Wahlen: Wie die „Fake“-Wahlumfrage entstanden ist

von | 10.10.2018

Fake News, russischer Versuch der Manipulation, oder einfach nur ein Scherzkeks? Nachdem das englischsprachige online-Magazin „Delano“ eine vorgebliche Umfrage, die auf Twitter kursierte, veröffentlichte, gab es viele Spekulationen. Die woxx erklärt, wie die Resultate zustande gekommen sind.

Heute Mittwoch, 11 Uhr 45: Das englischsprachige online-Magazin Delano verschickt seinen halbtäglichen Newsletter. Gleich an zweiter Stelle: Ein nüchterner Hinweis auf neue Umfrageresultate zu den Wahlen am Sonntag. Die Resultate seien auf Twitter veröffentlicht worden, so das Magazin. Weiter kommentiert werden die dann doch sehr erstaunlichen Ergebnisse der vermeintlichen Umfrage, die von TNS-Illres im Auftrag von RTL und dem Luxemburger Wort durchgeführt worden sein soll und die der CSV eine absolute Mehrheit andichten wollte, nicht. Das Veröffentlichen von Umfrageergebnissen fünf Tage vor der Wahl ist in Luxemburg illegal.

Auf Twitter bricht ein Sturm der Entrüstung los. Der Präsident der Piratenpartei, Sven Clement, erklärt, eine Anzeige einbringen zu wollen. Ein Mitarbeiter von TNS-Illres kündigt an, dass seine Firma dies ebenfalls tun will. Wenige Stunden später berichten RTL und Wort, dass es sich um „Fake News“ handele und sie keine solche Umfrage in Auftrag gegeben hätten.

Das stimmt nicht ganz. Wer sich die Resultate von „Luxembourg Polls“ genauer anschaut und sie mit der kürzlich veröffentlichten „Politmonitor“-Umfrage vergleicht, kann einige markante Punkte feststellen. Der Umfragezeitraum ist zum Beispiel der gleiche. Die Zahl der Befragten stimmt nicht überein. Wie kommt „Luxembourg Polls“, das von einem gewissen Filip Van Laenen betrieben wird, auf 736 Teilnehmer*innen?

Die Antwort liegt in der real existierenden „Politmonitor“-Umfrage. Dort wurde gefragt, welcher Partei die Wähler*innen zutrauen, die Herausforderungen und Probleme des Landes lösen zu können. 30 Prozent der 1052 Befragten antworten „Keine Partei“ oder „Weiß nicht“. Die 70 verbleibenden Prozent sind 736 (und ein Zerquetschter, was Van Laenen nicht zu interessieren schien). Die Lösung des Rätsels scheint sehr banal: Eine Person, die wohl als Hobby hat, Umfrageergebnisse zu Prognosen umzurechnen und kein Luxemburgisch versteht, hat die „Politmonitor“-Ergebnisse als „Voting Intention“ interpretiert und Sitzzahlen berechnet. Das entbehrt natürlich jeder Grundlage.

Der Stein des Anstosses: Die Politmonitor-Umfrage von RTL und Wort und die Frage, welche Partei mit den Herauforderungen des Landes am besten umgehen könnte. (Quelle: TNS-Illres/RTL/Wort)

Wie kamen die Ergebnisse zu Delano? Wollte mann die luxemburgischen Wahlen durch falsche Umfrageergebnisse beeinflussen, wäre ein englischsprachiges Magazin vermutlich ein gutes Einfallstor: Die Journalist*innen sind oft noch nicht lange in Luxemburg ansässig und kennen die Gegebenheiten nicht. Allerdings gibt der Autor der Meldung auf Delano an, die Interpretation der Umfrageergebnisse auf Twitter gefunden (und sie nicht etwa per Mail bekommen) zu haben. Das mag ein journalistischer Fehlgriff gewesen sein, aber es deutet zumindest nichts darauf hin, dass hier jemand versucht hat, die Wahlen zu beeinflussen. Und weil Delano binnen weniger Stunden den Artikel über die „Fake“-Wahlumfrage wieder gelöscht hat, können alle – Journalist*innen wie Politiker*innen – zumindest bis Sonntag wieder ruhig schlafen.

Das Update mit der Reaktion Filip Van Laenens lesen sie hier. Der Tipp, wie der Fake enstanden ist, kam durch den Twitter-User BenElsen. Vielen Dank!

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