Kleidung: Kleidungsherstellung neu denken

Die Modeindustrie ist alles andere als fair. Eine Kampagne von Fairtrade und Caritas soll darauf aufmerksam machen.

Bio heißt nicht unbedingt fair: H&M verrät nicht, zu welchen Arbeitsbedingungen seine „Conscious Exclusive“-Kollektion produziert wird. (Foto: Mikael Jansson / H&M)

„Die Modeopfer sind nicht wir, die sind auf der anderen Seite des Planeten!“ Jean-Louis Zeiens Satz fasst die Botschaft der neuen Kampagne „Rethink Your Clothes“ sehr gut zusammen. Diese wurde am vergangenen Dienstag von Zeien, Präsident von Fairtrade Luxemburg, Kooperationsminister Schneider und Caritas-Präsidentin Marie-Josée Jacobs auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Ihr Ziel ist es, die Öffentlichkeit für das Thema „faire Kleidung“ zu sensibilisieren.

Der Herstellungsprozess des Großteils der Kleidung ist nämlich lange nicht so glamourös wie Modeschauen; es gibt große soziale und ökologische Probleme. Zum Beispiel bei der Baumwolle: Ihr Anbau ist nicht nur wasserintensiv, es werden auch große Mengen Pestizide aufgebracht. Zwei Prozent der bestehenden landwirtschaftlichen Flächen nimmt der Baumwollanbau ein, aber auf diese entfallen ganze elf Prozent der weltweit eingesetzten Pestizidmenge. Laut Fairtrade Luxemburg sterben jedes Jahr 22.000 Menschen an den Folgen des Pestizideinsatzes auf den Baumwollfeldern.

Die Arbeitsbedingungen für Textilarbeiter*innen sind ebenfalls sehr problematisch: Lange Arbeitstage, 7-Tage-Wochen, skandalös niedrige Löhne, Kinderarbeit, nicht beachtete Sicherheitsbestimmungen. Oft kommen die einzigen Einkünfte einer Familie von den Näher*innen – sind sie jedoch dem hohen Druck nicht gewachsen, werden sie schnell ausgewechselt. „In Bangladesch müsste der Mindestlohn fünfmal höher sein, um ein angenehmes Leben zu ermöglichen“, so Zeien. Die Entlohnung erfolgt oft im Akkord, also pro Stück statt pro Stunde.

Alternativen gibt es durchaus: Aus ökologisch angebauter Baumwolle wird „FairFashion“ geschneidert. Die „Rethink Your Clothes“-Kampagne soll die Konsument*innen darauf aufmerksam machen, dass Fairtrade-Kleidung einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit leistet und ebenso modisch sein kann wie die Konkurrenz aus billigeren Modehäusern. Aber die schläft nicht: Die Modekette H&M stellte in diesen Tagen ihre Kollektion „H&M Conscious Exclusive“ vor – zum siebten Mal schon versucht die Kette, sich ein „grünes“ Image zu verpassen. Verwendet werden hier Bio-Baumwolle, Bio-Leinen und Bio-Seide sowie Polyester aus Recyclingmaterial. Welche Löhne die Näher*innen der Kollektion erhalten, verrät H&M jedoch nicht.

Die gemeinsame Kampagne von Caritas und Fairtrade, die vom Kooperationsministerium unterstützt wird, will mit Plakaten, Workshops und Aktionen auf die Problematik unsozialer und unökologischer Kleidungsproduktion aufmerksam machen. Dabei soll nicht nur der Einkauf von fairer Mode im Mittelpunkt stehen, sondern auch das Reparatur und Wiederverwendung von Kleidung. Wie allerdings mit letzterem den Produzent*innen geholfen werden kann, ist eine Frage, die auf der Pressekonferenz am Dienstag offen blieb.

Auch über die teilweise sehr hohen Preise für faire Kleidung wurde nicht gesprochen – sollte dies so bleiben, wäre das ein fataler Schwachpunkt der Kampagne. Doch auch Arbeiter*innen können fair gehandelte Kleidung tragen – wenn sie denn bei solchen Gemeinden arbeiten, die bei der Beschaffung von Arbeitskleidung auf soziale und ökologische Kriterien achten. Laut Kooperationsminister Schneider will auch die Regierung dies bei kommenden Ausschreibungen einführen.


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