Ein würdiges Comeback
Nach einer Pause von neun Jahren meldet sich das Frauenensemble Värttinä zurück. Die Gruppe stammt aus Karelien im Osten Finnlands und ihre Geschichte reicht weit zurück: Bereits 1983 trat das Ensemble als vielstimmiger Mädchenchor in seiner Heimatstadt auf und brachte lokale Melodien auf die Bühne. Die erste Platte erschien 1987, der internationale Durchbruch gelang dann 1991. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die Frauenstimmen – teils solo, teils in polyphoner Mehrstimmigkeit –, die von einer Instrumentalgruppe begleitet werden. Zunächst traten die Sängerinnen als Fünfergruppe auf, ehe sie anschließend zu viert weitermachten. 2003 verschlankte sich das Ensemble noch einmal, Värttinä wurde zu einem Gesangstrio. Als solches hat die Band nun ihr neues Album Kyly (Sauna), herausgebracht – es ist tatsächlich schon ihre fünfzehnte Platte. Mari Kaasinen war von Anfang an dabei, Susan Aho stieß 1998 dazu und Karolina Kantelinen wurde vor 13 Jahren Mitglied. Die Frauen singen nicht nur, sondern spielen auch Instrumente und haben ein altgedientes männliches Instrumentaltrio (teils seit Beginn dabei) an ihrer Seite. Wieder ein richtig flottes Album mit schönen Melodien und wunderbaren Stimmen. Schön, dass Värttinä wieder da ist!
Värttinä – Kyly – Rockadillo Records
Ecuadorianische Mischung
Das Album Nubes Selva (Dschungelwolken) von Grecia Albán zeigt, wie man traditionelle lateinamerikanische Musik ganz überzeugend mit Synthesizer und Samples verbinden kann, ohne sich in banalen Clubsounds zu verlieren. Die Ecuadorianerin Albán hat nicht nur Cello und Musikpädagogik, sondern auch Kulturmanagement studiert. Ihre Musik ist dadurch geprägt, dass sie in einer Gegend aufgewachsen ist, in der sich die spanisch geprägte Musik mit jener der indigenen Bevölkerung vermengte. Sie hat aber auch offene Ohren für US-Folk und Jazz. Sie versteht ihre Musik als eine Verneigung vor den indigenen wie vor den afrikanischen Traditionen, die man in Ecuador finden kann. Auf ihrem nun zweiten Album – das erste erschien 2017 – singt sie deshalb sowohl auf Spanisch als auch auf Kichwa, das mit der Quechua-Sprache in Peru und Bolivien verwandt ist. Die elf Lieder, die sie mit dem Pianisten Miguel Sevilla geschrieben hat, verbinden die verschiedenen Einflüsse überzeugend und werden auch mal mit Piano und Bläsern instrumentiert. Dazu passt die schöne Stimme von Albán perfekt.
https://www.youtube.com/@lagrecia100
Grecia Albán – Nubes Selva – Folkalist Records
Afrobeat von heute
Femi Kuti ist der große nigerianische Afrobeat-Künstler, der 1979 im Alter von nur 15 Jahren in die Band seines Vaters Fela Kuti aufgenommen wurde und zehn Jahre später sein erstes eigenes Album herausbringen konnte. Jetzt gerade hat er seine elfte Studioplatte herausgebracht, die den Titel Journey through Life trägt. Sie soll, wie er sagt, eine Zusammenfassung seines Lebens darstellen, einschließlich der gemachten Fehler. Da die Liedtexte auf der Platte leider nicht abgedruckt sind, bleibt vieles im Verborgenen – nicht zuletzt, weil in nigerianischem Englisch gesungen wird. Die Songtitel lassen erkennen, dass erneut politische Themen aufgegriffen werden, etwa bei „Corruption na stealing“, das bereits 2018 von ihm interpretiert wurde. Das Album ist in Lagos im ganz neu errichteten Studio seiner Familie aufgenommen worden und beeindruckt wieder mit dem dichten Sound, den man von Kuti kennt. Der Musiker singt, spielt Trompete und Saxofon und bedient die Orgel. Seine Gruppe Positive Force besteht aus elf Instrumentalisten und drei Chorsängerinnen. Glühend heiße Perkussion, drückende Basslinien und schneidende Bläsersätze plus Kutis fordernder Gesang: Afrobeat der Extraklasse!
Femi Kuti – Journey through Life – Partisan Records
https://www.youtube.com/@ShrineTv
Die Nahöstliche Erkundungen
Auf dem Album Peripheries of Nahavand werden verschiedene orientalische Musikformen miteinander verbunden. Nahavand ist eine Stadt in Iran, nach der eine spezifische Form des klassischen anatolisch-arabischen Maqam benannt ist. Dieser trifft bei Araz Salek auf klassischen iranischen Dastgah. Der Künstler wurde in Iran geboren und ging 2005 nach Kanada. Er ist ein Meister auf der Tar, der persisch-afghanischen Langhalslaute mit achtförmigem Korpus. Wie er auf der CD-Hülle erläutert, beeindruckte ihn die Musikform des Maqam Nahavand bereits als Vierzehnjähriger. Deswegen beschloss er, die Beziehungen zwischen dieser musikalischen Tradition und der persisch-iranischen auszuloten. In Saleks Ensemble findet man die Ney-Flöte, die Tombak-Trommel und das Santur-Hackbrett. Der renommierte türkische Instrumentalist Derya Türkan lässt die Spießgeige namens Kamantsche erklingen und der umtriebige spanische Musiker Efrén López, der das Album produzierte, steuert die Ud bei. Eine starke Platte mit klassischen Stücken und Kompositionen, die die Kulturen des Nahen Ostens zusammenbringen. Bei drei Stücken hört man zudem die feine Sängerin Asare Shekarchi. Brilliant!
Araz Salek – Peripheries of Nahavand – Worlds within Worlds
World Music Charts Europe Juli – Top 10
1. Värttinä – Kyly – Rockadillo
2. Votia – Vié Kaz – Ajabu!
3. Gnawa World Blues – Majid Bekkas, Nguyên Lê,
Hamid Drake – ACT
4. Elana Sasson – In Between – PK Music
5. Brighde Chaimbeul – Sunwise – Glitterbeat
6. Sofia Leao – Mar – Uguru
7. Ammar 808 – Club Tounsi – Glitterbeat
8. Oktopus – Brahms, Balkans & Bagels – Oktopus
9. Dancas Ocultas – Inspirar – Galileo
10. Mandé Sila – Live – Contre-Jour
11. Natalia Lafourcade – Cancionera – Sony
12. Grecia Albán – Nubes Selva – Folkalist
13. Rodrigo Leao – A Rapaz Da Montanha – Galileo
14. Groupa – Kind of Folk Vol. 5 Poland – All Ice Records
15. Lina_ & Jules Maxwell – Terra Mae – Atlantic Curve
16. Barbora Xu – The Garden of Otava – Nordic Notes
17. Salif Keita – So Kono – No Format!
18. Kadialy Kouyaté – Tona – ARC Music
19. Matthieu Saglio & Camille Saglio – Al Alba – ACT
20. Urna Chahar-Tugchi – Duun, Voices – Urna Chahar-Tugchi

