
(© Département Patrimoine historique et industriel de la ville d’Esch)
Ein Schwarz-Weiß-Foto in einem kleinen Saal zeigt ein Flugzeug des Roten Kreuzes auf dem ersten Flugplatz Luxemburgs: Nicht dem Findel, sondern dem Aerodrom in Lallingen, der bis 1954 die hiesige Luftfahrt vorantrieb. Es ist eins von 16 Fotografien vergangener Gebäude, Plätze und Infrastrukturen, mit denen die Escher Gemeinde in der Ausstellung „Verschwonne Gebäier“ die historische und architektonische Identität der Eisenmetropole würdigt. Die meisten dieser Bauwerke sind mittlerweile verschwunden: Ersetzt, abgerissen oder neu erbaut, machten Kinos und Ratshäusern, neuen Theatern und größeren Bahnhöfen Platz. Umso wertvoller ist die Archivarbeit, welche die „Abteilung für historisches und kulturelles Erbe“ in Esch nach dem Vorbild der Phototèque in Luxemburg-Stadt vor fünf Jahren begann. So gibt ein Teil der Ausstellung zudem einen interessanten Einblick in die Arbeit der Expert*innen. Doch obschon kleine Schilder unter den Fotos die Entwicklung mit einigen Fakten verdeutlichen, wirken die meist menschenleeren Bilder wenig belebt. „Ein Blick nach hinten für neue Generationen“, wie der Escher Bürgermeister auf der Eröffnung versprach, eröffnet sich demnach nur schwer für diejenigen, die die Stadt nicht seit Jahrzehnten kennen. Denn oft fehlt es an historischem Kontext, an Erklärungen zu bestimmten Abrissen oder individuellen Anekdoten etwa, um mehr über das damalige Leben in Esch zu lernen. Dadurch entsteht der Eindruck, das Verschwinden der Gebäude sei eine zwangsläufige Folge des Fortschritts, obwohl es auf gezielte Stadtplanung und politische Weichenstellungen zurückgeht. Dementsprechend könnte die Gemeinde ihren Aufruf an Bürger*innen, Fotografien und Dokumente zu teilen, um eine weitere Bitte ergänzen: die Übermittlung von Erzählungen und Anekdoten in schriftlicher Form.