Pasha Rafiy
: „Houere Géigewand!“

Der Dokumentarfilm „Foreign Affairs“ über Luxemburgs Außenminister ist zwar unterhaltsam, bleibt aber deutlich hinter den Erwartungen zurück.

1369kinoSo richtig gut kommt er nicht weg bei dem Ganzen, „Asselborns Jang“. Gemeint ist „Foreign Affairs“, der Dokumentarfilm von Pasha Rafiy über Luxemburgs amtierenden Außenminister. Der Film begleitet den ehemaligen Steinforter Bürgermeister während eines Jahres auf seinen Reisen durch die Welt, aber auch den Privatmenschen zuhause in seinem Garten oder auf einer seiner Radtouren. Mal leicht dümmlich-naiv – etwa wenn er vor einer Reise nach Mexiko seine Berater fragt „Wéi läit dat Cáncun dann do?“ -, mal sich anbiedernd, wie bei seinem US-amerikanischen Amtskollegen Kerry, den er unbeirrt „John“ nennt: Schonungslos, aber ohne Wertung, bietet der Film einen etwas anderen Blick auf den beliebtesten Politiker Luxemburgs.

Die Kamera ist immer dabei, so auch hinter den Kulissen internationaler Politik, die vor allem, so scheint es, aus Protokoll und Floskeln besteht. So zum Beispiel bei der Unterredung mit dem ehemaligen Übervater Juncker in Brüssel, der gegenüber „Jang“ immer noch eine ziemlich vaterhafte Attitüde an den Tag legt.

Auch bei den zahllosen Flügen und Autofahrten des Ministers ist die Kamera dabei, und es gelingt dem Filmemacher, auch die intimen Momente einzufangen, in denen Erschöpfung und manchmal Verzweiflung über den Zustand der Welt die Überhand gewinnen. Es sind diese Momente, die den im Umgang mit den Medien sehr habilen Machtpolitiker menschlich erscheinen lassen. À propos Umgang mit den Medien: Auch die gewisse Distanzlosigkeit gegenüber der Presse, die Asselborn zum wohl beliebtesten Politiker unter Journalisten macht, wird deutlich.

Zugleich kommt aber auch jene Seite des Sozialisten Asselborn zum Vorschein, der er verdankt, dass er zur Zeit auch allgemein als der beliebteste Politiker Luxemburgs gilt. „Loudervéi“ beschimpft er seinen Rasenmäher, als der nicht anspringen will, und über „houere Géigewand!“ regt er sich bei der Radtour auf – ganz die Art, die beim gemeinen Luxemburger so gut ankommt. Letztendlich, so kommt es rüber, ist „Asselborns Jang“ einer von uns. Seine zur Schau gestellte Naivität macht ihn menschlich. So scheint er erst beim Staatsbesuch in Iran den Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten kennenzulernen – eine Erkenntnis, die ihn fortan durch den gesamten Film begleiten und die er gleich mehreren Gesprächspartnern darlegen wird.

Die durchaus gelungene Kameraführung, die teilweise sehr intim anmutet, trägt zur Unterhaltsamkeit des Films bei. Nichtsdestotrotz ist „Foreign Affairs“ streckenweise langatmig. Letztendlich besteht der Film aus einer Aneinanderreihung verschiedener Szenen aus dem Leben Asselborns. Einen roten Faden gibt es nicht wirklich, ausgenommen vielleicht die Parallelen zwischen dem Anfang und dem Ende des Films. Keine Stimme aus dem Off, keine Erklärungen von Seiten Asselborns kommentieren das Gezeigte; dem Filmemacher genügt es, einfach nur dabei zu sein. Doch reichen die paar privaten Momente – auch wenn sie durchaus witzig sind – nicht aus, den Menschen hinter dem Politiker tatsächlich zum Vorschein kommen zu lassen.

Ein schlechter Film ist „Foreign Affairs“ nicht, er bleibt aber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Für KinobesucherInnen, die über den Kontext der jeweiligen Szenen informiert sind und sich in der internationalen Politik auskennen, bietet er einen interessanten Einblick in das, was sich hinter den Kulissen abspielt. Auch Fans von Jean Asselborn dürften zumindest teilweise auf ihre Kosten kommen. Der Mangel an rotem Faden und Tiefgang sorgen aber dafür, dass der Film nicht unbedingt im Gedächtnis haften bleibt.

Im Utopolis Belval, Utopolis Kircherg, Utopia und Cinémaacher. Alle Uhrzeiten finden Sie hier.

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