Invasive Wasservögel: Kampf gegen die Nilgänse

von | 28.08.2020

Als Eindringlinge gebrandmarkt, sollen die Nilgänse aus Luxemburg vertrieben werden. Doch sind die Wasservögel wirklich so gefährlich, wie oft behauptet wird?

Böse Fremdlinge, die unseren heimischen Enten die Nistplätze wegnehmen und auf Badewiesen kacken? Die Nilgänse sollen aus Luxemburg vertrieben werden. (Foto: woxx)

Im alten Ägypten galt sie als Repräsentation der Schöpfergottheit „Gengen Wer“, des „Großen Gackerers“, nun ist sie in der EU als invasive Spezies verpönt: Die Rede ist von der Nilgans, über die in den letzten Jahren viel diskutiert worden ist. Ursprünglich aus Afrika stammend, war sie auch auf dem Balkan, in Ungarn und in Bulgarien beheimatet. Während sie in Osteuropa heute nicht mehr anzutreffen ist, hat sie sich seit den 1970er-Jahren rapide entlang der großen Flüsse in den Niederlanden und Deutschland verbreitet. Seit 2007 ist die Art auch in Luxemburg anzutreffen. Es handelt sich um einen etwa 70 cm großen Wasservogel mit hohen Beinen und einem charakteristischen Augenfleck.

Schon vor drei Jahren wurde die Nilgans auf die Liste sogenannter invasiver gebietsfremder Arten gesetzt, was zur Folge hat, dass jeder Mitgliedstaat einen Plan zum Management dieser Vogelpopulation erstellen muss. Im Klartext heißt das: Die Ausbreitung des Wasservogels soll eingedämmt werden, teils werden die Nilgänse auch bejagt. Grund für den Bann: Der Nilgans wird vorgeworfen, heimischen Wasservögeln das Futter und die Brutplätze streitig zu machen. Außerdem sind die Tiere sehr aggressiv, wenn sie Junge haben – es soll schon vorgekommen sein, dass andere Vögel bei Auseinandersetzungen getötet worden sind. Auch fürchtet man, die Nilgans könne sich mit anderen eingeführten Wasservögeln paaren. Was genau an den daraus resultierenden unfruchtbaren Hybriden gefährlich sein soll, ist allerdings eine Frage, die ungeklärt im Raum steht.

Ein anderer Grund, warum die Nilgans ungeliebt ist: Sie hinterlässt ihren Kot auf Badewiesen und greift auch schon mal Menschen an, die eigentlich nur baden wollen. Eine Beschreibung, die auch auf Schwäne zutrifft. Die Nilgans könnte außerdem potenzielle Trägerin von Krankheiten wie die Vogelgrippe sein.

In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Gusty Graas (DP) erläuterte Umweltministerin Carole Dieschbourg am Dienstag, wie Luxemburg gegen die Vögel vorzugehen gedenkt. Statt einer Jagd sollen die Eier so sterilisiert werden, dass die Nilgänse zwar ihre Brutgewohnheiten weiterführen können, aus dem Gelege jedoch nichts schlüpft. Dies soll durch Beamte der Natur- und Forstverwaltung mit hohem Personalaufwand gewährleistet werden – die Eier müssen dazu perforiert oder mit Paraffin eingerieben werden. Der luxemburgische Managementplan wurde im Frühjahr veröffentlicht, konnte dann von der Öffentlichkeit kommentiert werden und wird nun im Herbst präsentiert.

Jagd auf die Nilgänse wird also nicht erlaubt sein: Einerseits sei diese Methode ineffizient, weil mindestens 30 Prozent der 20 bis 45 Brutpaare pro Jahr getötet werden müssten, andererseits nisten die Gänse meistens an Orten, an denen die Jagd ohnehin so gut wie unmöglich sei, so die Ministerin in ihrer Antwort. Ob die Nilgänse mit dem luxemburgischen Managementplan in ihre Schranken gewiesen werden können, muss sich erst noch zeigen – wandern neue Exemplare aus den Nachbarländern ein, wird sich die Kontrolle der Wasservögelpopulation möglicherweise als Sisyphusarbeit herausstellen.

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