Pop
: Göttlich


Für Fans des Brit-Pop der 1990er Jahre sind „The Divine Comedy“ einfach unumgänglich. Die Band um den sensiblen Barden Neil Hannon kommt an diesem Freitag nach Luxemburg.

Ganz der englische Exzentriker: Neil Hannon.

Es gibt Bands, in denen die Mitglieder die Chemie bestimmen und die nur dann richtig funktionieren, wenn alle harmonieren. Bei einer Umstellung der Besetzung verändert sich diese Chemie, was auch das Ende der Band bedeuten kann. Und es gibt die anderen. Bands die sich ganz auf einen Leader beschränken, der das Sagen hat, die Stücke schreibt und eventuell auch mal einen, der ihm nicht liegt, rausschmeißen kann. „Captain Beefheart“ war so eine Band, und auch Frank Zappas „Mothers of Invention“ war eigentlich eine Diktatur im Kleinformat. Genauso ist es bei „The Divine Comedy“, denn eigentlich ist Neil Hannon, der Kopf der Band, auch das einzige konstante Mitglied seit ihrer Gründung.

Diese erfolgte 1989 in der nordirischen Kleinstadt Enniskillen. Ob es an der geografischen Entfernung von den pulsierenden britischen Großstädten lag oder einfach nur Pech war, weiß man nicht genau – jedenfalls waren die ersten Schritte der göttlichen Komödianten nicht von Erfolg gekrönt. Wohl auch wegen der doch etwas anspruchsvollen, verkopften Texte und der poppigen, mit Klassik-Versatzstücken angereicherten Klänge (ihretwegen gelten „The Divine Comedy“ auch als „Chamber Pop“ – ein Genre, das Brian Wilson von den Beach Boys mit seinem legendären Album „Pet Sounds“ popularisierte). Hannon hat eine Vorliebe für die britischen Altmeister wie William Wordsworth und spielt noch heute oft mit historischen und literarischen Hinweisen.

Erst das Album „Promenade“ von 1994 konnte erste Charts-Erfolge feiern. Zu diesen beigetragen hat auch, dass Hannon um die gleiche Zeit die Titelmelodie für eine der erfolgreichsten englischen TV-Serien komponierte, nämlich „Father Ted“. Die Band tourte in dieser Periode mit den „Großen“ des Musikbusiness, Tori Amos zum Beispiel, und hangelte sich von Erfolg zu Erfolg. Den Höhepunkt stellt sicher die Singleauskopplung „The National Express“ dar, die „The Divine Comedy“ im Jahre 1998 zu einer der Bands machten, die auf den Musiksendern rauf und runter gespielt wurden. Zwar musste Hannon seinen Stil entsprechend anpassen und seinen Dandy-Anzug ablegen, der bis dahin sein Markenzeichen war, aber ohne diesen Erfolg hätte die Band international sicherlich nicht das Ansehen erlangt, das sie heute noch hat.

Die 2000er Jahre waren für Neil Hannon zwar abwechslungsreich, kommerziell aber eher eine Durststrecke. Nach einigen Versuchen, den Sound seiner Band neu zu justieren, etwa indem er den Starproduzenten Nigel Godrich anheuerte, der schon mit Acts wie Radiohead oder Paul McCartney gearbeitet hatte, ging er schnell wieder eigene Wege und verfolgte nebenbei auch seine Zusammenarbeit mit der Werbebranche und der Filmindustrie (so sang er einige der Songs in der Science-Fiction Komödie „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ ein).

Das neueste (elfte) Studioalbum von „The Divine Comedy“ – „Foreverland“ – erschien übrigens im September 2016 – und ist zu hundert Prozent Hannon wie die Fans ihn mögen: Intelligente Pop-Songs mit orchestraler Begleitung, die intellektuell ansprechend und auch noch originell sind. Wer sonst sollte „Catherine the Great“ in Liedform huldigen?

Wer sich also an diesem Freitag etwas Göttliches gönnen will, der sollte im Atelier vorbeischauen. Übrigens: Es ist die erste Show in Luxemburg für „The Divine Comedy“…

Am 27. Januar im Atelier.

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