Willis Tipps: Juli 2020

Junger Ghana-Highlife

Highlife war in den 1950/60er Jahren die angesagte Musik in Teilen Westafrikas. Der Nigerianer Fela Kuti hatte mit Highlife begonnen und ihn dann mit Soul und Jazz zum Afrobeat weiterentwickelt. Als Highlife-Hotspot gilt Ghana. Einer der dortigen Superstars war in den 1950er Jahren E.T. Mensah und auch heute noch sind alte Haudegen dieses Stils, wie Ebo Taylor und Gyedu-Blay Ambolley aktiv. Santrofi ist eine achtköpfige Truppe jüngerer Musiker, die bei den alten Meistern in die Lehre gegangen sind und auf Alewa zeigen, dass dieser sehr melodische Musikstil keineswegs zum nostalgischen Rentnerzeitvertreib verkommen ist. Mit scharfen Bläsersätzen, funky Gitarrenläufen, einem dichten Mid-Tempo-Groove und harmonischem Gesang beweisen Santrofi, dass der Highlife lebt und immer noch begeistert. Die Band kann aber auch Soul. Alte Highlife-Fans werden ihre Freude an dieser Scheibe haben und Neulingen bietet sie einen Einstieg, der nicht besser sein könnte!

Santrofi – Alewa (Outhere Records)


Flavias Brasilien-Pop

Die Musik Brasiliens hat eine unglaubliche stilistische Bandbreite und doch einen hohen Wiedererkennungswert. Das gilt auch für die Musik Flavia Coelhos, selbst wenn sie sich nicht scheut, auch andere südamerikanische Stile mit einzubeziehen. Sie wurde in Rio de Janeiro geboren und schloss sich in ihrer Jugend einer Samba-Gruppe an. Seit 2004 lebt sie in Frankreich – auch um dem weitverbreiteten sexistischen Klima in ihrer Heimat zu entkommen. Zunächst schlägt sie sich als Straßenmusikerin durch, bis ein Produzent auf sie aufmerksam wird. Ihre erste Platte erschien 2011 und nun ist ihre vierte, DNA, erhältlich. Wieder basieren die eingängigen Stücke auf dem musikalischen Erbe Brasiliens, werden teilweise mit Reggae angereichert und sind bestens tanzbar. Die Produktion ist modern, klingt aber erfreulicherweise überhaupt nicht überladen, sondern sehr intim. Das ist ganz feiner globaler Brasilien-Pop mit Flavias schöner Stimme im Zentrum.

Flavia Coelho – DNA (PIAS)


Nicht museumsreif – Rembetiko

Was man Aufregendes mit dem klassischen griechischen Rembetiko machen kann, ist auf dem vierten Album des Trio Tekke zu hören. Zwei der Musiker stammen aus Zypern. Antonis Antoniou hat neun der zehn Stücke geschrieben, singt und spielt unter anderem die Tzouras-Laute. Zudem ist er Mitglied des ebenfalls ausgezeichneten, aber streng akustischen, zypriotischen Trios Monsieur Doumani. Sein Landsmann Lefteris Moumtzis steuert vor allem die – oft elektrische – Gitarre bei. In London stießen sie auf den jazzerfahrenen Bassisten Colin Somervell und verstärken sich nun wieder mit dem einfühlsamen Drummer Dave de Rose. Auf der aktuellen Scheibe Strovilos, auf der sich auch drei Gastsänger finden, ist wieder etwas Experimentelles entstanden, bei dem die Tradition immer präsent ist und doch ständig Überraschendes geschieht, seien es Rhythmuswechsel oder effektgeladene Gitarreneinwürfe. Die Erhaltung der Tradition ist etwas sehr Wertvolles, andererseits muss sich Musik auch ständig weiterentwickeln, wenn sie nicht zum Museumstück erstarren soll. Trio Tekke macht exemplarisch vor, wie man Zeitgemäßes erschafft, ohne das Erbe zu vergessen. Ganz spannende Rembetiko-Variationen!

Trio Tekke – Strovilos (Riverboat Records)

Juli – Top 20

1. Damir Imamovic – Singer of Tales (Wrasse) Bosnien-Herzegowina
2. Bab L’ Bluz – Nayda! (Real World) Marokko/Frankreich
3. Wu Fei & Abigail Washburn – Wu Fei & Abigail Washburn (Smithsonian 
Folkways) China/USA
4. Trio Tekke – Strovilos (Riverboat Records) – Zypern/Fusion
5. Danyèl Waro – Tinn Tout (Buda Musique) La Réunion
6. Matthieu Saglio – El Camino de los Vientos (ACT Music) Spanien
7. Transglobal Underground – Walls Have Ears (Mule Satellite) UK
8. Ghalia Benali & Romina Lischka – Call to Prayer (Fuga Libera) Tunesien/Österreich
9. Groupe RTD – The Dancing Devils of Djibouti (Ostinato) Dschibuti
10. TootArd – Migrant Birds (Glitterbeat) Golan Höhen
11. Džambo Aguševi Orchestra – Brasses for the Masses (Asphalt Tango) Mazedonien
12. Santrofi – Alewa (Outhere) Ghana
13. Moonlight Benjamin – Simido (Ma Case) Haiti/F
14. Tamikrest – Tamotaït (Glitterbeat) Mali
15. Bamba Wassoulou Groove – Dankélé (Lusafrica) Mali
16. Carla Pires – Cartografado (Ocarina Music) Portugal
17. La Banda Morisca – Gitana Mora (La Banda Morisca) Spanien
18. Alhousseini Anivolla & Girum Mezmur  – Afropentatonism (Piranha) Niger/Äthiopien
19. Sen Svaja – Kraitis iš Pelkės / Dowry from a Swamp (CPL-Music) Litauen
20. Tony Allen & Hugh Masekela – Rejoice (World Circuit) Nigeria/Südafrika

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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