Konferenz: Für eine Dekolonisierung des Musikunterrichts

Warum kostenloser Unterricht nicht ausreicht, um die Musikausbildung zu demokratisieren? Antworten gibt es am 22. Juli im Trifolion Echternach bei der Konferenz „Decolonize Music Education“, organisiert von Klang Keller. Zu Gast ist der Experte Nate Holder.

Quelle: Nate Holder

In Luxemburg ist der öffentliche Musikunterricht seit kurzem kostenlos zugänglich. Wäre es im Rahmen dieses Projekts zur Demokratisierung der Musikerziehung nicht an der Zeit, den Musikunterricht grundlegend zu überdenken?“, schreiben die Mitglieder von Klang Keller, einem Projekt von Finkapé – Réseau Afrodescendant, im Ankündigungstext zur Konferenz „Decolonize Music Education“. Luxemburg führte im April als erstes europäisches Land einen zu großen Teilen kostenlosen Musik-, Sprech- und Tanzunterricht an öffentlichen Musikschulen ein. Reicht das allein, um den Musikunterricht grundlegend zu verändern und koloniale Muster aufzubrechen? Nate Holder geht diesen und anderen Fragen im Trifolion Echternach nach.

Holder steht für dekoloniale Musikerziehung und leitet hierzu Arbeitsgruppen an Universitäten, Schulen und Institutionen. Dabei arbeitet er die koloniale Vergangenheit auf und Vorurteile ab. Einen Ansatz, den er auch als Lehrperson und Inhaber des internationalen Lehrstuhls für Musikerziehung am Royal Northern College of Music in Manchester verfolgt. Darüber hinaus ist Holder Autor von Kinderbüchern zu Musik und veröffentlichte unter anderem das Buch „Where Are All the Female Black Composers?“ (2020). Im Mittelpunkt stehen darin, wie der Titel vorausahnen lässt, Schwarze Komponistinnen und ihre Werke.

Musikerziehung als Katalysator?

Die Konferenz dreht sich um drei zentrale Fragen: Welchen Einfluss hat der Kolonialismus auf den Musikunterricht und die Wahrnehmung von Musik? Wo liegt der Unterschied zwischen Dekolonisierung und Diversität? Und was könnte es bedeuten, Musikunterricht zu dekolonisieren? Am Ende der Konferenz von Nate Holder steht es dem Publikum frei, eigene Fragen einzubringen. Der Vortrag findet auf Englisch mit Simultanübersetzung ins Französische statt. Der Eintritt ist frei.

Quelle: Nate Holder

Für die Initiator*innen von Klang Keller ist derweil klar, dass eine Musikerziehung, die sich am klassischen europäischen Kanon orientiert, zwar eine „gute Schule“ ist, nicht aber die kulturelle Vielfalt Luxemburgs spiegelt. Der Klang Keller soll diese Lücke schließen: Im Zusammenhang mit dem Projekt werden unter anderem regelmäßig Konferenzen und Ateliers zum Thema angeboten sowie Orientierungskurse zu Musikrichtungen diverser Ursprünge, pädagogische Fortbildungen für Musiker*innen und Chorgesang. Die Verantwortlichen vom Klang Keller, darunter der Projektleiter Helder Da Graça, äußern in ihrer Mitteilung zur Konferenz ihre Vorstellung davon, wie auch die institutionelle Musikerziehung vielfältiger werden könnte: „Die institutionelle Musikerziehung könnte mit Hilfe von kompetenten Lehrkräften aus verschiedenen musikalischen Traditionen ein Katalysator sein, der sich aus diesem kulturellen Reichtum speist und alle Vorteile des Musizierens mit einem gemeinsamen Ziel verbindet: einer besseren und inklusiveren Gesellschaft.“

Neben der Musikerziehung geht es bei der Konferenz auch um den Begriff der Weltmusik. „Diese Bezeichnung wird standardmäßig verwendet, um musikalische Traditionen aus anderen Ländern in einer monolithischen, homogenen und damit abwertenden Gruppe zu kategorisieren“, steht im Text zur Veranstaltung. „Der Begriff ist abwertend, weil er die Besonderheiten der sogenannten traditionellen Musik unsichtbar macht und die Ahnenschaft dieser Musik auslöscht.“ Über diese und andere Themen wird sowohl im Zuge der Konferenz als auch in der nächsten Episode von „Um Canapé mat der woxx“, die am 26. Juli um 19:30 Uhr auf Radio Ara ausgestrahlt wird, diskutiert– dort ist dann nämlich Helder Da Graça zu Gast. Der Podcast ist später auf gängigen Podcast-Plattformen und auf woxx.lu zu finden.

Decolonize Music Education. Am 22. Juli, um 18 Uhr, im Trifolion Echternach.


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