Willis Tipps: September 2019

Santana und Buika erkunden Afrika

Carlos Santana bei den Weltmusiktipps? Temporäre geistige Umnachtung beim Rezensenten? Keineswegs! Der Mexikaner hat immer gut in die Rockschublade gepasst, aber seit Anbeginn war sein Stil eindeutig von der Musik Lateinamerikas geprägt und Indien hat ihn zeitweilig auch inspiriert. 2014 erschien das Album Corazón, mit klarem Schwerpunkt auf Lateinamerika und jetzt kommt Afrika Speaks. Hier erkundet er die Beziehungen zwischen Afro-Amerika und Afrika. Das Album ist vor allem auch deshalb stark, weil Buika, die explosive, spanische Free-Flamenco-Sängerin mit afrikanischen Wurzeln, am Mikrofon steht. Natürlich ist Santanas einmaliger Gitarrenstil immer präsent. Der 72-jährige Mexikaner und die 47-jährige Spanierin haben hier eine Platte produziert, die wegen der Afrika-basierten Perkussion stets bestens groovt, auch in den ruhigeren Stücken. Bei den schnelleren Tracks geht dann richtig die Post ab! Santanas Gitarre und Buikas phänomenales Organ im Duett – perfekt!

Santana – Africa Speaks (Concord Records)

Mit Oum durch Marokko

Während die Musik Algeriens durch den Raï und Stars wie Khaled nicht nur in Frankreich eine Blütezeit erlebte, sind die Klänge des benachbarten Marokko hier nie so richtig angekommen. Immerhin hat die marokkanische Sängerin Oum mit ihren ersten beiden international veröffentlichten Alben Erfolge beim interessierten Publikum erzielen können. Mit ihrer neuen, dritten Platte sollte sie eigentlich noch mehr Hörer*innen erreichen. Die CD wurde von der palästinensischen Musikerin Kamilya Jubran produziert und bewegt sich zwischen den drei kulturellen Säulen Marokkos, der Musik der Gnawa, der Berber und der arabischen Tradition. Auf dieser Platte schwingt wieder ein bisschen Jazz-Feeling mit, aber sie klingt noch kompakter und nordafrikanischer als die Vorgängeralben. Eine erstklassige Sängerin und eine ganz spannende Melange der vielfältigen marokkanischen Stile.

Oum – Daba (Music Development Company)


Verborgene Funaná-Schätze aus Luxemburg

Es ist schon seltsam! Eine britische Plattenfirma findet eine kapverdische Gruppe, die sich 1986 in Luxemburg gegründet hat, hier lebt und offenbar ausschließlich in der kapverdischen Community bekannt ist. Auf Youtube lassen sich immerhin einige Clips aus letzter Zeit finden, die die Band bei Auftritten im kapverdischen Fernsehen zeigen. Grupo Pilon hat schon in den 90ern drei Platten veröffentlicht, die mangels Vertrieb leider keine große Verbreitung fanden. Ostinato Records hat die Scheiben gefunden und eine Kompilation mit sechs Stücken veröffentlicht, die belegen, dass das schon damals eine Gruppe war, die den rhythmischen Funaná bestens beherrscht. Oft wird die Musik der Inseln reduziert auf den melancholischen Morna, der von Cesária Évora weltweit bekannt gemacht wurde. Daneben existieren aber zahlreiche andere Stile, darunter der schnelle Funaná, der während der portugiesischen Kolonialherrschaft als subversiv verboten war. Was Grupo Pilon da abliefert ist wirklich empfehlenswert und es bleibt zu hoffen, dass die Musik endlich auch die Nicht-Kapverdianer erreicht.

Grupo Pilon – Leite Quente Funaná De Cabo Verde (Ostinato Records)


September – Top 20

1. Dona Onete – Rebujo (Mais Um) Brasilien
2. Cimarrón – Orinoco (Cimarrón Music) Kolumbien
3. Mara Aranda – Sefarad en el Corazón de Turquía (Mara Aranda) Spanien
4. Boban Markovic Orkestar – Mrak (Fonó) Serbien
5. Angelique Kidjo – Celia (Verve/Universal Music) Benin
6. Mísia – Pura Vida (Banda Sonora) (Galileo Music) Portugal
7. Oumar Konate – I Love You Inna (Clermont Music) Mali
8. Africa Express – Egoli (Africa Express) Südafrika/UK
9. Lajkó Félix & Vołosi – Lajkó Félix & Vołosi (Fonó) Serbien/Ungarn
10. Refugees for Refugees – Amina (Muziekpublique) Syrien/Irak/Afghanistan/Pakistan/Tibet/BE
11. Minyo Crusaders – Echoes of Japan (Mais Um) Japan
12. AKA Trio – Joy (Bendigedig) Senegal/Brazilien/Italien
13. Tuuletar – Rajatila/Borderline (Bafe’s Factory/Nordic Notes) Finnland
14. Janusz Prusinowski Kompania – Po Sladach / In the Footsteps (Słuchaj Uchem/Buda Musique) Polen
15. Santana – Africa Speaks (Concord) USA/Mexiko/Spanien
16. Parno Graszt – Már Nem Szédülök / Rolling Back (Fonó) Ungarn
17. Rhiannon Giddens with Francesco Turrisi – There Is No Other (Nonesuch) USA
18. Yolla Khalife – On the Road (Nagam) Libanon
19. Oum – Daba (Lof Music/MDC) Marokko
20. Kronos Quartet, Mahsa & Marjan Vahdat – Placeless (Kirkelig Kulturverksted) USA/Iran

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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