Direktionswechsel im Resistenzmuseum: Ein kritischer Geist und ein offenes Herz

von | 08.10.2026

Nach einer langen Renovierungsphase ist zwar Ruhe ins Resistenzmuseum eingekehrt, doch von Stillstand kann keine Rede sein. Im Gespräch mit der woxx erklärt die neue Direktorin Elisabeth Hoffmann, welche Schwerpunkte sie setzen möchte und warum es ihrer Meinung nach gerade jetzt wichtig ist, die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten.

Die Direktorin Elisabeth Hoffmann steht am Fuße einer Treppe im größten Raum des MNRDH.

Elisabeth Hoffmann, die neue Direktorin im Hauptraum des Museums, das jedes Jahr ungefähr 10.000 Besucher*innen zählt. (Copyright: woxx/Chris Lauer)

Die Frau, die sich berufsbedingt mit der Vergangenheit beschäftigt, wagt in ihren ersten Tagen als Leiterin des Nationalen Museums für Widerstand und Menschenrechte (MNRDH) einen Blick in die Zukunft. Ab März 2027 wird nämlich der bisherige Direktor Frank Schroeder in den Ruhestand treten, die neugewählte Chefin Hoffmann wird ab da alleine die Leitungsfunktion des Hauses übernehmen. Die Frage, woran man ihre Direktion denn in fünf Jahren messen solle, beantwortet sie mit einem konzentrierten Blick und einem freundlichen Lächeln. „Mir ist es ein Anliegen, die Sammlung des Museums sichtbarer zu machen.“ Sie spricht von der nationalen Digitalisierungskampagne der Museen, deren Ziel es ist, die jeweiligen Bestände über eine Datenbank für ein großes Publikum zugänglich zu machen. So wolle sie die zur Backlist gehörenden Objekte, Dokumente und Fotos, die nicht Teil der Dauerausstellung – dem „Herzstück“ des Museums – seien, aufwerten.

Außerdem wünsche sie sich, dass das Museum in den Gemeinden, mit denen es gemeinsam Projekte leite, weiter Fuß fasse, und wolle in Zukunft auch ein jüngeres Publikum stärker ansprechen. Dieser Punkt ist, so wird während der Unterhaltung deutlich, Hoffmann besonders wichtig, da er an etwas rührt, das für sie klar im Verantwortungsbereich des Museums als Erinnerungsort liegt: einen kritischen Geist und eine empathische Haltung fördern. Zurzeit arbeite das Museum ein Puppentheaterstück aus, um Kinder über den Wert der Demokratie und über Begriffe wie Freiheit, Flucht und Diktatur aufzuklären, erzählt sie. Die aktuelle Ausschreibung einer Pädagog*innenstelle ordnet sich ebenfalls ein in das Bestreben, ein für Kinder interessantes Programm zu entwickeln.

Doch nicht nur die jüngste Generation möchte Hoffmann für das Profil und die Tätigkeiten des MNRDH begeistern. Fragt man sie danach, was Besucher*innen nach einem Rundgang durch das Museum, dessen Hauptausstellung um die deutsche Besatzung Luxemburgs im Zweiten Weltkrieg kreist, mitnehmen sollen, sagt sie: „Mir ist es wichtig, dass man versteht, dass die damalige Situation hochkomplex war, und dass es eben auch heute auf komplexe Probleme keine einfachen Antworten gibt.“ In Krisenzeiten werde schnell nach Sündenböcken gesucht, betont sie. „Das sind Mechanismen, die menschenverachtend sind und keine Lösung darstellen.“ Im Verlauf des Gesprächs, das in der großräumigen Eingangshalle des MNRDH stattfindet, wird ersichtlich, dass man nicht von der Vergangenheit sprechen kann, ohne auch das Heute in den Blick zu nehmen. Historischen Vergleichen, zum Beispiel dem zwischen der heutigen Zeit und der Zwischenkriegszeit, steht Hoffmann als Geschichtsexpertin einerseits kritisch gegenüber, andererseits sieht auch sie beängstigende Parallelen.

Besonders riskant findet sie, wenn politische Parteien ihre Macht missbrauchen, um die Geschichtsdeutung zu beeinflussen. „Geschichte ist politisch“, sagt sie, auf das von der CDU und der AFD kürzlich erlassene Stolpersteinverbot in Heidenau (Sachsen) angesprochen. Luxemburg nennt sie in dem Kontext eine „Insel“ und unterstreicht, dass das Team des MNRDH seiner Arbeit bisher immer völlig frei hat nachgehen können. Und doch ist Vorsicht geboten: „Solche Dinge können auch bei uns passieren.“

Umso wichtiger ist für das Museum die thematische Anbindung an die Aktualität, der sein Name seit 2021 in besonderer Weise Rechnung trägt. Damals wurde aus dem „Musée de la résistance“ das „Musée de la résistance et des droits humains“. Frank Schroeder, der seit 2008 an der Spitze des Museums stand, habe das Thema der Menschenrechte von Anfang an sehr am Herzen gelegen, sagt Hoffmann. „Es war ihm wichtig, nicht bei 1945 aufzuhören.“

Frauen im Krieg

Mit Wechselausstellungen möchte das MNRDH über auszutragende Kämpfe rund um die Verteidigung (und Verletzung) von Menschenrechten und aktuelle bewaffnete Konflikte aufmerksam machen – denn auch das Thema des Widerstands ist selbstverständlich kein rein historisches. Noch bis zum Ende des Jahres kann man die Foto-Ausstellung „Women in War“ der zweifachen Pulitzer-Preisträgerin Lynsey Addario besuchen, die das Schicksal von Frauen in Zeiten des Kriegs auf äußerst prägnante Weise beleuchtet. Auch das sei ihr ein besonderes Anliegen, bemerkt Hoffmann während des Treffens mit der woxx: die Thematisierung der Rolle von Frauen im Widerstand und Krieg.

Besonnen und motiviert wirkt Hoffmann, die als promovierte Historikerin nicht nur fachliche Expertise mitbringt, sondern auch, da sie seit 2018 für das Museum arbeitet, das Haus äußerst gut kennt. Das Team nennt sie „ihre zweite Familie“, Frank Schroeder ihren „Mentor“. In ihrer Studienzeit machte sie mehrere Praktika im Museum, führte „visites guidées“ durch und engagierte sich im beim Verein „Frënn vum Resistenzmusée“. Nach ihrem Master spezialisierte sie sich auf das Forschungsfeld der „memory studies“ und schrieb ihre Doktorarbeit über den Widerstand in Luxemburg, im Elsass, in der Moselgegend und dem westlichen Teil Belgiens während des Zweiten Weltkriegs.

Der Aufgabe, das Haus zu leiten, fühle sie sich auch deswegen gewachsen, weil sie sich über Jahre die Fähigkeiten dazu durch „learning by doing“ angeeignet hätte, lacht Hoffmann. Dadurch, dass sie Schroeder in den letzten Jahren als Direktionsassistentin zur Seite stand, erhielt sie Einblicke in alle wichtigen administrativen Abläufe und lernte unter anderem, ein Budget aufzustellen und zu verteidigen. Wegen der geringen Größe des Teams – acht Menschen werden auf der Website des MNRDH ausgelistet – müsse jede*r „polyvalent“ sein, erklärt sie. Im Gespräch wird offenbar, dass eine enge Zusammenarbeit sowohl für die Belegschaft als auch für die Institution selbst von großer Bedeutung ist, ebenso wie eine offene Kommunikation und eine Diskussionskultur, bei der jede Position berücksichtigt wird.

Danach gefragt, wie sie – man denke an die Spannungen im CNA (woxx 1874) und dem Mudam (woxx 1837) – für ein gutes Arbeitsklima sorgen wolle, antwortet sie: „Ich will den Führungsstil [von Frank Schroeder, Anm. d. Red.] gerne beibehalten.“ Menschen mit Respekt zu behandeln sei wichtig.

Nach den sechs Jahre andauernden Renovierungsarbeiten befindet sich das MNRDH seit 2024 in einer Phase der Konsolidierung. Das halb von der Stadt Esch, halb vom Kulturministerium finanzierte Museum soll, wenn es nach Hoffmann geht, noch langsam weiterwachsen, auch wenn, allein räumlich betrachtet, die Maximalkapazitäten irgendwann erreicht sind. Um auch Menschen außerhalb des Museumsgebäudes zu erreichen, kuratiert das MNRDH eine Open-Air-Ausstellung auf der „Brillplaz“ in Esch. Außerdem ist das Museum dabei, sein „réseau de mémoire“ auszubauen – ein Projekt, bei dem in Zusammenarbeit mit Partnergemeinden lokale Gedenkwege geschaffen werden. Sie würde natürlich auch gerne die Besucher*innenzahlen steigern, sagt Hoffmann lachend. „Aber das ist schwer, das kann ich natürlich nicht garantieren.“

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