Nation und Sprache: Die letzte Bastion

von | 17.03.2016

Sprache gilt als Kernelement der IdentitĂ€t. Im mehrsprachigen Luxemburg gewinnt das Luxemburgische immer mehr an Bedeutung – und erfĂŒllt nicht zuletzt eine soziale Funktion.

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Nicht nur in der Sprachendebatte artikulieren sich identitĂ€re Bestrebungen in Luxemburg: ‹Auch so etwas NebensĂ€chliches wie eine Nationalflagge kann nationalistischen Eifer auslösen. (Foto: Wikimedia)

Wirtschaftliche und politische Krisen bringen Unsicherheiten mit sich, vor allem bei den Aussichten fĂŒr die Zukunft. Wenn die Arbeitslosigkeit zunimmt, FlĂŒchtlinge ins Land strömen und auch noch die Muttersprache zu verschwinden droht, werden Schutzmechanismen aktiviert. Einer davon ist der RĂŒckgriff auf die Nation als Herkunftsgemeinschaft mit einer gemeinsamen Sprache. Dass diese Mechanismen auch im Europa des ‹21. Jahrhunderts noch funktionieren, ist bedenklich.

Als „Re-Ethnisierung der politischen Debatte“ bezeichnet der Soziologe und Sprachwissenschaftler Fernand Fehlen ein PhĂ€nomen, das er seit etwa 20 Jahren beobachtet. „Die Politik entdeckt sozusagen die IdentitĂ€t. Dieses PhĂ€nomen hat reale GrĂŒnde: Das Politische wird von der Wirtschaft zurĂŒckgedrĂ€ngt.“ Sich auf die „valeur-refuge“ der Nation zurĂŒckzubesinnen ist fĂŒr Fehlen eine Reaktion auf den zunehmenden Einfluss des Marktes und die dadurch bedingte teilweise Aushebelung der SouverĂ€nitĂ€t des Staates.

„Politik ist die Gemeinschaft, in der Menschen zusammenleben, sich organisieren, eine gemeinsame Gesetzgebung schaffen. Diese Gemeinschaft nennt man Nation“ erklĂ€rt der Soziolinguist. „Diese Nation – oder das wahlberechtigte Volk, das klingt weniger antiquiert – ĂŒbt seit der französischen Revolution die SouverĂ€nitĂ€t aus. Heutzutage werden aber die Gesetze, die Staaten sich geben, von Mechanismen in Frage gestellt, auf die man so keinen direkten Einfluss hat.“

Der RĂŒckgriff auf die Nation artikuliert sich in Luxemburg vor allem in der Sprachenfrage. „Ech wĂ«ll meng Aachtchen op LĂ«tzebuergesch bestellen“, machte schon vor Jahren in den sozialen Netzwerken die Runde. Das Thema ist seither nicht mehr aus der öffentlichen Debatte verschwunden. Das Referendum von 2015 und vor allem die Frage nach dem Wahlrecht fĂŒr Nicht-Luxemburger haben die Diskussion erneut angefacht. „Luxemburgisch ist Integrationssprache“ heißt es bei den selbsternannten HĂŒtern der Sprache, rund um die Internet-Plattform „Nee 2015“.

„Das Politische wird von der Wirtschaft zurĂŒckgedrĂ€ngt.“

„Vor hundert Jahren hĂ€tten wir wahrscheinlich noch darĂŒber gestritten, ob Luxemburgisch ĂŒberhaupt eine Sprache sei“ gibt Fehlen zu bedenken. Erst im Jahr 1984 wurde Luxemburgisch per Gesetz zur Nationalsprache erklĂ€rt. Kurze Zeit spĂ€ter verschwand das Französische aus der Abgeordnetenkammer und wurde durch das Luxemburgische ersetzt. Seit in den neunziger Jahren die Mobiltelefone aufkamen, werden SMS auf Luxemburgisch verschickt. Im neuen Jahrtausend kamen die sozialen Netzwerke hinzu. Seitdem wird fleißig auf Luxemburgisch diskutiert und kommentiert.

Eine Chance also, eine neue virtuelle Sprachgemeinschaft zu schaffen und sich von Fremdsprachigen abzugrenzen. Die so entstandenen Dynamiken haben natĂŒrlich auch eine reale Auswirkung auf Deutungsstrukturen, die sich beispielsweise in der weitverbreiteten Abneigung gegenĂŒber GrenzgĂ€ngern Ă€ußern. Der Aufschwung der luxemburgischen Sprache ist auch eine luxemburgische Antwort auf die sozialstrukturellen VerĂ€nderungen und die durch sie hervorgerufenen Probleme.

Deutlicher noch als der Aufschwung des Luxemburgischen ist fĂŒr Fernand Fehlen der Bedeutungsverlust des Französischen: „Die französische Sprache hat international an Gewicht und Prestige verloren.“ Im Gegenzug sei auf europĂ€ischer wie internationaler Ebene die englische Sprache auf dem Vormarsch.

Davon abgesehen aber werde „insgesamt intensiver auf Luxemburgisch kommuniziert“, so der Sprachwissenschaftler. Die neuen Medien spielten dabei eine wichtige Rolle. Aber auch wirtschaftliche ErwĂ€gungen seien im Spiel: „In Luxemburg ist eine Explosion von wirtschaftlichen AktivitĂ€ten zu verzeichnen, bei denen eine reelle Nachfrage nach der luxemburgischen Sprache besteht“. Der Umstand, dass man vermehrt auch in Luxemburg seine „Aachtchen“ auf Luxemburgisch bestellen wolle, verhelfe der Sprache zu einem „ökonomischen Wert“.

Vier Faktoren macht Fehlen fĂŒr den Luxemburgisch-„Boom“ der vergangenen Jahre aus: „Die Nachfrage nach der luxemburgischen Sprache nimmt zu, das kulturelle SelbstverstĂ€ndnis ist ein anderes geworden, die Sprache ist auf dem Weg, sich auch schriftlich zu etablieren, das Französische verliert international an Gewicht und Prestige“.

Als „Konflikt“ wĂŒrde Fernand Fehlen die aktuelle Sprachendebatte jedoch nicht bezeichnen. Im Vergleich mit einem Sprachenstreit, wie ihn beispielsweise Belgien kannte und zum Teil noch kennt, sei die Situation in Luxemburg nur sehr bedingt als konflikthaft einzuschĂ€tzen.

Denn Luxemburg ist als mehrsprachiges Land nicht so einzigartig, wie oft angenommen wird. Belgien, die Schweiz oder Kanada sind nur einige der LĂ€nder, die mehrsprachig funktionieren. FĂŒr Fernand Fehlen sind mehrsprachige LĂ€nder weltweit gesehen sogar in der Mehrheit. Und doch ist der Fall Luxemburg anders als der anderer mehrsprachigen Staaten: „Luxemburg versteht sich als eine einzige, mehrsprachige Gemeinschaft“ sagt Fehlen dazu. „Um ein ‘echter Luxemburger’ zu sein, muss man mindestens die drei im Land gelĂ€ufigen Sprachen beherrschen. Bei gebildeten Luxemburgern kommt noch Englisch dazu.“ Die Dreisprachigkeit sei „konstitutiver Bestandteil“ der luxemburgischen IdentitĂ€t, und zwar sowohl in ihrer gefĂŒhlsmĂ€ĂŸigen als auch in ihrer normativen Dimension.

„Die französische Sprache hat international an Gewicht und Prestige verloren.“

Das Aufkommen der IdentitĂ€tsfrage in Luxemburg ist kein isolierter Einzelfall, Ă€hnliches ist in vielen europĂ€ischen LĂ€ndern zu beobachten. In Spanien zum Beispiel gibt es gleich mehrere Regionen, die eine Abtrennung vom Zentralstaat in ErwĂ€gung ziehen. Auch in Schottland kam es 2014 zu einem Referendum, in dem ĂŒber die UnabhĂ€ngigkeit entschieden wurde. In beiden FĂ€llen waren politische und wirtschaftliche Probleme ausschlaggebend. FĂŒr Fernand Fehlen sind Sprachenkonflikte, wie sie etwa in Katalonien zutage treten, immer auch Ausdruck von „tiefsitzenden politischen und wirtschaftlichen Konflikten, die sonst nicht artikuliert werden“.

„Vor hundert Jahren hĂ€tten wir darĂŒber gestritten, ob Luxemburgisch ĂŒberhaupt ‹eine Sprache ist.“ ‹Der Soziologe und Sprach-wissenschaftler Fernand Fehlen. (Foto: woxx)

„Vor hundert Jahren hĂ€tten wir darĂŒber gestritten, ob Luxemburgisch ĂŒberhaupt ‹eine Sprache ist.“ ‹Der Soziologe und Sprach-wissenschaftler Fernand Fehlen. (Foto: woxx)

Aber auch in Staaten, in denen es keine sezessionistischen Bestrebungen gibt, wird die IdentitÀtsfrage gestellt. Nationalistische und identitÀre Tendenzen sind quer durch Europa zu beobachten, in einigen LÀndern stellen nationalistische Parteien inzwischen sogar die Regierungen.

Was allen diesen FĂ€llen gemein ist, ist eine verbreitete Unsicherheit als Grundlage fĂŒr nationalistische Affekte. Wirtschaftskrisen, hohe Arbeitslosigkeit, Krieg, FlĂŒchtlingskrisen – all dies sind Elemente, die eine solche Unsicherheit hervorrufen und verstĂ€rken können.

Wenn die eigene Zukunft ungewiss ist, sucht man nach einem gewissen Halt und hofft, ihn in einer Gemeinschaft zu finden. „IdentitĂ€tssuche bedeutet auch immer, sich eine gewisse Sicherheit geben zu wollen“, meint Fernand Fehlen. „Wenn die Zukunft ungewiss ist, wenn meine Zukunft oder die meiner Kinder bedroht ist, versucht man, dem Problem einen gemeinsamen politischen Nenner entgegenzustellen. Dabei spielen Emotionen natĂŒrlich immer eine große Rolle, und ein ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl kann sich gut ĂŒber die gemeinsame Sprache artikulieren. Die reale Sprachensituation hat damit wenig zu tun.“

Halt gibt in turbulenten Zeiten wie diesen der RĂŒckgriff auf alte Werte: Familie, Sprache, Nation. Wobei die Nation als Illusion von Gemeinschaft das KernstĂŒck der RĂŒckbesinnung auf lĂ€ngst vergangen Geglaubtes darstellt.

Dass zu einem Zeitpunkt, in dem Europa in einer Krise steckt, nationale Grenzen wieder geschlossen werden und die Antwort auf IdentitÀtsfrage vom Konzept der Nation geliefert werden muss, ist auch Ausdruck eines Mangels an europÀischer Identifikation. Die IdentitÀtskrise ist dementsprechend ein europÀisches Problem, das auch einer ErklÀrung auf supranationaler Ebene bedarf.

Woher kommt der Mangel an Identifizierung mit dem europĂ€ischen Projekt? Ein Teil der ErklĂ€rung dĂŒrfte in den immer noch sehr starken – und immer stĂ€rker werdenden – nationalen Interessen innerhalb der europĂ€ischen Union zu suchen sein. Wirtschaftliche Konkurrenz zwischen Mitgliedsstaaten, Lohn- und Steuerdumping innerhalb der Union, erhebliche sozioökonomische Unterschiede zwischen Ost- und West-, SĂŒd- und Nordeuropa sind weitere GrĂŒnde.

Aber auch das starke Gewicht der intergouvernementalen gegenĂŒber der supranationalen Ebene innerhalb der europĂ€ischen Entscheidungsstrukturen spielt sicherlich eine Rolle: Wenn Entscheidungen von Regierungschefs einzelner Mitgliedsstaaten statt von einer souverĂ€nen, gesamteuropĂ€ischen und demokratisch legitimierten Struktur, wie dem europĂ€ischen Parlament, getroffen werden, rĂŒcken nationale Interessen in den Vordergrund.

Da innerhalb der EuropĂ€ischen Union IdentitĂ€tsdokumente ihre ursprĂŒnglich nationale Geltungsgrenze lĂ€ngst ĂŒberschritten haben – wer StaatsbĂŒrger eines europĂ€ischen Landes wird, ist automatisch auch BĂŒrger der EU -, ist eine Reform des NationalitĂ€tengesetzes, auf der Grundlage einer neuen funktionalen Analyse der NationalitĂ€t, nur folgerichtig. Welche Rechte und Verpflichtungen bringt die luxemburgische NationalitĂ€t mit sich, und welche Anforderungen zu ihrem Erwerb sind ĂŒberhaupt sinnvoll?

„Zur Zeit ist die NationalitĂ€tenfrage immer noch eine Kompetenz des Nationalstaats“ erklĂ€rt der Verfassungsrechtler Luc Heuschling. „Sie hat allerdings einen Impakt auf Europa: ein BĂŒrger, der eine europĂ€ische NationalitĂ€t annimmt, erhĂ€lt damit auch die europĂ€ische BĂŒrgerschaft.“

„Sprachenkonflikte sind immer auch Ausdruck von tiefsitzenden politischen und wirtschaftlichen Konflikten, die sonst nicht artikuliert werden“.

Die geplante Reform des NationalitĂ€tengesetzes der Regierung sieht unter anderem neue Formen der Naturalisation vor. Dabei soll das erforderliche luxemburgische Sprachenniveau etwas gesenkt werden. Diese Konzession ist fĂŒr viele Stein des Anstoßes und hat eine erneute Debatte um nationale IdentitĂ€t und Sprache ausgelöst.

Dass die wenigsten Luxemburger ihre Sprache schriftlich beherrschen, scheint in der Debatte ĂŒberhaupt nicht von Belang zu sein. Ein anderer Aspekt, der ebenfalls kaum thematisiert wird, ist die Ursache fĂŒr die angestrebte Aufwertung der luxemburgischen Sprache. Angesichts der Tatsache, dass es in Luxemburg drei Amtssprachen gibt, das Luxemburgische jedoch keine europĂ€ische Amtssprache ist, stellt sich die Frage, aus welchen GrĂŒnden eigentlich der luxemburgischen Sprache die Stellung des Primats gegenĂŒber der deutschen und französischen zuerkannt wird und was die Politik dazu bewogen hat, die Aufwertung der luxemburgischen Sprache zu betreiben.

„Halt gibt in turbulenten Zeiten wie diesen der RĂŒckgriff auf alte Werte: Familie, Sprache, Nation.“

FĂŒr Luc Heuschling fĂŒhrt die starke Fokussierung auf das Luxemburgische in eine Sackgasse: „FĂŒr unsere Jugend gibt es nur Perspektiven, wenn sie mehrere Sprachen beherrscht. Auf das Luxemburgische zu pochen, bringt ihr im Studienverlauf, aber auch spĂ€ter auf dem Arbeitsmarkt, nur sehr wenig.“ Beim Jura-Studium beispielsweise komme man in Luxemburg nicht um das Französische herum.

Im Hinterkopf zu behalten bei der Förderung der luxemburgischen Sprache ist, dass durch sie der Raum fĂŒr andere Sprachen eingeengt wird. Luxemburg, das sich trotz seiner geringen GrĂ¶ĂŸe durch die Mehrsprachigkeit Vorteile verschaffen konnte, ist nun in Gefahr, sich diese Vorteile wieder zu verscherzen. Wenn das Französische, in Konkurrenz zum Englischen, im europĂ€ischen Raum an Einfluss verliert, sollte nicht versucht werden, diesen Verlust mit dem Luxemburgischen zu kompensieren, da damit eine Richtung eingeschlagen wĂŒrde, in der man sich von einer globalisierten Welt abkoppelt.

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FĂŒr ihn hat Luxemburgs Jugend nur Perspektiven, wenn sie mehrsprachig ist: der Verfassungsrechtler Luc Heuschling. (Foto: woxx)

Als nach dem zweiten Weltkrieg die ersten Kooperationen zwischen den verschiedenen Staaten Europas zustande kamen, war der Erhalt des Friedens eines der Hauptanliegen. Die Fiktion Nation und das mit ihr verbundene Nationalbewusstsein sollten langfristig der Identifikation mit dem gemeinsamen Europa weichen. Dass bei der aktuellen Behandlung der IdentitĂ€tsfrage etliche Vorteile der interstaatlichen Kooperationen aus dem Bewusstsein geraten, lĂ€sst sich nur auf historische Blindheit zurĂŒckfĂŒhren.

Dabei ist die Lösung so mancher, auf der nationalstaatlichen Ebene angesiedelten Probleme, gerade auf der europĂ€ischen Ebene zu finden. FĂŒr Luc Heuschling gehört zum Beispiel das vielbeschworene Problem des Demokratiedefizits in Luxemburg dazu. „Meine Hypothese ist, dass die Lösung des Problems des Demokratiedefizits in der Tatsache liegt, dass 85 Prozent der AuslĂ€nder in Luxemburg Angehörige von EU-Staaten sind“ erklĂ€rt er. „Wenn also auf EU-Ebene die Entscheidung getroffen werden sollte, dass alle BĂŒrger der EU an ihrem jeweiligen Wohnort innerhalb Europas das Wahlrecht erhalten, wĂ€re das Problem schlagartig gelöst.“

„Sprache kann die Funktion eines sozialen Schließungs-mechanismus erfĂŒllen, ĂŒber den sich gesellschaftliche Gruppen gegenĂŒber anderen abgrenzen.“

Die rezenten Entwicklungen und VerĂ€nderungen in Europa haben Ängste erzeugt, denen man auf nationaler Ebene statt auf europĂ€ischer, entgegenzuwirken versucht. Die Schließung der Grenzen als Reaktion auf FlĂŒchtlingswellen dokumentiert dies ĂŒberdeutlich. Um der Ungewissheit zu trotzen, werden wieder klare Linien und Abgrenzungen gefordert; das ehemals Implizite, verinnerlichte SelbstverstĂ€ndnis braucht auf einmal eine neue Definition.

Das IdentitĂ€tsbewusstsein als Bestandteil dieses SelbstverstĂ€ndnisses versteht sich dabei als etwas dauerhaft Problematisches. Die Antwort auf die Frage, wer wir sind, ist keine auf ewig verfestigte. Die IdentitĂ€t ist nichts anderes als ein Selbstbild, das Vorstellungen darĂŒber ausdrĂŒckt, wer wir sind und wie wir sein wollen. In den Worten des deutschen Philosophen Ernst Bloch, sind Selbstbilder „konkrete Utopien“, SelbstĂŒberschreitungen, die eine Idee von dem wiedergeben, was noch nicht ist. Auch die europĂ€ische IdentitĂ€t ist ein fortdauernder Prozess. Europa muss sich also stets neu definieren. Dabei kann es jedoch nicht auf eine gemeinsame Sprache zurĂŒckgreifen. Daher rĂŒhrt wohl der Umstand, dass man in einer europĂ€ischen IdentitĂ€tskrise zu nationalen Symbolen zurĂŒckkehrt. Auch Luxemburg macht hier keine Ausnahme und artikuliert die Frage nach der Gemeinschaftszugehörigkeit ĂŒber die Sprache.

Letztendlich geht es bei der Sprachendebatte in Luxemburg aber doch um etwas ganz anderes, nĂ€mlich um die Wahrung von Privilegien. Sprache kann die Funktion eines sozialen Schließungsmechanismus erfĂŒllen, ĂŒber den sich gesellschaftliche Gruppen gegenĂŒber anderen abgrenzen. Die luxemburgische Sprache wĂ€re dementsprechend so etwas wie die „letzte Bastion“ der Privilegierten.

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