.lu sagte Gira ganz allgemein dem überbordenden Verbrauch sogenannter grauer Energie den Kampf an: In vielen Haushaltsgeräten stecken sehr große Mengen an Energie – aber auch an anderen Ressourcen. Sie könnten einfach dadurch eingespart werden, dass die Produkte erst gar nicht gekauft und in Folge davon auch nicht hergestellt werden.

Im Zeitalter der Laptops und der Smartphones lässt sich die Vermittlung wenig gebrauchter Gegenstände natürlich effektiver organisieren als durch Abziehbilder. Auf dingdong.lu können sich Anbieter wie Nachfrager unentgeltlich anmelden und dann die bereits mit einigen Gegenständen bestückte Seite in Augenschein nehmen. Wer ein bestimmtes Gerät sucht, kann es in die Suchmaschine eingeben. Big brother sei Dank, werden dann die geografisch am nächsten verfügbaren Exemplare angezeigt. Erfüllt das Angebot die Wünsche, wird der Anbieter informiert, und beide Parteien können dann mit dem Kommunikationsmittel ihrer Wahl einen Übergabetermin und -Ort aushandeln.

Derzeit beschränkt sich die Angebotspalette noch auf Gerätschaften. Ob irgendwann einmal auch Dienstleistungen hinzukommen, entscheidet die Dynamik, mit der das Projekt sich entwickeln wird.

Shared Economy

Kontakte und Abwicklung bleiben weitgehend informell und werden von den Beteiligten selber gemanagt. Hinsichtlich rechtlicher Probleme, wie zum Beispiel möglicher Entschädigungsansprüche bei fehlerhaften Geräten oder Beschädigungen beim Gebrauch, verwies die Méco-Vorsitzende Blanche Weber auf die Erfahrungen aus der Schweiz, wo kaum Probleme aufgetreten sind, die sich nicht auf informelle Art und Weise hätten lösen lassen.

Camille Gira erläuterte auch die von der blau-rot-grünen Regierung unterstützte shared economy, für die ja Jeremy Rifkins Team eingespannt wurde. Ob der Experte allerdings so richtig Gefallen an Ding Dong fände, ist fraglich: Zu viel shared und zu wenig economy, dürfte seine Analyse sein. Da, wo kein Geld im Spiel ist, kann auch nichts verdient werden. Aber auch dafür hat der Kapitalismus sicherlich eine Lösung parat, sofern der freiwillige Test zufriedenstellend verläuft.

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