Willis Tipps: Januar 2019

Salif Keitas starkes letztes Stück

Das sei sein letztes Album, hat Salif Keita erklärt. Keita, eine der größten Stimmen Afrikas, stammt aus dem höchsten malischen Adel und hätte deshalb gar nicht Musiker werden dürfen. Trotzdem ging er Ende der 1960er Jahre als Sänger zur legendären Rail Band in Bamako und dann zu Les Ambassadeurs. Mitte der 1980er zieht es ihn nach Paris und er veröffentlicht 1987 die Meilensteinplatte „Soro“. Zeitgleich mit Mory Kanté („Yeke Yeke“) erobert er damit das neugierige Publikum Europas, indem er die traditionelle Musik Malis mit Synthesizerklängen auf den neusten Stand bringt. Später widmet er sich zeitweilig auch akustischen Klängen, nutzt dann aber weiter überwiegend elektrische Sounds. Jetzt ist als finales Werk „Un autre blanc“ erschienen, das auf Klang-Traditionalisten wenig Rücksicht nimmt. An seiner Seite hat er Freund*innen wie Angélique Kidjo, Alpha Blondy, Ladysmith Black Mambazo und sogar den Pariser Rapper MHD. Auf dieser Platte verteidigt der fast 70-Jährige als der andere – afrikanische – Weiße die Rechte der diskriminierten Albinos und setzt musikalisch das starke Zeichen, das man von ihm erwartet.


Salif Keita – Un autre blanc (Believe/Naïve)


Ein austronesisches Mammutprojekt

Ganze drei Jahre haben die Produzentin BaoBao Chen und ihr Partner Tim Cole daran gearbeitet, 33 Musiker*innen von 16 Inseln zusammenzubringen. Dieses einzigartige Projekt spannt den Bogen von Tahiti über Taiwan, Papua-Neuguinea bis nach Hawaii und Madagaskar. Die musikalische Zusammenarbeit funktioniert perfekt wegen der uralten gemeinsamen Heimat dieser Austronesier genannten Volksgruppen in Südostasien, die sich dann später über Tausende von Kilometern in verschiedene Richtungen zerstreuten. „Small Island Big Song“ enthält 18 traditionelle Stücke von den verschiedenen Inseln, bei deren Einspielung aber alle Künstler*innen beteiligt waren. Die Instrumentierung ist strikt akustisch, der Gesang wunderbar authentisch und die Stücke sind in Naturklänge gebettet, sodass der Eindruck entsteht, man sei bei der Einspielung auf einem tropischen Dorfplatz direkt zugegen. Verpackt in handgeschöpftes taiwanesisches Papier ist die CD ein einmaliges interkulturelles, dazu ökologisches, faires und in jeder Hinsicht exzellentes Tondokument!

V.A. – Small Island Big Song (Small Island Big Song)


Elektronischer Iran aus Israel

Wenn eine israelische Schauspielerin und Sängerin die iranischen Wurzeln ihrer Eltern entdeckt und sich in die Obhut eines elektronischen Produzenten aus Tel Aviv begibt, entsteht das, was auf dem Album NAZ zu hören ist. Bei Filmaufnahmen in Los Angeles kam Liraz in Kontakt mit der dortigen, großen iranischen Gemeinschaft und begann Lieder auf Farsi zu schreiben. Iranische Sängerinnen, wie der Star Googoosh, die nach der Machtübernahme Chomeinis 1979 nur noch vor weiblichem Publikum singen durften, prägten die musikalische und inhaltliche Ausrichtung von Liraz. Frauenrechte sind ein durchgängiges Thema in ihren Liedern und zudem war sie auf der Suche nach einer Verbindung von iranischen Traditionen und aktuellen Klängen. Der israelische Produzent Rejoicer half, NAZ zu einem Album zu machen, in dem Liraz’ iranisches Erbe faszinierend gegenwartskompatibel klingt.

Liraz – NAZ (Dead Sea Recordings)


Januar – Top 20

1. Vardan Hovanissian & Emre Gültekin – Karin (Muziekpublique) 
Armenien/Türkei
2. Gaye Su Akyol – Istikrarlı Hayal Hakikattir (Glitterbeat) Türkei
3. Afro Celt Sound System – Flight (ECC) GB/Fusion
4. Dhafer Youssef – Sounds of Mirrors (Anteprima) Tunesien/F
5. SANS – Kulku (Cloud Valley) Finnland/GB/Armenien
6. Moonlight Benjamin – Siltane (Ma Case) Haiti/F
7. Urna and Kroke – Ser (Urna Chahar-Tugchi/UCT) Innere Mongolei/Polen
8. Ukandanz – Yeketelale (Buda Musique) Äthiopien/F
9. Vigüela – A Tiempo Real (ARC Music) Spanien
10. Bixiga 70 – Quebra-Cabeça (Glitterbeat) Brasilien
11. Bokanté + Metropole Orkest – What Heat (Real World) USA/Guadeloupe/NL
12. Damily – Valimbilo (Bongo Joe Records) Madagaskar
13. Rodopi Ensemble – Thraki: Thrace, the Paths of Dionysus (ARC Music) Griechenland
14. Danças Ocultas – Dentro desse Mar (Danças Ocultas) Portugal
15. V.A. – Nostalgique Porto Rico 1940-1960 (Buda Musique) Puerto Rico
16. Oratnitza – Alter Ethno (Fusion Embassy) Bulgarien
17. Salif Keita – Un Autre Blanc (Naïve) Mali
18. Lemma – Lemma (Buda Musique) Algerien
19. Amira Kheir – Mystic Dance (Sterns Music) Sudan
20. Shooglenifty & Dhun Dhora – Written in Water (Shoogle) GB/Indien

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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