Edit-a-Thon : Mehr als ein schwuler Premierminister

von | 08.04.2021

Beim multimedialen Festival Multiplica in den Rotondes schreiben marginalisierte Personengruppen beim Edit-a-Thon Geschichte – und zwar ihre eigene. Nächstes Wochenende sind LGBTIQA+ und heterosexuelle Frauen an der Reihe.

Beim „Edit-a-Thon: Make Wikipedia More Feminist and More Queer“ machen LBTIA+ und heterosexuelle Frauen aus Luxemburg feministische und queere Geschichte auf Wikipedia sichtbar. (Foto: Alexander Suhorucov von Pexels)

„Für ausländische Medien ist Luxemburg bezüglich ‚queerer’ Themen nur interessant, wenn es um den ‚schwulen Premierminister’ geht, und vielleicht noch ‚mainstream‘ Feminismus, wenn es um Frauenrechte geht“, schreibt Enrica Pianaro, Soziologin und Mitglied der Pink Ladies, der woxx. Die Pink Ladies sind eine luxemburgische Organisation, die sich mit Aktionen und Aktivitäten für cis- und trans Frauen einsetzt, die sich als LBAQ+ definieren. „Doch sobald es um Queer-Feminismus oder um lesbischen Feminismus geht, dann ist das für die Medien hier in Luxemburg nicht interessant. Wir erleben das jedes Jahr – und dieses Jahr haben wir in dem Kontext eine Pressemitteilung zur enttäuschenden Berichterstattung über den Frauenstreik veröffentlicht“, sagt Pianaro. Zusammen mit dem CID Fraen an Gender, dem Kulturnetzwerk Art + Feminism und den Rotondes knüpfen sich die Pink Ladies wegen dieser allgemeinen Unsichtbarkeit jetzt Wikipedia vor.

Beim „Edit-a-Thon: Make Wikipedia More Feminist and More Queer“, am 17. April, sind Frauen dazu eingeladen, die Informationslücken zu queeren und feministischen Aktionen in Luxemburg zu schließen. „Wir werden den Fraestreik auf die Wikiseite der weltweiten Frauenstreiks integrieren oder die Pride Week/Gay Mat Wikiseite, die es bisher nur auf Luxemburgisch gibt, in andere Sprachen übersetzen“, verrät Enrica Pianaro.

Es ist das zweite Mal, dass marginalisierte Personengruppen beim Kulturfestival Multiplica in die Tasten hauen, um Wikipedia zu ergänzen. Bei der ersten Ausgabe im Februar lag der Fokus auf Menschen afrikanischer Herkunft. Die Teilnehmer*innen bearbeiteten bestehende Einträge zu Black, Indigenous and People of Colour (BIPoC) und legten neue Artikel für die Personengruppen an.

Das feministische Netzwerk Art + Feminism organisiert seit 2014 kollektive Schreib- und Bearbeitungsmarathons mit dem Ziel, in Wikipedia Inhalte über Frauen in der Kunst sowie andere unterrepräsentierte Personengruppen zu erhöhen und ihnen die Mitarbeit an der freien Enzyklopädie zu eröffnen. Das Netzwerk zitiert auf seiner Website eine Studie der Wikimedia Foundation aus dem Jahr 2011: Nach dieser definieren sich weniger als 10 Prozent der Wikipedia-Autor*innen als Frauen. Datenanalysen und linguistische Studien haben außerdem ergeben, dass die Artikel über Frauen seltener und kürzer sind als jene über Männer.

Auf die Frage, welchen Meilensteinen oder Schlüsselfiguren in der Geschichte von LBAQ+ Frauen es an Sichtbarkeit fehlt, antwortet Pianaro: „Was für eine Geschichte? Lesben und queeren Frauen wird ihre Sexualität abgesprochen, wenn es um Geschichtsschreibung geht, immer unter dem Vorwand, dass das nicht wichtig sei, das sei privat.“ Aus dem Grund sei manchmal nicht gewusst, dass „Frau X, die großes geleistet hat, keine heterosexuelle Person war“. Lesbische, bisexuelle und queere Frauen kämpfen laut Pianaro an allen Fronten und seien Leaders der verschiedensten aktivistischen Bewegungen, wie etwa wenn es um Frauenrechte, Black Lives Matter oder Umweltaktivismus geht. „Und wie viele Menschen wissen das? Das Wissen darüber ist wichtig, weil alle Vorbilder brauchen. Besonders junge LGBTIQ+ Personen müssen wissen, dass LGBTIQ+ Menschen nicht nur Opfer sind, sondern auch Kämpfer*innen und Menschen, die etwas bewegen – und das nicht nur in Sachen LGBTIQ-Aktivismus“, sagt sie. „Das ist ein Erbe, das durch eine heteronormative und weiße Geschichtsschreibung verloren geht.“

Edit-a-Thon: Make Wikipedia More Feminist and More Queer, am 17. April ab 14 Uhr auf der Plateforme der Rotondes. Das Event ist ausgebucht. Interessent*innen können sich per Mail (tickets@rotondes.lu) oder telefonisch 26 62 20 30 (Di. bis Fr. von 
13:30 – 18:30 Uhr) in die Warteliste eintragen lassen. Weitere Informationen gibt es auf der Website der Rotondes. 
Das Event steht nur Frauen und LGBTIQA+ Menschen frei.

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