Eine Perle ungarischer Roma-Musik
Schon in den 1990ern hat MĂłnika Lakatos ihre ersten Erfolge in Ungarn gefeiert und wurde im letzten Jahr von der Weltmusikmesse Womex in Budapest mit dem Artist Award geehrt. Das war die hochverdiente WĂŒrdigung einer bedeutenden SĂ€ngerin und auch ein politisches Signal gegen die fortgesetzte Diskriminierung der Roma â nicht nur â in Orbans Ungarn. Nun ist die CD HangszĂn mit ihrer Band CigĂĄny Hangok (Gipsy Voices) erschienen. Diese kleine, fast zerbrechlich wirkende Frau hat eine ganz starke Stimme, die sowohl bei schnellen Liedern als auch bei getragenen Lamentos GĂ€nsehaut bei den Hörer*innen erzeugt. MĂłnika Lakatos gehört den OlĂĄh-Roma an, eine Volksgruppe, die einst aus Tschechien nach Ungarn gezogen ist, einen eigenen Dialekt spricht und unter den ungarischen Roma eine Minderheit bildet. Lakatosâ aktuelle CD ist ein erstaunliches StĂŒck Musik einer wunderbaren Roma-SĂ€ngerin aus Ungarn, die weit ĂŒber bekannte Gipsy-Klischees hinausgeht.
MĂłnika Lakatos and the Gipsy Voices â HangszĂn (Music Hungary ZenemĂŒkiadĂł)â©
Mit Omar Sosa durch Ostafrika
Der kubanische Jazzpianist Omar Sosa macht seit 1997 Platten mit groĂer Variationsbreite, wie 2018 mit der Geigerin und SĂ€ngerin Yilian Cañizares. Es hat ihn aber immer wieder zur Musik Afrikas hingezogen. So auch auf seinem neuen Album, das zehn Jahre bis zur Fertigstellung benötigte und dessen Titel An East African Journey schon verrĂ€t, wo es dieses Mal hingeht. Sosas Piano, Drums und Bass schaffen die Grundlage fĂŒr die feinen Kooperationen mit Musikern aus sieben LĂ€ndern, deren Musik und deren typischen Instrumente im Mittelpunkt stehen. Jeweils nur ein oder zwei Musiker sind auf den dreizehn verschiedenen StĂŒcken zusammen mit Sosas Trio zu finden. Vertreten sind renommierte Musiker aus Madagaskar (die Valiha- und Marovanymeister Rajery und Monja Mahafay!), aus Kenia, dem Sudan, Ăthiopien, Burundi, Sambia und Mauritius. Nicht Jazz-Affine brauchen sich nicht zu sorgen, denn Omar Sosa dominiert hier nicht, sondern setzt originelle Pianotupfer in die verschiedenen KlĂ€nge der jeweiligen LĂ€nder. Eine ganz feine Platte!
Omar Sosa â An East African Journey (Ota Records /Music Development Company)â©
TĂŒrk-Folk-Pop ganz von heute
âTurkish Psych Folk band from Amsterdamâ lautet die Eigenbezeichnung der Band Altin GĂŒn (Goldene Tage). Vier Mitglieder sind NiederlĂ€nder, zwei haben tĂŒrkische Wurzeln, darunter die SĂ€ngerin Merve Dasdemir. Das dritte Album Yol ist gerade erschienen und erinnert wieder an anatolische KlĂ€nge, wie man sie schon vor Jahrzehnten auch in den StĂ€dten Westeuropas hĂ€tte hören können, hĂ€tte man sich nur in die tĂŒrkischen âSalonusâ gewagt. NatĂŒrlich ist das up to date arrangiert und produziert, verströmt aber den Charme der anatolischen Musik von frĂŒher, die die meisten hier verpasst haben. Das ist weit mehr als flacher TĂŒrk-Pop, denn die Band spĂŒrt den Wurzeln tĂŒrkischer Musik nach. Yol enthĂ€lt unter anderem eine moderne Form eines StĂŒckes des legendĂ€ren Asık Veysel. Asıks sind die Troubadoure der Turkvölker mit ganz langer Geschichte. Was gibt es Besseres in moderner Musik, als eine Band, die mit Rockbesetzung, Keyboard und Saz-Laute nicht die banal-globalen Rock- und Pop-Rezepte reproduziert, sondern topaktuell und einzigartig klingt, weil sie sich von wertvollen Traditionen inspirieren lĂ€sst? Im Mai live in Esch/Alzette!
â©Altin GĂŒn â Yol (Glitterbeat)â©
MĂ€rz â Top 20
1. Omar Sosa · An East African Journey · Otå Records (Kuba/Ostafrika)
2. Warsaw Village Band / Kapela ze Wsi Warszawa · Waterduction / Uwodzenie · Karrot Kommando (Polen)
3. David Walters, Vincent SĂ©gal, BallakĂ© Sissoko, Roger Raspail · Nocturne · âšHeavenly Sweetness / Six Degrees Records (Martinique/Mali/Guadeloupe/F)
4. V.A. · Zanzibara 10: First Modern, Taarab Vibes from Mombasa & Tanga, âš1970-1990 · Buda Musique (Kenia/Tansania)
5. Altın GĂŒn · Yol · Glitterbeat (NL/TĂŒrkei)
6. Mariza · Mariza Canta AmĂĄlia · Taberna da MĂșsica / Warner Music (Portugal)
7. Stella Chiweshe · Ambuya! · Piranha (Zimbabwe)
8. Elida Almeida · Gerasonobu · Lusafrica (Kapverden)
9. Rembrandt Frerichs Trio & Hossein Alizadeh · Same Self, Same Silence · Just Listen Records (NL/Iran)
10. Anansy Cissé · Anoura · Riverboat Records / World Music Network (Mali)
11. LâAlba · Ă principiu · Buda Musique (Frankreich/Korsika)
12. Transglobal Underground · A Gathering of Strangers 2021 · Mule 20 (UK)
13. ĂnnĂĄmĂĄret · Nieguid Duovdagat · Uksi Productions (Finnland/Sapmi)
14. GĂĄjanas · CÌihkkojuvvon · Bafeâs Factory (Finnland/Sapmi)
15. Luedji Luna · Bom Mesmo Ă Estar Debaixo dâĂgua · Luedji Luna (Brasilien)
16. Sofia Labropoulou · Sisyphus · Odradek (Griechenland)
17. Smadj · Dual · Pschiit (Tunesien/F)
18. Liraz · Zan · Glitterbeat (Israel/Iran)
19. Las Lloronas · Soaked · Muziekpublique (Belgien)
20. Eliseo Parra · Cantar y Batir · Dalamix (Spanien)
Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook âMondophon auf Radio ARAâ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


