Neue genomische Techniken: Manipulativ

von | 14.05.2026

Bald stimmt das EU-Parlament über Regeln für sogenannte „neue genomische Techniken“ ab. Damit könnten demnächst genmanipuliertes Essen auf unseren Tellern landen, ohne dass wir davon wissen.

Nahaufnahme einer Biene, die eine gelbe Rapsblüte bestäubt.

Könnte NGT-Raps zur Gefahr für Bienen werden? Umwelt-NGOs sehen ein realistisches Bedrohungsszenario. (Foto: Frauke Riether/Pixabay)

Lange wurde auf EU-Ebene an einer Regulierung für „neue genomische Techniken“ (NGT) gearbeitet. Nachdem sich Kommission, Rat und Parlament in Verhandlungen Ende letzten Jahres über einen Kompromissvorschlag einig geworden sind, sollen die Abgeordneten nächste Woche grünes Licht geben. Neue Regeln für gentechnische Verfahren waren nötig geworden, weil sie immer wieder langwierige und komplizierte Gerichtsprozesse auslösten („Mutierte Ausnahme“; woxx 1722). Das Argument der Gentechnik-Konzerne: Moderne Verfahren seien von natürlichen Mutationen nicht zu unterscheiden. Daher dürften die Pflanzen nicht anders behandelt werden als solche, die mit traditionellen Mitteln gezüchtet wurden.

Die neuen Techniken – prominentestes Beispiel ist die „Genschere“ Crispr-Cas – sind viel genauer und ermöglichen gezieltere Eingriffe. Biotech-Konzerne wittern großes Marktpotenzial, doch die bisherige Gesetzgebung macht Zulassung, Anbau und Vermarktung schwierig. Kaum jemand möchte Lebensmittel kaufen, die als genmanipuliert gekennzeichnet sind. Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sind in der EU nur als Futtermittel ein Verkaufsschlager: Schon vor zehn Jahren waren 85 Prozent der Sojabohnen, die als Tierfutter importiert wurden, genmanipuliert („Gentechnik gegen Klimakrise“; woxx 1742).

Für die Konzerne soll der Vertrieb künftig einfacher werden, denn die EU sieht zwei Kategorien vor: NGT-1-Pflanzen sollen „herkömmlichen“ Pflanzen komplett gleichgestellt werden. Für Konsument*innen wird es keinerlei Kennzeichnung geben, sodass bald niemand mehr weiß, ob auf dem eigenen Teller genmanipulierte Pflanzen liegen. Lediglich das Saatgut muss markiert werden. Für Pflanzen der Kategorie NGT-2 gelten die bisherigen Regeln für GVO. Was ist der Unterschied? In der ersten Kategorie ist nur eine gewisse Anzahl an veränderten Genen erlaubt, außerdem dürfen die Pflanzen keine Toleranz gegenüber Herbiziden haben oder selbstständig Insektizide produzieren.

Statt klipp und klar zu sagen, dass sie GVO deregulieren will, betreibt die Politik ein semantisches Versteckspiel.

Diese Definitionen sind arbiträr und dienen nur zur Verwirrung: Statt klipp und klar zu sagen, dass sie GVO deregulieren will, betreibt die Politik ein semantisches Versteckspiel. Aus diesem Grund blieb eine gesellschaftliche Diskussion aus, was mehr als bedauerlich ist. Die CSV scheute das Thema so sehr, dass es in ihren Wahlprogrammen zu den letzten National- und Europawahlen überhaupt nicht auftauchte.

Einerseits wird so sicherlich das Gefühl, die Politik wolle die Bürger*innen hinters Licht führen, bei vielen noch einmal verstärkt. Wer sich 2021 von „Gentechnik“ in den Covid-Impfungen abschrecken ließ, wird sich von dem Argument, NGT-1-Pflanzen hätten theoretisch ja auch natürlich entstehen können, sicherlich nicht überzeugen lassen. Außerdem wäre es gut und wichtig, die Debatte über Gentechnik etwas tiefer zu führen, anstatt auf das ewige „Pro und Kontra“ zurückzufallen.

Gentechnik ist aus vielen industriellen und pharmazeutischen Bereichen nicht mehr wegzudenken, spart Kosten und rettet Leben. Das gilt nicht nur für Impfungen, sondern auch zum Beispiel für die Herstellung von Insulin. So könnte man sich vorstellen, dass genmanipulierte Pflanzen, die gegen Trockenheit resistent sind, höhere Erträge bringen oder sich mit wichtigen Nährstoffen anreichern, durchaus einen Platz in der Landwirtschaft haben könnten. Doch der Teufel steckt im Detail: Denn obwohl NGT-Modifikationen an Raps zur Erzeugung bestimmter Fettsäuern zum Beispiel vielversprechend klingen, könnte die Pflanze dadurch zu einer Gefahr für Bestäuberinsekten werden. Die vielfältigen Effekte, die auch eine Kombination verschiedenster GVO auf den Feldern hervorbringen könnte, sind weder vorhersehbar, noch mit den Effekten traditioneller Züchtung zu vergleichen.

Es ist gar nicht so sehr die Technik an sich, sondern die Art, wie sie eingesetzt wird, die den meisten Widerstand hervorruft: In den Händen weniger großer Konzerne wird Gentechnik wohl weiterhin nur dazu eingesetzt, noch intensivere Landwirtschaft mit all ihren negativen Folgen zu betreiben. An erster Stelle sollte jedoch die Frage stehen, welche Art von Landwirtschaft und welche Form von Ernährung wir in der EU wollen. Erst danach kann man entscheiden, ob, beziehungsweise in welchem Maße, NGTs Teil dieser Lösung sein sollen.

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