Willis Tipps: Februar 2020

von | 27.02.2020

Haiti trifft New Orleans

Es ist schon eigentümlich, dass auf der karibischen Insel Hispaniola zwei ganz unterschiedliche Musikstile nebeneinander existieren. Im Osten, in der Dominikanischen Republik, findet man spanisch geprägte Latinoklänge. Im Westen, also in Haiti, das von Frankreich besetzt war, gibt es einen ganz spezifischen kreolischen Sound mit unüberhörbar afrikanischen Wurzeln. Die Folgen des verheerendes Erdbebens im Jahre 2010 sind im bitterarmen und krisengeschüttelten Land bis heute nur unzureichend behoben worden. In der Folge dieses Unglücks gründeten alte und junge Musiker*innen des Landes die Band Lakou Mizik, die jetzt ihr zweites Album veröffentlicht hat. Für HaitiaNola haben sie den Kontakt zu Musiker*innen aus New Orleans, unter anderem Cyril Neville und Leyla McCalla, gesucht; gar nicht abwegig, denn dort leben viele Nachkommen von Haitianer*innen, die vor 200 Jahren flüchteten. Das Ergebnis ist eine spannende Mischung aus haitianischen Traditionen und Mardi Gras. Eine ganz feine, groovende Platte, die die historischen Beziehungen musikalisch wiederbelebt.

Lakou Mizik – HaitiaNola (Cumbancha)


Kabylische Wurzeln

Souad Massi ist eine algerische Musikerin mit kabylischen Wurzeln. 2001 erschien ihr erstes Album, das sowohl in Frankreich wie auch in England erfolgreich war. Nun ist ihre siebte Platte erhältlich. Souad singt, spielt Gitarre und schreibt die meisten ihrer Lieder selbst. Die Singer-Songwriterin verarbeitet viele Einflüsse, darunter das Chanson und auch ihre ersten musikalischen Gehversuche in einer Flamencoband. Prägend bleiben jedoch die Klänge ihres kabylischen und arabischen Erbes. Sie singt auf Oumniya überwiegend in Arabisch, hat aber auch drei Lieder in Französisch mit aufgenommen, darunter „Pays natal“ von Marie-Paule Belle. Diese ganz besondere Kombination verschiedener Elemente, die schönen Melodien und das unverwechselbare, intime Timbre ihrer Stimme machen auch Massis neues Album zu einem akustischen Leckerbissen.

Souad Massi – Oumniya (Believe/Naive)


Portugiesisch-spanische Ăśberraschung

Das Album Lina_RaĂĽl Refree besticht deshalb, weil hier zwei hochklassige Musiker*innen aus den beiden iberischen Ländern einen ganz neuen Zugang zum Fado eröffnen. Lina ist eine studierte Sängerin, die in Deutschland geboren wurde und im Norden Portugals aufwuchs. Sie sang zunächst Opern und entdeckte schlieĂźlich den Fado fĂĽr sich. RaĂĽl Refree stammt aus Barcelona, begann seine Karriere als Musiker in Rockbands und hat sich in den letzten Jahren als experimenteller Produzent einen Namen gemacht. Zusammen haben sie nun eine bemerkenswerte Platte herausgebracht, in der Linas präsente Stimme ĂĽber einem Soundteppich aus Pianoklängen und elektronisch erzeugten Sounds schwebt. So nackt, ganz ohne die typische Instrumentierung, hat man Fado hier wohl noch nicht gehört. Eine echt starke Fadostimme in ungewöhnlichem Rahmen – wie aus einer anderen Welt!


Lina & RaĂĽl Refree – Lina_RaĂĽl Refree (Glitterbeat)


Februar – Top 20

1. Lakou Mizik – HaitiaNola (Cumbancha) Haiti
2. Aziza Brahim – Sahari (Glitterbeat) Westsahara
3. Asmâa Hamzaoui & Bnat Timbouktou – Oulad Lghaba (Ajabu!) Marokko
4. BallakĂ© Sissoko & Baba Sissoko – Sissoko & Sissoko (Homerecords.be) Mali
5. Petroloukas Halkias & Vasilis Kostas – The Soul of Epirus 
(Artway-Technotropon) Griechenland
6. NaĂŻssam Jalal – Om al Aagayeb (Les Couleurs du Son) Syrien/F
7. Roberto Fonseca – Yesun (Mack Avenue) Kuba
8. Tautumeitas – Dziesmas no Aulejas / Songs from Auleja (CPL Music) Lettland
9. Blato Zlato – In the Wake (Blato Zlato) USA
10. V.A. – Kinshasa 1978 (Crammed Discs) DR Kongo
11. Sinafi Trio – Iho (Kalan MĂĽzik) TĂĽrkei
12. Lankum – The Livelong Day (Rough Trade) Irland
13. The Yandong Grand Singers – Everyone Listen Close / Wanp-Wanp Jangl Kap (Pan) VR China
14. The Garifuna Collective – Aban (Stonetree) Belize
15. Mamadou Kelly – Les Bateaux (Clermont Music) Mali
16. Lina_RaĂĽl Refree – Lina_RaĂĽl Refree (Glitterbeat) Portugal/Spanien
17. Gyedu-Blay Ambolley – 11th Street, Sekondi (Agogo) Ghana
18. Mah Damba – Hakili KĂ©lĂ© (Buda Musique) Mali
19. Kefaya & Elaha Soroor – Songs of Our Mothers (Bella Union) UK/Fusion
20. Kiki Varela – Vivencias en Clave Cubana (Origin) Kuba

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.

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