Im Stream: Ted Lasso

Ted Lasso, der Protagonist der gleichnamigen Serie, wird als Pendant zu toxischer Männlichkeit gefeiert. Aber ist er das wirklich?

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Der Anklang, den die Apple TV Serie „Ted Lasso“ bisher fand, ist einzigartig: Egal mit wie vielen Zuschauer*innen man redet oder wie viele Rezensionen man liest – es ist schwer auch nur einen einzigen Menschen zu finden, der die Serie nicht mag. Auch wenn sich die Gründe dafür unterscheiden, so sind sich doch alle einig : „Ted Lasso“ zeigt, wie die Welt sein könnte, wenn alle etwas mehr Mitgefühl füreinander aufbringen würden. Sie wird als Feeld-good-Serie schlechthin gewertet.

Ausgangspunkt von „Ted Lasso ist eine Scheidung, um die es im weiteren Verlauf nur am Rande geht. Nach der Trennung von ihrem Mann (Anthony Head), übernimmt Rebecca Welton (Hannah Waddingham) von diesem die Leitung des Londoner Premier Ligue-Vereins AFC Richmond. Die besten Intentionen hat sie dabei nicht. Um ihrem Ex eins auszuwischen, will sie den Verein in den Ruin stürzen. An ihrem ersten Arbeitstag feuert sie den Coach und ersetzt ihn durch eine Person, die dieses Ziel in ihren Augen am verlässlichsten umsetzen wird: Einen ehemaligen American Football-Coach aus Kansas namens Ted Lasso, der rein gar nichts von Fußball versteht.

Von Weltons Plan weiß Lasso nichts. Er ist im Gegenteil überzeugt davon, dass er die Herausforderung mit Bravour meistern wird. Durch seinen naiven Optimismus sticht Lasso unter den anderen Serienfiguren hervor, denn nicht nur in den Augen Weltons ist der neue Coach unfähig: Sowohl das Fußballteam und dessen Fans als auch die gesamte britische Presse denken so. Doch Lasso lässt sich davon nicht einschüchtern. Indem er anderen zuhört und versucht sie zum Lachen zu bringen, kann er nach und nach immer mehr Menschen für sich einnehmen.

Das ist zumindest die Geschichte, die die Serie uns erzählen möchte. Ob das gelingt, ist eine andere Frage. Die Macher*innen – unter anderem Bill Lawrence, der kreative Kopf hinter „Scrubs“ und „Cougar Town“ – wollen uns glauben machen, dass Lasso alle, die er trifft, mit seiner Art verzaubert. Das funktioniert, wenn er wenig konstruktiv mit Beziehungsproblemen umgeht und dadurch besonders menschlich wirkt. Andere seiner vermeintlich liebenswürdigen Eigenschaften stoßen hingegen eher auf: Er macht explizit unerwünschte Geschenke, führt ungefragt seine Beatbox-Fähigkeiten vor und quatscht alle, die er trifft, mit Anekdoten aus seinem Leben voll. Einiges von seinem Geplapper mag clever, witzig oder auch liebevoll sein, mindestens genau so oft ist es aber nicht originell, belanglos oder gar taktlos. Dass er stets ein Lächeln auf den Lippen hat,  ändert daran wenig.

In vielen Szenen ist Lasso somit nicht wirklich von einem weißen cis Mann zu unterscheiden, der sich selbst gerne reden hört, sich nicht allzu viel aus Einvernehmlichkeit macht und ein überproportionales Maß an Selbstbewusstsein mitbringt. Davon, dass er einen gut bezahlten, hoch angesehenen Posten bekleidet, für den er in keinster Weise qualifiziert ist, gar nicht erst zu sprechen. Im Grunde führt die Serie nur vor, wie leicht inkompetente weiße cis Männer in Führungspositionen gelangen und wie ihr Dominanzverhalten schöngeredet wird.

Auch wenn die männlichen Figuren etwas einfühlsamer dargestellt sind als die Männer in den meisten anderen Serien: Jede Folge ist von einer latenten Aggressivität durchzogen, die punktuell auf physische oder verbale Weise auf anderen entladen wird. Der Sinneswandel, den manche der Figuren am Ende der Staffel durchlaufen, wirkt übers Knie gebrochen. Der einzig plausible Grund dafür scheint zu sein, dass die Macher*innen unbedingt wollten, dass die Serie mit einer positiven Note endet.

Im Juni wurde „Ted Lasso“ mit dem Peabody ausgezeichnet „for offering the perfect counter to the enduring prevalence of toxic masculinity“. Die Messlatte, um als Konter zu toxischer Männlichkeit zu gelten, ist offenbar sehr niedrig.

Die zweite Staffel erscheint am 23. Juli auf Apple TV.


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