Willis Tipps: Februar 2019

Burkina-Faso-Groove

Zwischen Mali und Ghana liegt Burkina Faso, ein Land, das in der Weltmusikszene ein Schattendasein führt, obwohl es dort ganz Aufregendes zu entdecken gibt, wie die aktuelle CD von Baba Commandant & The Mandingo Band beweist. Die zweite Platte der Gruppe heißt Sira Ba Kele und enthält sechs Tracks mit ansteckenden Grooves, die sich auf die traditionelle Musik des Mandinka-Volkes stützen, aber auch nicht verleugnen, dass die Band sich mit Afrobeat auskennt. Bass und Schlagzeug bilden die polyrhythmische Basis für die kantige Stimme des „Kommandanten“ Mamadou Sanou, der auch die Kamele-Ngoni-Spießlaute spielt. Aus dem rechten Lautsprecher tönen unaufhörlich die perkussiven Klangkaskaden des Balafons und von links kommen die nervösen Funk-Sounds der elektrischen Gitarre. Bester Afro-Groove aus Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou!

Baba Commandant & The Mandingo Band – Sira Ba Kele (Sublime Frequencies) CD + LP


 

Armenisch-türkische Verständigung

Muziekpublique ist eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in Ixelles, nahe Brüssel, das neben Konzerten auch eine prima CD-Reihe mit in Belgien wohnhaften Weltmusiker*innen im Programm hat. Bei der aktuellen Veröffentlichung handelt es sich um die zweite Platte des armenischen Duduk-Spielers Vardan Hovanissian und des türkischstämmigen Emre Gültekin, der die Saz-Laute spielt und auch singt. Das Album heißt Karin und bezieht sich damit auf den armenischen Namen der osttürkischen Stadt Erzurum. Bis zur Vertreibung und dem Völkermord 1915 lebten dort auch 40.000 Armenier*innen. Hovanissians Großvater war einer der nur 200 Überlebenden. Die Melancholie der aufgenommenen Stücke spiegelt den schmerzlichen Verlust des friedlichen Zusammenlebens zweier Völker. Die Kooperation der beiden zeigt aber auch, dass es Hoffnung gibt. Ein kleines Ensemble, inklusive dreier Sängerinnen aus der Türkei, Georgien und Iran, trägt die zwölf Stücke, die von der Saz und der mit der Oboe verwandten Duduk geprägt sind. Musikalisch und atmosphärisch eine ganz feine Platte!

Vardan Hovanissian & Emre Gültekin – Karin (Muziekpublique)


Eine Reise in die mongolische Steppe

Bei Musik aus der Mongolei werden Eingeweihte den Kehlkopf- und Obertongesang Khöömii erwarten. Urna Chahar-Tugchi, kurz Urna, beweist, dass es auch andere Facetten gibt. Urna wurde in der Inneren Mongolei, dem nördlichen Teil Chinas, geboren und ist mit den dortigen traditionellen Gesängen aufgewachsen. Sie hat später in Shanghai Musik studiert und ist über Kairo schließlich nach Berlin gekommen. Urna hat schon mehrere Platten aufgenommen und auf dem gerade erschienenen Album Ser ist die altgediente, renommierte polnische Gruppe Kroke als Begleiterin dabei. Kroke hat sich als Klezmerband einen Namen gemacht und in den letzten Jahren immer wieder Einflüsse aus anderen Ländern mit verarbeitet. Bei Urna fühlt sie sich perfekt in die mongolische Musik ein. Mit einem imposanten Stimmumfang von vier Oktaven trägt Urna sowohl traditionelle Weisen wie auch Eigenkompositionen vor. Die schönen, fremden Melodien und Urnas herausragende Stimme entführen die Zuhörer*innen in die schier unendlichen, baumlosen Weiten der mongolischen Steppe.

Urna and Kroke – Ser (URNA Chahar-Tugchi / /UCT)

 

Februar – Top 20

1. Bassekou Kouyate & Ngoni Ba – Miri (OutHere) Mali
2. Vardan Hovanissian & Emre Gültekin – Karin (Muziekpublique) Armenien/Türkei
3. Dhafer Youssef – Sounds of Mirrors (Anteprima) Tunesien
4. Urna Chahar-Tugchi & Kroke – Ser (Urna Chahar-Tugchi/UCT) Innere Mongolei/Polen
5. Le Trio Joubran – The Long March (Cooking Vinyl) Palästina
6. Salif Keita – Un Autre Blanc (Naïve) Mali
7. Ukandanz – Yeketelale (Buda Musique) Äthiopien/F
8. Belonoga – Through the Eyes of the Earth (NarRator Records) Bulgarien
9. Moonlight Benjamin – Siltane (Ma Case) Haiti/F
10. Gaye Su Akyol – İstikrarlı Hayal Hakikattir (Glitterbeat) Türkei
11. Debashish Bhattacharya, Hubert Zemler & Wojtek Traczyk – Joy!Guru (Unzipped Fly) Indien/Polen
12. Afro Celt Sound System – Flight (ECC) GB/Fusion
13. Tartit – Amankor / The Exile (Riverboat Records) Mali
14. Ali Hassan Kuban – From Nubia to Cairo (Piranha) Ägypten
15. Shooglenifty & Dhun Dhora – Written in Water (Shoogle) GB/Indien
16. Rodopi Ensemble – Thraki: Thrace, the Paths of Dionysus (ARC Music) Griechenland
17. Janusz Prusinowski Kompania – Po Śladach / In the Footsteps (Słuchaj Uchem / Buda Musique) Polen
18. Kelly Thoma – Ama Kopasoun oi Kairoi (Kelly Thoma) Griechenland
19. Alfredo Rodríguez & Pedrito Martínez – Duologue (Mack Avenue) Kuba/USA
20. Oratnitza – Alter Ethno (Fusion Embassy) Bulgarien

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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