Willis Tipps: Oktober 2021

von | 28.10.2021

25 Jahre Fanfare Ciocarlia

Die rumänische Vorzeige-Brassband Fanfare Ciocarlia ist in Feierlaune. Sie wurde vor 25 Jahren gegründet, hat seitdem neun Alben aufgenommen und feiert jetzt mit ihrem zehnten ihr Jubiläum. Bereits 1997 begann ihre imposante Karriere in Westeuropa. Seitdem hat diese Roma-Combo aus dem kleinen Dorf Zece Prajini mit ihrem energiegeladenen Sound bewiesen, dass Blasmusik weit mehr sein kann als der geglättete Kitsch, der in unzähligen TV-Sendungen als Volksmusik verkauft wird. Fanfare Ciocarlia spielt die ungebändigte, echte Volksmusik der Roma in Rumänien: rau, kantig und teilweise in einem Höllentempo. Auf der neuen Scheibe It Wasn’t Hard to Love You geht es manchmal auch etwas ruhiger zu, aber den Turbospeed beherrscht die Combo immer noch glänzend. Roma-Bands haben seit jeher offene Ohren für andere Klänge und so verwandelt Fanfare Ciocarlia auf der neuen Platte einen Mambo in ein Gypsy-Stück und vor einer Brass-Version des Bill-Withers-Hits „Just the Two of Us“ schreckt die zwölfköpfige Band auch nicht zurück. Wieder eine ganz scharfe Scheibe!

Fanfare Ciocarlia – It Wasn’t Hard To Love You – Asphalt Tango


Karelien im Trio

Finnische Musiker*innen experimentieren gern. Das kann man auch beim zweiten Album des Trios Celenka erleben. Dieses Ensemble besteht aus gestandenen Musiker*innen: Eero Grundström ist unter anderem Teil des Mundharmonikaquartetts Sväng und bedient die Elektronik bei den Folk-Experimentalisten von Suistamon Sähkö. Bei Celenka spielt er das Harmonium. Emmi Kujanpää hat auf ihrem eigenen Album finnischen Folk mit bulgarischen Gesangsformen verbunden und spielt die Kantele-Zither. Der Trompeter Jarkko Niemelä hat Klezmererfahrung. Die rhythmische Basis erzeugen die drei nur mit ihren Füßen und alle tragen auch zum Gesang bei. Allerdings steht Kunjanpääs Stimme im Vordergrund. Trotz dieser sparsamen Besetzung erzeugt die Gruppe einen angenehm vollen Sound. Das Album Villoi Varsa stellt alte karelische Gesänge in den Mittelpunkt. Auch sind Lieder aus Theaterstücken des Russen Anton Tschechow verwendet worden – schließlich gehört heute der größte Teil Kareliens zu Russland. Das Album vereint Lieder unterschiedlicher Stimmung und sorgt so für eine abwechslungsreiche musikalische Reise durch diesen historisch schwer gebeutelten Landstrich. Eine spannende Platte mit vielen Überraschungen.

Celenka – Villoi Varsa – Nordic Notes


Ugandische Diva

Es ist lange her, dass man hier Musik aus Uganda hören konnte. Der einzige im Norden bekannte ugandische Musiker, war Geoffrey Oryema, der leider 2018 verstarb. Jetzt ist hier ein Album von Rachel Magoola erschienen, die bis 2003 in der Afrigo Band sang und immer wieder Soloalben aufnahm, die bei uns nicht erhältlich waren oder ignoriert wurden. Es wird nun wirklich Zeit, diese starke Sängerin zu entdecken, die sich für Mädchen- und Frauenrechte engagiert und in diesem Jahr ins ugandische Parlament gewählt wurde. Das war kein einfacher Weg, da zu Beginn ihrer Karriere Sängerinnen in Uganda als verrufen galten. Auf ihrem neuen Album Resilience singt sie Lieder aus verschiedenen Regionen ihres Heimatlandes, die sich mit den schwierigen Lebensbedingungen in Uganda auseinandersetzen. Die instrumentelle Basis bereiten Bass, Gitarre und Schlagzeug sowie die einsaitige Fiedel Endingidi und das Embaire genannte lokale Xylophon. Die elf Songs sind durchweg äußerst groovy und die Melodien gefallen sofort. Von Anfang bis Ende ansteckend!

Rachel Magoola – Resilience, Songs of Uganda – ARC Music


Top 20 – Oktober 2021

1. Monsieur Doumani · Pissourin · Glitterbeat
2. Fanfare Ciocarlia · It Wasn’t Hard to Love You · Asphalt Tango
3. Shujaat Husain Khan, Katayoun Goudarzi, Shaho Andalibi & Shariq Mustafa · This Pale · Lycopod
4. Canzoniere Grecanico Salentino (CGS) · Meridiana · Ponderosa Music
5. Omar Sosa & Seckou Keita · Suba · Bendigedig
Die TWMC TOP 20/40 bei: www.transglobalwmc.com, 
Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und woxx.lu (Willi Klopottek)

6. V.A. · Changüí: The Sound of Guantánamo · Petaluma
7. Angelique Kidjo · Mother Nature · Decca
8. Rachel Magoola · Resilience: Songs of Uganda · ARC Music
9. Petrona Martínez · Ancestras · Chaco World Music
10. Ballaké Sissoko · A Touma · Nø Førmat
11. Eva Quartet · Minka · Riverboat / World Music Network
12. Namgar · Nayan Navaa · ARC Music
13. V.A. · Cameroon Garage Funk · Analog Africa
14. Toumani Diabaté and The London Symphony Orchestra · Kôrôlén · World Circuit
15. Boubacar “Badian” Diabaté · Mande Guitar: African Guitar Series, Volume I · Lion Songs
16. Altın Gün · Âlem · Glitterbeat
17. Maher Cissoko · Cissoko Heritage · Ajabu!
18. Efrén López, Christos Barbas · Atlas · Seyir Muzik
19. Guy Buttery, Mohd. Amjad Khan & Mudassir Khan · One Morning in Gurgaon · Riverboat / World Music Network
20. Ballaké Sissoko · Djourou · Nø Førmat!

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPPMUSEK

Juli 2026: Willis Tipps

Mit Decennium, seinem dritten Album seit 2016, feiert das skandinavische Frauentrio Fru Skagerrak sein zehnjähriges Jubiläum. Neben gelegentlichen Gesangseinlagen und Flötenspiel stehen sowohl Standardgeigen als auch die mit einer tieferen Saite versehene fünfsaitige Geige und die gänzlich tiefer gestimmte Oktavgeige im Zentrum ihres musikalischen Ausdrucks.

KULTURTIPP

Willis Tipps: April 2026

Seit 1999 veröffentlicht Lucas Santtana Platten. Jetzt hat der Gitarrist, Sänger, Flötenspieler und Komponist sein zehntes Album mit dem Titel Brasiliano herausgebracht. Auf jedem der elf Stücke kooperiert er mit einem*r anderen Sänger*in. So ist die in Paris lebende, am Pop orientierte Gesangskünstlerin Flávia Coelho genauso zu hören wie der mit brasilianischem Reggae bekannt gewordene Chico César oder der Superstar Gilberto Gil, der zu den Urgesteinen des Tropicália-Stils gehört.

KULTUR AM ALLGEMENGEN

Assises sectorielles du chant choral: Junge Chorsänger*innen gesucht

Die „Assises sectorielles du chant choral“ vom vergangenen Samstag offenbarten, wo den Chören hierzulande der Schuh drĂĽckt. Es mangelt an Sichtbarkeit, pädagogischem Know-how und vor allem an Nachwuchs.   Wie bei Rundtischgesprächen ĂĽblich, boten die „Assises sectorielles du chant choral“ vergangenen Samstag einen Morgen voller leiser...