Willis Tipps: Februar 2017

The Klezmatics – zum 30sten

The Klezmatics haben sich rar gemacht. Jetzt ist endlich ein neues Album erhältlich, auf dem das Sextett wieder keine Wünsche offen lässt. Die Klezmermusik der osteuropäischen Juden überlebte in den USA und erfuhr in den 1970er-Jahren ein Revival. Die New Yorker Band erschloss ihr mit ihren rockigen Interpretationen ein neues Publikum. Das 1990er-Album „Rhythm and Jews“ brachte den Durchbruch. Nun feiern The Klezmatics ihr 30-jähriges Jubiläum mit Apikorsim/Heretics, auf dem die „Ketzer“ zum wiederholten Mal bornierten Denkmustern eine Abfuhr erteilen. Bemerkenswert ist die jiddische Version der katalanischen Hymne „L’Estaca“ Lluís Llachs, die nahtlos in die feine Mischung aus ruhigen Songs und ansteckenden Tanzmelodien passt. The Klezmatics gehören zu den KünstlerInnen, die sich nicht ständig neu erfinden müssen, um zu begeistern.
The Klezmatics – Apikorsim/Heretics (World Village)

Garifunapreziosen aus Honduras

Aurelio (Martinez) aus Honduras ist der führende lebende Vertreter der Garifunamusik und feiert ebenfalls das 30-jährige Jubiläum seiner Karriere, aber mit einer Platte voller Neuaufnahmen seiner besten Songs. Die Garifuna

sind eine Volksgruppe an der Ostküste mehrerer Länder Zentralamerikas, die auf der Karibikinsel St. Vincent durch Vermischung von freigekommenen afrikanischen Sklaven mit den Kariben, den Ureinwohnern, entstanden ist. Aurelios Musik zeigt, wie stark die afrikanischen Wurzeln vor allem in den Rhythmen dieser Menschen erhalten geblieben sind, und doch klingt es anders, als man es von schwarzer Musik aus dieser Region gewohnt ist. Darandi ist geprägt von treibender Perkussion, tollen Melodien, der markanten Stimme Aurelios und den stets präsenten „Surf“-Gitarreneinwürfen. Das Album dokumentiert eine hochinteressante Facette der Musik Mittelamerikas.
Aurelio – Darandi (Stonetree Records/Real World)

Inuitklänge für das 21. Jahrhundert

Im Norden Kanadas leben Inuit, in deren Kultur der ursprüngliche Gesang der Schamanen eine zentrale Rolle spielt. Von dort kommt Tanya Tagaq, die führende moderne und in Kanada preisgekrönte Vertreterin dieser Musik, die sie experimentell zelebriert. Schlagzeug, Violine und Elektronik legen einen Freistil-Klangteppich, auf dem sich ihre energiegeladene Vokalakrobatik mit Sprechgesang, Schreien, Röhren und Röcheln entfaltet; gelegentlich von einem Rapper und einem mongolischen Throatsinger unterstützt. Retribution ist ein zorniges Album, das Gewalt gegen Kinder, gegen Frauen, die Vernichtung der Lebensbedingungen der Inuit thematisiert, und mündet in ihre spezielle Version von Nirvanas provokantem „Rape me“. Tanya Tagaq hat mit dieser Platte erneut eine kompromisslose, raue und aufwühlende Version heutiger Inuitmusik geschaffen.
Tanya Tagaq – Retribution (Six Shooter Records)

Februar – Top 5

1.     Bonga – Recados de Fora (Lusafrica) Angola
2.     Cemîl Qoçgîrî – Zalâl (Ahenk Müzik) Kurdistan/Türkei
3.     Amira Medunjanin – Damar (World Village) Bosnien-Herzegowina
4.     Voxtra – The Encounter of Vocal Heritage (Muziekpublique) Sardinien/Albanien/Madagaskar/Finnland/Belgien
5.     Gaye Su Akyol – Hologram Imparatorlugu (Glitterbeat Records) Türkei
6. Noura Mint Seymali – Arbina (Glitterbeat Records) Mauretanien
7. The Klezmatics – Apikorsim / Heretics (World Village) USA
8. Abou Diarra – Koya (Mix et Métisse) Mali
9. Roberto Fonseca – ABUC (Impulse!) Kuba
10. Mariem Hassan – La Voz Indómita (Nubenegra) Westsahara
11. Kanazoé Orkestra – Miriya (Buda Musique) Burkina Faso
12. George Telek, David Bridie & Musicians of the Gunantuna – A Bit Na Ta (Wantok Musik) Papua-Neuguinea/Australien
13. The Nordic Fiddlers Bloc – Deliverance (The Nordic Fiddlers Bloc) Schweden/Norwegen/Shetlands
14. Çigdem Aslan – A Thousand Cranes (Asphalt Tango) Türkei/GB
15. Constantinople & Ablaye Cissoko – Jardins Migrateurs (Ma Case) Iran/Kanada/Senegal
16. Omar Sosa & Seckou Keita – Transparent Water (Otá Records) Kuba/Senegal/GB
17. Aurelio – Darandi (Real World Records) Honduras
18. Pascuala Ilabaca y Fauna – Rey Loj (Petit Indie) Chile
19. Richard Bona & Mandekan Cubano – Heritage (Qwest Records) Kamerun/USA
20. Alsarah & The Nubatones – Manara (Wonderwheel Recordings) Sudan/USA

Die ganze Chart auf http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“


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