Wort für Wort zu mehr Gerechtigkeit

Sprachen befinden sich in einem konstanten Wandel. In manchen Fällen kann dies zu einer inklusiveren Kommunikation und zur Anerkennung nicht-normativer Identitäten beitragen.

© pixnio.com

Seit dieser Woche haben Menschen, die einen inklusiven Sprachgebrauch ablehnen, ein Argument weniger zur Verfügung: Merriam-Webster, das älteste amerikanische Wörterbuch, hat „they“ als nicht genderspezifisches Pronomen in der Einzahl aufgenommen. Dieses ermöglicht im Englischen ein Singular-Pronomen zu benutzen, ohne sich zwischen der männlichen („he“) oder der weiblichen („she“) Form entscheiden zu müssen. Damit lässt sich nun nicht mehr damit argumentieren, „they“ sei grammatikalisch falsch.

Regeln und Normen als Argument für diskriminatorische Praktiken heranzuziehen, zeugt in erster Linie von Veränderungsresistenz. mehr lesen / lire plus

Hate Speech: Kein Problem, wenn gut verpackt

Das US-Unternehmen Youtube will ab sofort strenger gegen diskriminierende Videos vorgehen. Gänzlich verboten werden sie jedoch nicht.

Youtube gibt sich LGBTIQA-freundlich, aber ist es das wirklich? (© William Murphy / wikimedia commons)

Am Mittwoch publizierte die Videoplattform Youtube eine überarbeitete Fassung ihrer Richtlinien. Die neue Regelung sieht vor, Videos zu löschen, die homofeindliche, sexistische, rassistische oder anderswie diskriminierende Botschaften enthalten. Damit will die Plattform fortan strenger gegenüber Hate Speech vorgehen. „Today, we’re taking another step in our hate speech policy by specifically prohibiting videos alleging that a group is superior in order to justify discrimination, segregation or exclusion based on qualities like age, gender, race, caste, religion, sexual orientation or veteran status“, heißt es unter anderem in einem entsprechenden Statement. mehr lesen / lire plus

35 Joer Sproochegesetz zu Lëtzebuerg: Jo, mä …

D’ADR an d’Actioun Lëtzebuergesch fuerderen eng Reform vum Sproochegesetz, déi der aktueller Situatioun gerecht gëtt. Mä wéi gesäit déi aus?

Foto: Cayambe, CC BY-SA 3.0

Souwuel d’Actioun Lëtzebuergesch (AL) wéi och de Piraten-Deputéierte Sven Clement hunn an engem Schreiwes den Artikel 4 vum Sproochegesetz vum 24. Februar 1984 zitéiert. Konkret geet et dobäi ëm d’Formuléierung: „Lorsqu‘une requête est rédigée en luxembourgeois, en français ou en allemand, l‘administration doit se servir, dans la mesure du possible, pour sa réponse de la langue choisie par le requérant“. Fir d’AL an de Clement léisst „dans la mesure du possible“ ze vill Spillraum dofir, datt Formbréiwer an Äntwerten op Ufroen net op Lëtzebuergesch mussen iwwersat ginn. mehr lesen / lire plus

Sprachen: Ortstafelstreit, 
version luxembourgeoise


Schilder am Ortseingang sind eigentlich eine sehr banale Sache. Dennoch sind sie immer wieder Gegenstand politischer Diskussionen – nun auch in Luxemburg.

Bereits vor der Staatsgrenze mit Luxemburgisch in Kontakt kommen: Was wie der Traum von ADR-Politiker*innen klingt, ist in Hettange bereits Realität. (Foto: CC-BY-SA Cornischong/Wikimedia)

Die Szene an sich ist schon etwas absurd: Auf der Braderie in Mondorf laufen die Kandidat*innen der rechtspopulistischen ADR/Wee2050-Koalition mit einem gelben Ortseingangsschild herum. Darauf sind die drei Namen einer anderen Ortschaft zu lesen: Ëlwen, Troisvierges, Ulflingen. Es ist eins der plakativsten Beispiele für die teilweise sehr unterschiedlichen Ortsnamen im Großherzogtum. Die ADR-Truppe will damit ihre Forderung nach dreisprachigen Ortstafeln, auf denen der luxemburgische Ortsname in großer Schrift steht, illustrieren. mehr lesen / lire plus

Sprachendebatte: Wessen Sprache?

Die Sprachendebatte hat ein großes Defizit: Lediglich Luxemburgisch wird als „unsere“ Sprache angesehen. Der Dialog über Mehrsprachigkeit kann so nicht gelingen.

(Fotos: CC-BY-SA Zinneke / Wikimedia)

Es scheint in sämtlichen politischen Lagern so etwas wie ein Konsens darüber zu herrschen, dass „eis Sprooch“ geschützt, gehegt und gepflegt werden muss. Damit ist allerdings immer nur Luxemburgisch gemeint, was eigentlich eine paradoxe Situation ist. Natürlich besteht an der Ausbausprache Luxemburgisch ein besonderes Interesse, da sie nun einmal vor allem auf dem Gebiet des Großherzogtums entstanden ist und geformt wurde. Warum man deswegen jedoch sämtliche Verantwortung über die Weiterentwicklung des Deutschen und Französischen abgeben sollte, ist nebulös. mehr lesen / lire plus

Deutsche Gebärdensprache anerkannt

Die luxemburgische Mehrsprachigkeit ist um eine Sprache reicher: Am Dienstag wurde im Parlament ein Gesetzesprojekt verabschiedet, mit dem die Deutsche Gebärdensprache (DGS) als offizielle Sprache anerkannt wird. Gehörlose, Schwerhörige und ihre Angehörigen erhalten nun einige Rechte, so zum Beispiel die Möglichkeit, bei Behördengängen auf eine*n Gebärensprachen-Dolmetscher*in zurückgreifen zu können. Gehörlose oder schwerhörige Schüler*innen sollen dem Schulunterricht in der deutschen Gebärensprache folgen können. Außerdem stehen Betroffenen und ihren Angehörigen hundert Stunden kostenloser Unterricht für DGS zu. Kurse für DGS werden beispielsweise von der Stadt Luxemburg gemeinsam mit der Organisation Daaflux angeboten. Ein Mangel an Dolmetscher*innen besteht weiterhin, es gibt landesweit nur zwei. mehr lesen / lire plus

Sprachendebatte: Luxemburgisch vor!

Die Regierung wird nicht müde, die Wichtigkeit der Mehrsprachigkeit hervorzuheben. Parallel dazu fördert sie den privilegierten Stellenwert des Luxemburgischen – eine kontraproduktive Vorgehensweise.

(© Moselle Diversity)

Bereits seit Monaten sind Bildungs- und Kulturministerium darum bemüht, den Stellenwert der luxemburgischen Sprache zu stärken. Nachdem vorletzte Woche das Gesetz zur Förderung des Luxemburgischen einstimmig in der Chamber angenommen worden war, stellten Claude Meisch und Guy Arendt am Dienstag der Presse die Resultate der vier „Sproocheronnen“ vor, die im Februar und März organisiert worden waren.

Zunächst ging Meisch generell auf die gegenwärtige Strategie zur Förderung des Luxemburgischen ein. Es ginge dabei nicht darum, sich von Teilen der Bevölkerung abzukapseln, so Meisch. mehr lesen / lire plus

Öffentliche Schulen
: „Der aktuelle Lösungsweg ist der falsche“

Vergangene Woche startete der OGBL eine Kampagne gegen die Privatisierung Luxemburger Schulen. Wir haben mit Patrick Arendt, Präsident des SEW-OGBL, über gegenwärtige Entwicklungen und die Sinnhaftigkeit differenzierter Lernangebote gesprochen.

Sew-Präsident, Patrick Arendt, zeigt sich besorgt über gegenwärtige Entwicklungen 
im Schulwesen.
 (Foto: © privat)

woxx: Worum geht es bei Ihrer Kampagne?


Patrick Arendt: Wir haben festgestellt, dass durch die strukturellen Reformen von Herrn Meisch, die bereits unter Frau Delveaux begannen, die öffentliche Schule in den letzten Jahren geschwächt wurde. Die Autorität der öffentlichen Schule und die Lehrkräfte wurden von der Politik in Frage gestellt. Eltern haben das Gefühl, dass nichts mehr funktioniert und fangen an, sich nach Alternativen umzuschauen – auch wenn diese kostenpflichtig sind. mehr lesen / lire plus

Geschlechtergerechte Sprache:
 Heute schon gegendert?


Die wenigsten würden wohl von sich behaupten, beim Schreiben von Texten bewusst auf eine sexistische Sprache zurückzugreifen. Dabei ist, sich gendergerecht auszudrücken, keineswegs nur eine Frage des guten Willens.

(Bildquelle: Pixabay)

Einmal den Entschluss gefasst, bei seinem Sprachgebrauch künftig niemanden, schon gar nicht marginalisierte Geschlechtergruppen, auszugrenzen, gilt es sich erst einmal einen Überblick über entsprechende Möglichkeiten zu verschaffen. Doch schon bald kann sich ein Gefühl der Überforderung einstellen. „StudentInnen“, „Student_innen“, „Student*innen“ „Studierende“. Was ist da der Unterschied? Wofür sollte man sich am besten entscheiden? Wer hier nicht über gewisse Grundkenntnisse verfügt, mag verleitet sein, sogleich das Handtuch zu werfen.

Auf die Intention kommt es an

Unabhängig davon, welchen Ansatz man wählt – „geschlechterneutrale“, „gendergerechte“ oder „nicht-
sexistische Sprache“ – Umsetzungsmöglichkeiten gibt es zahlreiche. mehr lesen / lire plus

Sprachendebatte: Worüber wir eigentlich reden sollten


Die aktuelle Sprachendebatte kreist zu sehr um den symbolischen Stellenwert des Luxemburgischen. Eine alternative Schwerpunktsetzung ist vonnöten, die nicht dem rechten Lager in die Hände spielt.

Die Initative „Nee 2015/Wee2050“ erkennt Zahlen und Statistiken nicht als gültige Beweise an. Stattdessen setzt sie auf eine Emotionalisierung der Debatte. (Illu: © Nee2015/Wee2050)

„Lëtzebuerg ass en eesproochegt Land mat enger funktionaler Méi
sproochegkeet“, „d’lëtzebuergesch Sprooch muss méi gefërdert ginn“, „Et muss een onbedéngt Lëtzebuergesch schwätze kënnen um Aarbechtsmarché“. Wer am Dienstagabend das vom Radio 100komma7, Centre pour la Promotion des Arts und dem Zentrum fir politesch Bildung organisierte Rundtischgespräch „1 Sprooch – 1 Identitéit? mehr lesen / lire plus

Nation und Sprache: Die letzte Bastion

Sprache gilt als Kernelement der Identität. Im mehrsprachigen Luxemburg gewinnt das Luxemburgische immer mehr an Bedeutung – und erfüllt nicht zuletzt eine soziale Funktion.

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Nicht nur in der Sprachendebatte artikulieren sich identitäre Bestrebungen in Luxemburg: 
Auch so etwas Nebensächliches wie eine Nationalflagge kann nationalistischen Eifer auslösen. (Foto: Wikimedia)

Wirtschaftliche und politische Krisen bringen Unsicherheiten mit sich, vor allem bei den Aussichten für die Zukunft. Wenn die Arbeitslosigkeit zunimmt, Flüchtlinge ins Land strömen und auch noch die Muttersprache zu verschwinden droht, werden Schutzmechanismen aktiviert. Einer davon ist der Rückgriff auf die Nation als Herkunftsgemeinschaft mit einer gemeinsamen Sprache. Dass diese Mechanismen auch im Europa des 
21. mehr lesen / lire plus

NATIONALISMUS: Deconstructing Luxembourg

Das Großherzogtum und seine tausendjährige Geschichte – eine Erfindung? Ein Forschungsteam der Universität Luxemburg kratzt an den Grundfesten der hiesigen Geschichtsschreibung.

Als “Zerstückelung” stellte der Geschichtsschreiber Arthur Herchen 1918 die Umorganisationen des Territoriums dar, auf dem sich das Luxemburg des 20. Jahrhunderts befindet.

Können Sie sich erinnern, im Klassenzimmer mit Johann dem Blinden, dem Putsch von 1856 oder der Abdankung Maria Adelheids konfrontiert worden zu sein? Wer seine Schulzeit in Luxemburg verbrachte, hat aus der Sekundarschulzeit meist nur die farbigen Buchdeckel des vierbändigen „Manuel d’histoire luxembourgeoise“ aus den Siebzigerjahren in Erinnerung. Nach den französischen Königen und der Revolution, dem Ersten und vielleicht noch dem Zweiten Weltkrieg blieb meist keine Zeit mehr für „Le Luxembourg sous l’Ancien Régime“ oder „Le Luxembourg à l’époque contemporaine“. mehr lesen / lire plus