Indie-Krautrock-Elektro: Geiz ist geil

Von Spar sind eins der Wechselbälger der deutschen Musiklandschaft. Seit Anfang der 2000er beweisen die Kölner, dass es durchaus noch möglich ist, sich mit jedem Album neu zu erfinden.

Nicht sparsam mit Erneuerung: Von Spar. (Photo : Jan Lankisch)

Wir erinnern uns an den Anfang dieses Jahrtausends in Deutschlands Indie-Szene: Die Hamburger von Tocotronic mit „KOOK“ und die Sterne mit „Irres Licht“ hatten gerade die Diskurshoheit komplett erobert, es galt als schick, mit Seitenscheitel und Streberbrille in Jogginghosen herumzulaufen, und je egaler es war, was man an Texten zusammenschrieb, desto besser. Als ob die „Anything Goes“-Postmoderne noch einen letzten Aufschrei ausstieße, vor der Finanzkrise und den düsteren Zeiten, durch die wir jetzt gondeln.

Es gab also keinen besseren Zeitpunkt für eine Kölner Band, deren enigmatischer Name demjenigen der Straße ihres Proberaums entnommen ist, um auf den Zug der Hamburger Schule aufzuspringen. Von Spars erstes Album „Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative“, das 2004 beim Hamburger Label „L’âge d’Or“ (von 1988 bis 2007 die beste Adresse für intellektuellen Slackerrock) erschien, erfüllt alle Bedingungen, um in den Club der elitären Nerds aufgenommen zu werden. Wütender Gesang, leichte Akkorde, krachender Rhythmus und hier und da ein bisschen Elektro-Gefiepe – dazu Texte, die so herausfordernd wie bedeutungsschwanger waren, wie es die Single „Ist das noch populär?“ beeindruckend unter Beweis stellt.

Das hätte es auch schon sein können für Von Spar, wenn sich nicht 2007 durch eine personelle Änderung neue Horizonte aufgetan hätten. Denn kurz vor einer Tour verkrachte sich die Band mit ihrem Sänger Thomas Mahmoud und entschied von dem Moment an, einfach keinen festen Sänger mehr einzustellen. Die Band verließ daraufhin ihr Label und konzentrierte sich lieber auf eine Musikrichtung, die von ihrer Heimatstadt aus die Welt eroberte: den Krautrock und vor allem die von den Kölner Pionieren Can geschaffenen Klanguniversen.

Bereits das 2007 selbstbetitelte Album verwies in diese Richtung, bestand es doch nur aus zwei 20-minütigen Songs. Den Urvätern des Krautrock huldigten Von Spar in den Folgejahren auf verschiedenste Weise. Sei es mit einem Tribute-Album, das sie 2013 mit dem Pavement-Sänger Stephen Malkmus live aufnahmen oder mit diversen Auftritten, mit dem ehemaligen Can-Frontmann Damo Suzuki am Mikrofon.

Auch auf den Folgealben erwiesen sich Von Spar als äußerst versatil. Am Gesang wechseln sich weitere Größen der Szene ab, sei es Scout Niblett, Ada oder der kanadische Songwriter Chris A. Cummings – alle bereichern sie die Musik des Quartetts, das sich auf ewig neu definieren will und kann. Es ist ein bisschen so, als sei die „ständige Torpedierung der Hörererwartung“, wie es die Berliner taz einmal formulierte, der kreative Motor der Band.

Wer also eine Band erleben möchte, die seit über 15 Jahren nicht müde wird, Neues zu entwerfen und Altes schon mal über Bord zu werfen, dem/der sei nahegelegt, sich am Mittwoch nächster Woche in den Rotondes einzufinden.

Als Vorgruppe spielen übrigens die fast verloren geglaubten Indie Alt-Rocker und Local Heroes von Ice in My Eyes.

Am 16. Oktober in den Rotondes.

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