Willis Tipps
: Juni 2018

von | 21.06.2018

PalÀstinensisches VermÀchtnis

Die bedeutendste palĂ€stinensische SĂ€ngerin der letzten Jahrzehnte war Rim Banna aus Nazareth, die zunĂ€chst vergessene Kinderlieder ausgrub und sich dann zu einem Sprachrohr des Kampfes fĂŒr die palĂ€stinensische Selbstbestimmung entwickelte. Im MĂ€rz dieses Jahres hat die 51-JĂ€hrige, die vor einigen Jahren an Krebs erkrankte, den langen Kampf gegen die Krankheit verloren. Krankheit und Therapie schĂ€digten ihre StimmbĂ€nder; dennoch konnte sie vorher noch 15 Lieder aufnehmen, die Persönliches und Politisches miteinander verbinden und nun posthum veröffentlicht worden sind. Der norwegische Pianist Bugge Wesseltoft und das tunesische Elektronik-Kollektiv „Checkpoint 303“ haben fĂŒr die instrumentelle Begleitung gesorgt und dabei auch Scans von Rim Bannas Körper, die wĂ€hrend ihrer Therapie angefertigt wurden, in elektronische KlĂ€nge transformiert. Das resultierende Album „Voice of Resistance“ ist das eindringliche musikalische VermĂ€chtnis einer kĂ€mpferischen Frau, das nicht nur musikalisch unter die Haut geht.

Rim Banna – Voice of Resistance (Kirkelig Kulturverksted)


Galizien – unbekanntes Spanien

Im nordspanischen Galizien tickt die musikalische Uhr ganz anders als im SĂŒden des Landes. Einer der fĂŒhrenden galizischen Musiker ist Xabier Diaz, der auch forschend tĂ€tig ist. Vor Beginn seiner Solokarriere 2004 war er unter anderem die Stimme des Urgesteins galizischer Musik, der Gruppe BerrogĂŒetto. Diaz singt und spielt verblĂŒffend virtuos die Pandeireta Galega, das galizische Tamburin. Auf „Noró“ wird er begleitet von Drehleier, Geige, Akkordeon und der tollen 12-köpfigen Frauenvokalgruppe „Adufeiras de Salitre“, die auch fĂŒr zusĂ€tzliche perkussive Tiefe sorgt. Die 13 StĂŒcke sind moderne Interpretationen traditioneller galizischer Musik. Der Erfolg seines Dudelsack spielenden Landsmanns Carlos NĂșñez erzeugte den falschen Eindruck, dass alle Musik dort BezĂŒge zum Irischen aufwiese. Xabier Diaz und seine Gruppe zeigen eindrĂŒcklich, dass in Nordwestspanien musikalisch weit mehr existiert. Eine ausgezeichnete Platte mit ganz spezieller Musik, die zu entdecken sich wirklich lohnt!

Xabier Diaz & Adufeiras De Salitre – NorĂł (Algunhas mĂșsicas do norte) (Musicas de Salitre)


Madagassische KoryphÀen

Das Trio Toko Telo konnte mit seinem Debutalbum im letzten Jahr einen vollen Erfolg verbuchen, doch hatte es leider kurz darauf den Tod seines Akkordeonmeisters RĂ©gis Gizavo zu beklagen. Nun hat die Gruppe mit „Diavola“ bereits ein neues Album herausgebracht. Zu Monika Njava (Gesang, Perkussion) und D‘Gary (Gitarre, Gesang) ist nun JoĂ«l Rabesolo gestoßen, der zur Spitzengruppe junger madagassischer Jazzgitarristen gehört, aber seinen Stil aus der madagassischen Tradition heraus entwickelt hat. Ohne Akkordeon klingt die Gruppe nun naturgemĂ€ĂŸ ein wenig anders, aber keineswegs schlechter, da Rabesolos rhythmische und melodische BeitrĂ€ge sich bestens mit dem extravagant-traditionellen Stil D‘Garys verbinden und hochinteressante Akzente setzten; er kommt eben aus dem madagassischen, und nicht aus dem westlichen Jazz. Monika Njava kann auch Jazz und hat sich trotz aller starken Traditionsverbundenheit schon immer Freiheiten in der Interpretation herausgenommen. Zwei tolle Gitarren und eine ganz besondere Stimme!

Toko Telo – Diavola (Anio Records)


Juni Top 20

1. Catrin Finch & Seckou Keita – Soar (Bendigedig) GB/Wales/Senegal
2. El NaĂĄn – La Danza de las Semillas (El NaĂĄn) Spanien
3. Toko Telo – Diavola (Anio) Madagaskar
4. Monsieur Doumani – Angathin (Monsieur Doumani) Zypern
5. Nancy Vieira – ManhĂŁ Florida (Lusafrica) Kapverden
6. Koum Tara – Koum Tara (Odradek) F/Algerien
7. Dobet GnahorĂ© – Miziki (LA CafĂ©) ElfenbeinkĂŒste
8. The Turbans – The Turbans (Six Degrees) GB
9. Solju – Ođđa Áigodat (Bafe’s Factory/Nordic Notes) Finnland
10. Shadi Fathi & Bijan Chemirani – DelĂąshena (Buda Musique) Iran
11. DjĂ©nĂ©ba & Fousco – Kayeba Khasso (Lusafrica) Mali
12. Arat Kilo, Mamani KeĂŻta, Mike Ladd – Visions of Selam (Accords CroisĂ©s) F/Mali/USA
13. Sonido Gallo Negro – Mambo CĂłsmico (Glitterbeat) Mexiko
14. Samba TourĂ© – Wande (Glitterbeat) Mali
15. Seun Kuti & Egypt 80 – Black Times (Strut) Nigeria
16. Amsterdam Klezmer Band & SöndörgƑ – Szikra (Vetnasj) NL/Ungarn
17. Rahim AlHaj Trio – One Sky (Smithsonian Folkways) Irak/Iran/USA
18. Grupo Mono Blanco – ÂĄFandango! Sones Jarochos de Veracruz (Smithsonian Folkways) Mexiko
19. Eva Salina & Peter Stan – Sudbina: A Portrait of Vida Pavlović (Vogiton) USA/Serbien
20. Sopa de Pedra – Ao Longe JĂĄ Se Ouvia (Sopa de Pedra) Portugal

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.

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Seit 1999 veröffentlicht Lucas Santtana Platten. Jetzt hat der Gitarrist, SĂ€nger, Flötenspieler und Komponist sein zehntes Album mit dem Titel Brasiliano herausgebracht. Auf jedem der elf StĂŒcke kooperiert er mit einem*r anderen SĂ€nger*in. So ist die in Paris lebende, am Pop orientierte GesangskĂŒnstlerin FlĂĄvia Coelho genauso zu hören wie der mit brasilianischem Reggae bekannt gewordene Chico CĂ©sar oder der Superstar Gilberto Gil, der zu den Urgesteinen des TropicĂĄlia-Stils gehört.

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