Kunst und Krieg – unvereinbar? Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums und die Kuratorin Ira Yeroshko beweisen mit der Schau „Greifbar: Krieg im Blick ukrainischer Künstler“ das Gegenteil: 15 zeitgenössische Kunstschaffende aus der Ukraine geben unter anderem Antworten darauf, wie sich Kunst zu Kriegszeiten denken lässt. Während die einen sich in ihren Foto- und Videoarbeiten auf den Krieg im Donbas von 2014 beziehen, fokussieren sich die anderen auf die rezente russische Invasion der Ukraine. Dabei ist Yeroshkos Werksauswahl ein Hoch auf die künstlerische Vielfalt, die sich sogar bei einem solch tragischen Motiv offenbart. Die meisten Künstler*innen schildern die Ereignisse abstrakt oder verknüpfen sie eng mit persönlichen Geschichten. Eine davon ist Maryna Levenchenko: In ihrer Videoarbeit „Zyklus 24“ dokumentiert sie die Rückkehr in ihre von Bomben zerfressene Heimatstadt. Daryna Snizhko porträtiert in dem Essay-Film „Die Februar-Pest“ hingegen die Situation der Zivilbevölkerung vor Ort, kurz vor der russischen Invasion. Im Kontrast dazu hält Yulia Drapushko in „Vorübergehend vertrieben“ die Flucht aus der Ukraine nach Portugal aus der Perspektive zweier Katzen fest. Auf der Website greifbar.in.ua gibt es alle Werke und ihre Entstehungsgeschichten im Überblick – der Klick und der Ausstellungsbesuch lohnen sich.
Kulturtipp: Warpunk-Propaganda aus Teheran
„Sind wir nur bedeutungslose Zahlen in dieser korrupten Welt?“, fragte das iranische „Ardawahisht Collective“ am 20. Januar auf seinem Facebook-Auftritt angesichts der fortdauernden Massaker des islamischen Regimes im Iran an der dortigen Zivilbevölkerung. Eines der Mitglieder des Kollektivs von Metalmusiker*innen hatte gerade zwei neue Tracks präsentiert: „No Title – They Killed More than 12.000 in 4 Days“ und „Warpunk Rebellion MMXXVI“, so die beiden Stücke, in denen das Grauen dieser Tage verarbeitet worden ist.

